Marktberichte

"Ein sehr freundlicher Börsentag" Dax-Anleger zielen auf Jahresendrally

91596a21558b8034a429af2c0d0139bf.jpg

Plus 19 Prozent: An der Wall Street hebt die Netflix-Kursrakete ab.

(Foto: AP)

Vergessen ist der schlechte Wochenstart, die Kauflaune der deutschen Anleger ist zurück. Dax und Co. legen deutlich zu. Im Leitindex schließt nur ein Wert mit Verlusten - und auch die Wall Street überzeugt.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag deutlich steigende Kurse verzeichnet. "Es war insgesamt ein sehr freundlicher Börsentag", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. "Grundsätzlich ist man auf eine Jahresendrally eingestellt", unterstrich sie, nachdem der Dax im Tageshoch mehr als 150 Punkte im Plus notierte. Zum Handelsschluss bröckelten die Gewinner wieder etwas. "Ein bekanntes Bild", sagte dann auch n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf zur "Schaukelbörse". Am Ende blieb der Dax in seinem bereits seit Wochen andauernden Seitwärtstrend zwischen 10.200 und 10.800 Zählern.

Der Dax schloss 1,2 Prozent im Plus bei 10.632 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 10.657 Zählern, das Tagestief bei 10.543. Damit bildete der Leitindex zum Schlusskurs vom Montag (10.504 Stellen) ein Gap aus. Am Montag war er 0,7 Prozent schwächer aus dem Handel gegangen. Der MDax zog 1,0 Prozent auf 21.448 Zähler an. Der TecDax konnte 1,3 Prozent auf 1785 Stellen zulegen.

Konjunktur: Bilanzen und mehr

"Mit einem Ausbruch dürfte richtig Bewegung in den Markt kommen", sagte ein Aktienhändler. Damit könnte er in eine neue Trendphase eintreten. Aber erst in der zweiten Wochenhälfte sei damit zu rechnen, denn dann gebe es zwei Termine, die den Aktienmarkt aus der Lethargie reißen könnten, so der Marktteilnehmer weiter. Er verwies auf die Zins- und geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag sowie den "kleinen Verfall" am Terminmarkt am Freitag.

Die Bilanzsaison nahm indes Fahrt auf. So überraschten in den USA bereits am Montagabend nachbörslich IBM und Netflix positiv. In Deutschland enttäuschten Conti. Dafür überzeigte vorbörslich in den USA Goldman Sachs. Am Dienstag wollte sich nachbörslich noch Intel in die Bücher schauen lassen.

USA: Quartalsberichte als Impulsgeber

An der New Yorker Wall Street gehen Anleger mit Gewinnen in den Feierabend. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Dienstagshandel mit einem Plus von 0,42 Prozent auf 18.161 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 schließt 0,62 Prozent fester bei 2139 Zählern. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq verbessert sich um 0,85 Prozent auf 5243 Stellen.

Die Geschäftszahlen von Netflix und Goldman Sachs hätten auch den Kursen an der Wall Street auf die Sprünge geholfen, hieß es. Schon in den vergangenen Tagen hatten die Bilanzen einiger Branchengrößen die Markterwartungen übertroffen.

Netflix-Aktien gehen mit einem starken Aufschlag von 19 Prozent aus dem Handel. Die Online-Videothek hatte im abgelaufenen Vierteljahr die Zahl ihrer Abonnenten deutlicher gesteigert als erwartet. In den beiden Vorquartalen war die Zahl enttäuschend gewesen. Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs legte im dritten Quartal einen Gewinnsprung von knapp 60 Prozent hin. Es war bereits das zweite Vierteljahr in Folge mit Zuwächsen, nachdem es zuvor vier Quartale am Stück bergab gegangen war. Die Aktien zogen 2,2 Prozent an.   

Dax: Gewinnwarnung von Conti

Bei den Einzelwerten im deutschen Leitindex lag der Anlegerfokus auf zwei Werten: VW und Continental. Conti gaben zeitweise rund 4 Prozent nach, schlossen dann knapp 1,5 Prozent leichter. Sie waren damit größter und einziger Verlierer im Dax, nachdem die Titel am Montag noch zu den wenigen Titeln gehört hatten, die einen Mini-Gewinn verzeichnen konnten. Allerdings lieferte der Autozulieferer nachbörslich eine Gewinnwarnung ab. Demnach verhageln einige Sonderbelastungen gründlich das Geschäftsjahr. "Die Anleger reagieren sehr empfindlich",  kommentierte n-tv-Börsenexpertin Dofel.

VW rückten mit der Gerichtsentscheidung zu den Entschädigungszahlungen in den USA in den Blick. Es wird gehofft, dass das Gericht in San Francisco seine Zustimmung zu dem bereits vorliegenden Milliardenvergleich mit Händlern und Privatklägern gibt. "Man geht auf jeden Fall davon aus, dass die Zustimmung erfolgt - alles andere wäre ein Schock", sagte ein Händler. Schließlich habe der Richter den Vergleichsvorschlag bereits im Sommer als fair bezeichnet. Das Volumen der möglichen Zahlungen liegt bei 16,5 Milliarden Dollar. VW-Titel beendeten den Handel rund 1 Prozent fester.

SAP zogen 1,4 Prozent an. Ein Impulsgeber dürften die Zahlen zum Cloud-Geschäft von IBM gewesen sein. Die Umsätze in dieser Sparte sprangen um 42 Prozent nach oben. "Der Trend ist eben da und funktioniert für die Unternehmen, auch wenn der Wechsel von alten auf neue Technologien auf die Margen drückt", sagte ein Händler. SAP liefert am Freitag seinen Quartalsausweis ab.

MDax: Südzucker abgestraft

Südzucker
Südzucker 15,16

Mit einer Verkaufsempfehlung brachten Analysten von Kepler Cheuvreux Südzucker massiv unter Druck. Die Aktien stürzten zeitweise um fast 8 Prozent ab. Der Kampf um die Marktanteile unter den europäischen Zuckerproduzenten sei intensiver als angenommen, begründeten die Experten ihre Herabstufung auf "reduce" von "buy". Vor der Liberalisierung des Marktes 2017 führe dies zu niedrigeren Preisen. Daher senkten die Analysten ihre Gewinnschätzungen für die Geschäftsjahre2017/18 und 2018/19 um 23 und 25 Prozent.

Europa: Zahlen satt

Der Schweizer Logistiker Kühne + Nagel legte Zahlen vor, die zeigten, dass die Marge im Seefrachtgeschäft unter Druck steht. Investoren wurden vorsichtiger und verkauften, die Aktien gaben mehr als 5 Prozent nach. Die Gewinnwarnung von Ryanair belastete die Titel kaum. "Wir hatten uns nach der Warnung von Easyjet schon gefragt, wo Ryanair damit bleibt", sagte ein Händler. Die Airline hole damit nur nach, was der Markt angesichts der Pfund-Abwertung schon vermutet hatte.

Burberry gaben mehr als 5 Prozent nach, nachdem das Unternehmen die hohen Erwartungen an die Quartalszahlen nicht erfüllen konnte. Einen deutlich besseren Absatz vermeldete Remy Cointreau. "Vor allem China ist noch besser gelaufen, als man bereits seit den LVMH-Zahlen erwartet hatte", sagte ein Händler. Die Titel schlossen rund 2 Prozent fester.

Devisen: Draghi bereits im Blick

Der Euro konnte sich bis zum Mittag über der Marke von 1,10 Dollar halte, fiel dann aber wieder darunter und notierte am Abend bei 1,0972 Dollar auf Tagestiefniveau und 0,3 Prozent unter dem Wert vom Montagabend. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,0993 Dollar fest nach 1,0994 Dollar zum Wochenstart.

Die in den USA im September merklich gestiegenen Verbraucherpreise gaben dem Dollar Auftrieb. Die Jahresinflationsrate war im September auf den höchsten Stand seit knapp zwei Jahren gestiegen. Die Rate war von 1,1 Prozent im Vormonat auf 1,5 Prozent geklettert. Allerdings war der Anstieg von Ökonomen so erwartet worden. Die Kerninflation, die Energie- und Lebensmittelpreise außen vor lässt, war hingegen leicht zurückgegangen.

"Es wird aber deutlich, dass der dämpfende Effekt der Ölpreisrückgänge allmählich nachlässt", schrieb Volkswirt Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba. Dies werde vor allem zur Jahreswende der Fall sein, sollten die Ölnotierungen bis dahin nicht wieder deutlich fallen. "Die Inflationsentwicklung steht einer Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr nicht entgegen", so Wortberg.

Rohstoffe: Ölpreis stabilisiert sich

Öl war nach den Kursverlusten zum Wochenstart lange teurer, ehe der Preis wieder zurückkam. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend dann 51,45 Dollar. Das waren 0,1 Prozent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI verteuerte sich dagegen um 0,2 Prozent auf 49,90 Dollar.

Noch zu Wochenbeginn hatten Daten aus den USA und Libyen eine steigende Produktion angezeigt, was die Preise teilweise unter 50 Dollar pro Fass drückte. Am Dienstag kehrte etwas die Zuversicht zurück, dass die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihre anvisierten Produktionskürzungen auch in die Tat umsetzen wird. "Der Ölpreis stabilisiert sich", erklärte ein Marktstratege im australischen Melbourne.

Asien: Positiv auf breiter Front

Moderate Kursgewinne auf breiter Front prägten das Bild an den ostasiatischen Börsen. Marktteilnehmer verwiesen dazu auf zuletzt nicht überzeugende US-Konjunkturdaten, die eine US-Zinserhöhung noch in diesem Jahr ihrer Meinung nach unwahrscheinlicher machten. Zudem implizierten einige Kommentare von US-Notenbankern ein weiteres Abwarten, hieß es.

Der Tokioter Nikkei-Index kletterte 0,4 Prozent auf 16.964 Punkte. Der Shanghai Composite und der Hang Seng legten ebenfalls zu, der HSI dabei deutlich. Zudem zogen auch in Sydney die Kurse an.

Erholt zeigten sich in Hongkong vor allem die am Montag stark gebeutelten Aktien der Betreiber von Spielkasinos. Sie waren in eine Art Sippenhaft genommen worden, nachdem Mitarbeiter des australischen Kasinobetreibers Crown Resorts im Zuge chinesischer Untersuchungen wegen Betrugsverdachts festgenommen worden waren. Während es für Crown in Sydney nach dem zweistelligen Minus um 1,3 Prozent wieder aufwärts ging, erholten sich in Hongkong MGM China Holdings 4 Prozent, Galaxy Entertainment Group 2,6 Prozent und Sands China 1 Prozent

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa