Marktberichte

Börsen-Ausblick Dax nähert sich 12.000 Punkten

imago61694063h.jpg

(Foto: imago/Michael Weber)

"Wie weit denn noch?", diese Frage stellen sich viele Anleger beim Blick auf den Dax. Nach einer Kursrally von 20 Prozent allein seit Anfang Januar steigt die Zahl der Skeptiker.

Immer schneller, immer höher - der Dax kennt in diesem Jahr offenbar nur eine Richtung, nach oben. Auch in der dritten März-Woche wird sich an dieser Grundtendenz nach Einschätzung von Analysten wenig ändern. Am Freitag war der Dax bei 11.901,61 Punkten aus dem Handel gegangen. Die Wochenbilanz weist ein Plus von drei Prozent aus

"Die Chancen sind gut, dass der Dax die 12.000er Marke knackt", sagte NordLB-Stratege Tobias Basse. Allerdings sei das Kursniveau schon sehr hoch, auch wenn der deutsche Aktienmarkt noch günstiger als der US-Markt bewertet sei. Eine mögliche Straffung der US-Geldpolitik und eine Eskalation des Streits um die griechischen Schulden dürften die Anleger auf Dauer aber nicht kalt lassen, so Basse.

"Die Kurse steigen, hoch, höher und noch höher", so Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. "Das geldpolitische Doping der Europäischen Zentralbank scheint vordergründig aufzugehen." So drehe bereits die konjunkturelle Stimmung zugunsten des Euroraums. Infolgedessen dürfte der deutsche ZEW-Index am Dienstag erneut einen spürbaren Anstieg vorweisen. Auch Analyst Markus Wallner von der Commerzbank sieht die niedrigen Zinsen, den für die Exportwirtschaft erfreulich schwachen Euro und damit letztlich auch die konjunkturstützenden Anleihekäufe der EZB als Haupttreiber des deutschen Aktienmarktes.

Mit ihren Käufen von Staatspapieren drückt die EZB die Renditen am Rentenmarkt und den Euro immer tiefer in den Keller. Die Gemeinschaftswährung verlor in der Spitze fast fünf US-Cent auf zeitweise weniger als 1,05 Dollar. Viele Euro-Staatsanleihen rentieren so niedrig wie noch nie zuvor.

Großer Verfall

Unterstützung für den Dax könnte in der neuen Woche auch vom großen Verfallstermin der Terminbörsen Europas wie der Eurex am Freitag ausgehen. Bei der Fälligkeit von Aktien- und Index-Optionen sowie Futures hätten viele Anleger auf hohe Kurse gewettet. "Und da wird so eine Marke wie 12.000 Zähler gerne für Käufe instrumentalisiert", sagte ein Händler. Andere Börsianer widersprachen. Der Termin könnte für Gewinnmitnahmen sorgen, so einer von ihnen. "Schon oft haben große Verfallstermine für einen Wendepunkt bei Trends gesorgt", sagte ein anderer Händler.

Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus im Dax auf 20 Prozent. Eine Hürde nach der anderen nahm der deutsche Leitindex: Im Januar die 10.000er Marke, im Februar die 11.000er - im März also noch die 12.000er? FXCM-Analyst Jens Klatt ist davon überzeugt. Wie es dann aber weitergehe, sei fraglich: "Erinnern sollte man sich bereits jetzt an den Klassiker 'Was hoch fliegt, kann umso tiefer fallen'." Wenn aber auch die letzten Skeptiker überzeugt seien, dass es dank der EZB nur weiter aufwärtsgehe, werde der Dax unsanft aus seinem Höhenrausch gerissen.

Auch andere Strategen zeigen sich besorgt. "Die Kursrallye am Aktienmarkt ist nicht mehr gesund", warnt die DZ Bank, die dennoch mit einer Fortsetzung der Rally rechnet. Sie sieht die Gefahr einer neuen "irrationalen Übertreibung" wie zu Zeiten der "Dotcom-Blase". Die Bewertung der Märkte im Euroraum habe sich von den Fundamentaldaten gelöst und laufe nun in Richtung einer neuen spekulativen Übertreibung. Grund sei das "Quantitative Easing" (QE) der EZB, mit dem die Währungshüter massiv in die Märkte eingriffen. Sachwerte wie Immobilien und Aktien würden dadurch einen Nachfrageschub erfahren. "Der Dax ist reif für eine Korrektur", stimmt Analyst Christian Henke von IG Markets zu.

Entspannter auf die Situation blickt dagegen Nicolas Simar, Leiter der Equity Value Boutique von ING Investment Management in Brüssel. Er sieht noch weiteres Aufwärtspotenzial: "Die europäischen Aktienkurse spiegeln das QE-Programm der EZB noch nicht in vollem Umfang wider". Die bessere Konjunktur dürfte auch die Gewinnspannen der Unternehmen weiter treiben, für Dividenden sei dies günstig. Die Aktiengewinne in Europa lägen immer noch um 30 Prozent unter ihrem Höchstwert von 2007. In den USA hätten die Gewinne der US-Unternehmen dagegen ihren letzten Spitzenwert schon um 20 Prozent überschritten.

"Im Vergleich zu konjunkturunabhängigen Werten haben die Dividenden-Renditen bei Zyklikern jetzt ihren höchsten Stand in diesem Jahrzehnt erreicht", sagt Simar. Erfahrungen aus den USA, Großbritannien und auch Japan hätten gezeigt, dass Zykliker im Umfeld eines QE outperformen. Damit könnte es weiter nach oben gehen.

Dazu passen auch Aussagen aus dem Handel: "Alles mit einer Dividendenrendite über 3 Prozent wird einfach weggekauft", sagte ein Händler stellvertretend für ähnliche Stimmen im Wochenverlauf. Das totale Fehlen von Alternativen für renditesuchende Investoren wie Versicherer zwinge diese geradezu in Dividenden-Aktien.

Wann kommt die Zinserhöhung?

Nach Auffassung des Marktbeobachters Daniel Saurenz von Feingold Research könnte die US-Notenbank Fed den Optimisten am Aktienmarkt einen Dämpfer verpassen. Sie erläutert am Mittwoch ihre geldpolitische Ausrichtung. Einige Experten rechnen damit, dass sie dann ein erstes klares Signal für eine Zinserhöhung im Sommer geben wird. Viele gehen allerdings davon aus, dass es erst im September dazu kommt. Die Fed hält die kurzfristigen Zinsen seit 2008 in einer Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent. "Die Fed versucht weiter, die Abwärtsrisiken der Wirtschaft abzufangen und neigt eher zum Abwarten, als dass sie zu früh Zinserhöhungsschritte unternimmt", sagte Diane Swonk, Chef-Volkswirtin bei Mesirow Financial.

Marktteilnehmer nutzen derzeit jede Information, um das Risiko einer Zinserhöhung abzuschätzen: So reagierten die US-Börsen mit kräftigen Kursgewinnen, nachdem die US-Einzelhandelsdaten überraschend schwach ausgefallen waren: "Die Umsätze im Einzelhandel waren viel schwächer als jeder erwartet hat, das gibt der Fed mehr Spielraum, um mit Zinserhöhungen noch abzuwarten", sagte Larry Swedroe, Leiter Research bei BAM Alliance. Wegweisende US-Konjunktur-Indikationen stehen jedoch kommende Woche nicht zur Verfügung: Mit dem Empire State Manufacturing Index und dem Philadelphia-Fed-Index stehen keine nationsweiten Zahlen an. Im Blick dürfte vor allem die US-Industrieproduktion im Februar stehen.

In Europa steht weiterhin Griechenland im Blick. Am kommenden Mittwoch trifft sich der Rat der EZB, um über die Verlängerung der ELA-Nothilfen für griechische Banken zu entscheiden. Geldpolitische Beschlüsse werden nicht erwartet. Aufgrund des Auftretens der griechischen Regierung schließen Analysten nun sogar einen "Graccident", sprich ein Ausscheiden aus der Eurozone durch einen "Unfall", nicht aus. Denn Athen läuft die Zeit davon: Mittlerweile will die Regierung sogar die Sozialversicherungssysteme per Gesetz dazu bringen, ihre Guthaben der griechischen Zentralbank und damit dem Staat zu überlassen.

Quartalssaison klingt aus

Auf der Konjunkturseite steht neben der Fed-Sitzung am Dienstag der ZEW-Konjunkturindex für Deutschland an. Als erster Frühindikator für den März hoffen Analysten auf eine weitere Frühlingsbelebung in der deutschen Wirtschaft. Ein guter ZEW-Index dürfte die Hoffnung auf einen ebenfalls guten Ifo-Index schüren und die Märkte weiter nach oben treiben. Daneben steht noch die Inflation in der EU im Februar auf dem Programm. Auch die Zinssitzung der Schweizer Notenbank (SNB) am Donnerstag dürfte das Interesse auf sich ziehen. Schließlich habe die SNB durch die Aufgabe des Euro-Mindestkurses zum Franken den Markt Mitte Januar überrascht, so Analyst Manuel Andersch von der BayernLB.

Bei den Branchen dürften Autowerte im Fokus stehen. Hier werden am Dienstag die ACEA-Neuzulassungen für Pkws im Februar bekanntgegeben. Analysten setzen darauf, dass sich der Aufwärtstrend an Europas Neuwagenmarkt weiter fortsetzt.

Zum Ende des ersten Quartals 2015 werden von Unternehmensseite nicht mehr allzu viele Impulse kommen. Zwar haben noch einige Dax-Firmen, darunter Linde, BMW und HeidelCement, zu Bilanzpressekonferenzen geladen. Doch liegen die meisten Eckdaten den Investoren schon vor. Lediglich der Industriegase-Konzern Linde gewährt zum ersten Mal in diesem Jahr einen Blick in die Bücher. Zudem warten Anleger noch auf Geschäftszahlen des Chemiekonzerns Lanxess.

Quelle: ntv.de, rts/DJ/dpa