Marktberichte

Sky Deutschland startet durch Dax schließt knapp über 9700

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(Foto: REUTERS)

Der Ukraine-Konflikt ist zu Wochenbeginn das dominierende Thema am Aktienmarkt. Auf Unternehmensseite sorgt der Bezahl-TV-Sender Sky für Gesprächsstoff. In den kommenden Tagen nimmt dann die Berichtssaison in Deutschland wieder Fahrt auf.

Der schwelenden Ukraine-Krise zum Trotz geht es am deutschen Aktienmarkt kräftig nach oben: Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik haben den Leitindex zu Wochenbeginn erstmals seit Anfang April wieder über die Marke von 9700 Punkten gehievt.

Der Dax schloss 1,26 Prozent fester bei 9702,46 Punkten. Damit fehlen dem Börsenbarometer lediglich rund 90 Punkte bis zu seinem Rekordhoch. Der MDax gewann zum Wochenauftakt 1,29 Prozent auf 16.511,93 Punkte. Der TecDax verbesserte sich bis zum Handelsschluss um 1,14 Prozent auf 1249,93 Punkte.

Insgesamt stellt sich das Klima im Aktienmarkt freundlich dar: Händler führten das unter anderem auf neue Rekorde an der Wall Street zurück. Der Dow-Jones-Index war vor dem Wochenende bei 16.583 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seiner 129-jährigen Geschichte aus dem Handel gegangen. Im frühen Handel zu Wochenbeginn tat sich der Dax noch schwer, doch dann baute er plötzlich seine Gewinne aus.

Einige Händler wiesen darauf hin, dass der Dax einen starken Widerstand bei 9600 Punkten überwunden hatte. Dann sei der Weg nach oben frei gewesen. Schließlich habe sich diese Hürde drei Wochen lang als zu hoch für den Leitindex erwiesen.

Ukraine-Krise bremst den Aufstieg

Andere Börsianer führten Aussagen des EZB-Ratsmitglieds Ewald Nowotny als Grund an. Dieser hatte in einem Interview gesagt, dass eine Zinssenkung allein wahrscheinlich zu wenig wäre, um eine niedrige Inflation zu bekämpfen. Damit habe er Spekulationen auf eine baldige Geldspritze der Europäischen Zentralbank angeheizt.

Deutsche Telekom
Deutsche Telekom 15,70

Was auch immer der Grund für den Anstieg war, die Entwicklung in der Ukraine verhindert deutlichere Aufschläge. Anleger fürchteten, dass die angespannte Lage in einen Bürgerkrieg ausarten könnte, sagt Mark Ward von Sanlam Securities. "Es herrscht aber eine gewisse Erleichterung, dass das Referendum nicht zu größerer Gewalt geführt hat", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Nach Angaben der Separatisten in der Ostukraine hat eine überwältigende Mehrheit das Unabhängigkeitsreferendum am Sonntag unterstützt. "Damit dürften die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland beziehungsweise dem Westen und Russland zunehmen", sagt Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg.

Die Übergangsregierung in Kiew bezeichnete die Abstimmung als Farce. Auch international wird das Referendum nicht anerkannt. Moskau sprach allerdings von einer "respektablen Willensbekundung." Das Ergebnis solle ohne Gewalt in einer zivilisierten Art und Weise umgesetzt werden. Die Außenminister der EU treffen sich im Laufe des Tages in Brüssel, um über weitere Sanktionen gegen Russland zu beraten.

Ansonsten herrscht ungewöhnliche Ruhe an der Börse, die Berichtssaison pausiert. Optisch hohe Kursabschläge gibt es wegen Dividendenzahlungen bei Merck, Sanofi, Drägerwerk und Deutsche Annington.

Atom-Bad-Bank löst Kostenfrage nicht

Größter Gewinner im Dax waren Lufthansa mit einem Plus von 4,1 Prozent. Thyssenkrupp verteuerten sich um 3,1 Prozent.

Deutschen Telekom drehten nach schwachem Start ins Plus und legten 1,1 Prozent zu. Grund für die zunächst gedämpften Reaktionen waren Spekulationen auf einen Verkauf der Anteile des Bundes. Nach dem Willen des Bundesrechnungshofes soll die Bundesregierung ihre Staatsbeteiligungen weiter privatisieren. Im Blick hat die Behörde auch den Telekommunikationskonzern. "Eine Privatisierung der Telekom hieße, dass der Großaktionär mit über 30 Prozent aussteigt", sagt ein Händler. Dieser Aktienüberhang könnte die Aktie monatelang schwer belasten. Zudem würde für Verunsicherung sorgen, wie dann die neue Aktionärsstruktur aussehe. Inzwischen lehnte die Bundesregierung einen Verkauf aber ab, der Kurs legte zu.

Für kurzfristig positiv für die Versorgerwerte RWE und Eon halten Händler die Idee einer öffentlichrechtlichen Stiftung für Atomkraftwerke. "Der Markt wird sicher die Idee einer Art 'Bad Bank' für Atomkraftwerke gerne hören", sagt ein Händler. Langfristig gehe es aber nur um ein einziges Thema: "Die einzig wichtige Frage ist, bei wem die Risiken landen". Sollte es am Ende einer Diskussion dazu kommen, dass der Steuerzahler die Risiken von Stillegung und Endlagerung übernimmt, wäre dies sehr positiv für die Unternehmen.

"Die Regierung will aber nur an die Rückstellungen, ist aber bestimmt nicht scharf auf die Risiken", sagt ein anderer Händler: "Hier geht es nicht ums Geld, sondern allein darum, wer den Schwarzen Peter bekommt". Daher sei das Ergebnis völlig offen. "Zudem hat RWE darauf hingewiesen, im Falle einer Stiftungsgründung eine Kapitalerhöhung durchzuführen." Auch dies sei nur eine gute Nachricht, wenn die Kosten für die Aktionäre geringer als dann losgewordene Risiken ausfielen. Per Saldo sei die Debatte noch in einem "viel zu frühen Stadium", als dass sie in die Aktienkurse eingepreist werden könne. Eon gewannen 1,1 Prozent, RWE 0,2 Prozent.

Derweil hat Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Verhandlungen über eine Übernahme des Atomgeschäftes durch den Bund dementieren lassen."Es gibt weder Verhandlungen noch Beschlüsse zu diesem Thema", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Schulterzucken für neue Siemens-Offerte

Das "erhöhte Angebot" von Siemens für die Alstom-Sparten wird im Handel mit Schulterzucken aufgenommen. Siemens will Alstom nach Angaben von "Les Echos" auch noch die Bahntechniksparte anbieten. "Da ist alles im Fluss, es gibt weiter keinerlei entscheidungsfähige Basis, um einen konkreten Preis für Alstom und damit den Nutzen oder die Belastung für Siemens zu beziffern", sagt ein Analyst. Für den Aktienkurs sei dies daher nicht relevant. Allerdings dürften Siemens ab dem Augenblick kräftig steigen, wenn der Zuschlag für die Alstom-Sparten an GE gehe. Siemens schlossen 2 Prozent im Plus.

Für "keine schlechte Idee" halten Händler Berichte über eine mögliche Zusammenlegung von Sky Deutschland und Italia. Die beiden Abonnemontsender könnten unter dem Dach der britischen BSkyB zusammengeführt werden. "Das ist schon einmal als Szenerio angedacht und positiv bewertet worden", sagt ein Börsianer: "Damit könnte man sehr gut Skaleneffekte freisetzen". Auch die Nutzung von Verlustvorträgen könnte damit besser möglich werden. "Es kommt sicher noch auf die Details an, aber der Markt dürfte allein schon den Gedanken daran gut aufnehmen", meint ein anderer Händler. Sky Deutschland verteuerten sich um 9,9 Prozent.

Gute Nachrichten für SGL Carbon sehen Händler im weiteren Ausbau der Produktionsanlage Moses Lake zusammen mit ihrem Partner BMW. "Damit soll dessen Produktion verdreifacht werden", sagt ein Händler. Dies untermauere, wie wachstumsstark der Markt und wie gut SGL darin positioniert sei. Vor diesem Hintergrund sei auch das Investitionsvolumen nicht relevant. Beim Aktienkurs sollte dies für freundliche Stimmung sorgen. Das Papier gewann 7,8 Prozent.

Mit Kursaufschlägen von 3,2 Prozent reagierten QSC auf die Quartalszahlen des Telekommunikationskonzerns. Der Markt hatte Schlechteres befürchtet, QSC konnte jedoch mit einer bestätigten Jahresprognose beruhigen, wie es im Handel heißt. Gleichzeitig werde die Kostenseite nicht als Problem gesehen, da die Kosten auf das Konto steigender Investitionen gingen.

Quelle: ntv.de, jwu/jga/DJ/rts