Marktberichte

Wall Street mit Verlusten Dax schließt nach Bilanz-Marathon im Plus

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(Foto: imago/ZUMA Press)

Bilanzen prasseln auf die Anleger am deutschen Aktienmarkt ein. Allerdings sind auch ein paar Schmankerl dabei - wie etwa im Fall von Henkel. Der Dax profitiert insgesamt. Auch Konjunkturdaten aus China tragen dazu bei.

Mit einem ordentlichen Plus verabschiedet sich der deutsche Leitindex Dax aus dem Handel. Einen kleinen Dämpfer erhielt er allerdings mit einer mäßigen Eröffnung der Wall Street. Nach Gewinnen von rund 1,5 Prozent und einen Ausflug bis knapp an die 11.000er-Marke sackt der Dax-Kurs wieder deutlich ab. Übrig bleibt immerhin ein Plus von 0,7 Prozent, das den Leitindex auf 10.908 Punkte hievte.

Der Aktienmarkt stand im Zeichen der Berichtssaison. Aus dem Dax legten mit Deutsche Post, Eon, Henkel und K+S gleich vier Unternehmen ihre Zahlen vor. Nicht alles überzeugte auf den ersten Blick, so bricht der Nettogewinn bei Deutsche Post massiv ein.

Für Furore sorgte an der Börse hingegen der Konsumgüterhersteller Henkel, der den Gewinn je Aktie in diesem Jahr um mehr als 10 Prozent steigern will. Zuvor lautete die Prognose auf "etwa" 10 Prozent. "Das Wachstum und die Profitabilität im dritten Quartal überraschen positiv", sagte Andreas Riemann von der Commerzbank.

Positive Signale kommen aus China. Dort hatten die Einzelhandelsumsätze im Oktober weiter mit zweistelligen Raten zugelegt und die anhaltend starke Nachfrage der Verbraucher bestätigt. Dies ist wichtig, da das Wirtschaftswachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stark auf den heimischen Konsum gründet.

Frankfurt: K+S und Post geraten unter Druck

Deutsche Post
Deutsche Post 34,81

Der Dax schloss am Ende 0,7 Prozent höher auf 10.908 Punkten. Sein Tageshoch hatte er bei 10.995 Punkten markiert. Beim Nebenwerte-Index MDax ging es um 0,3 Prozent nach unten auf 20.963 Punkte. Gewinne hingegen beim TecDax, der um 0,9 Prozent auf 1831 Zähler zulegte. Ein Plus von 0,7 Prozent verbuchte auch der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50.

Zu den größten Verlierern im Dax zählen die Aktien von K+S, die sich um 3,7 Prozent verbilligten. Der Kasseler Salz- und Düngemittelhersteller kam im dritten Quartal beim Ergebnis nicht vom Fleck und stutzte seine Prognose für das Gesamtjahr.

Das Nachsehen hatten auch die Aktien der Deutschen Post mit einem Abschlag von 3,0 Prozent. Das Unternehmen ist nach hohen Abschreibungen auf die kriselnde Frachtsparte im dritten Quartal nur knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt.

Henkel
Henkel 85,82

Positiv beurteilten Händler die Zahlen von Henkel. Zwar hätten nicht alle Quartalszahlen die Erwartungen getroffen. "Operativ läuft es aber weiter gut", sagte ein Händler mit Blick auf das bereinigte Ebit, das etwa 4 Prozent über den Erwartungen liegt. "Zudem sollte der Ausblick den Kurs stützen", ergänzte er. Der bereinigte Gewinn je Aktie steige offensichtlich schneller als erwartet. Die Aktie legte 6,7 Prozent zu und stellte damit den Gewinner im Dax.

Eine Stabilisierung bei Eon sahen Händler nach den mit Spannung erwarteten Zahlen. "Die Zahlen sind zwar nicht gut", sagte ein Marktteilnehmer. Operativ lägen sie aber im Rahmen der Erwartungen. Die Abschreibungen von über 8 Milliarden Euro habe der Markt bereits befürchtet. Die Aktie schloss annähernd unverändert.

Osram
Osram 42,26

Kurssturz bei Osram, die im MDax um mehr als 28 Prozent einbrachen. Die guten Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr helfen da wenig: "Der Ausblick ist schwach", sagte ein Händler. Er verweist darauf, dass die bereinigte Ebita-Marge laut Osram im laufenden Geschäftsjahr "beträchtlich" unter dem Vorjahreswert von 10,2 Prozent liegen werde.

Verluste auch bei Rheinmetall, die 7,6 Prozent verloren und nach Osram zweitschlechtester MDax-Wert sind. Die Kapitalerhöhung in Höhe von rund zehn Prozent des Grundkapitals komme sehr überraschend, sagte ein Händler. Das Unternehmen begründe den Schritt mit "der Finanzierung der Wachstumsstrategie im Defence- und Automotive-Bereich" und "allgemeinen betrieblichen Zwecken", was "zu dünn" sei.

USA: An der Wall Street geht es leicht nach unten

Dow Jones
Dow Jones 26.642,59

Etwas nach unten geht es im Handelsverlauf an den US-Börsen, allerdings nicht dramatisch. Mit der Veröffentlichung der überraschend guten Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag ist die Wahrscheinlichkeit deutlich gestiegen, dass die Fed schon im Dezember die Zinswende einleiten wird. Das hatte in den vergangenen Tagen viele Investoren zu Gewinnmitnahmen veranlasst. Inzwischen dürfte die Zinswende aber eingepreist sein, meint Colin Cieszynski von CMC Markets.

Der Dow-Jones-Index verliert 0,1 Prozent auf 17.735 Punkte. Der S&P-500 sinkt um ebenfalls 0,1 Prozent und der Nasdaq-Composite auch. Insgesamt dürfte die Sitzung weiter ruhig verlaufen. Am heutigen Feiertag "Veterans Day" ist zwar der Aktienmarkt geöffnet, doch ruht der Anleihehandel. Wichtige Konjunkturdaten sind nicht zur Veröffentlichung angekündigt.

Auf der Unternehmensseite hat vor der Startglocke die Kaufhauskette Macy's Geschäftszahlen veröffentlicht, die Händler in einer ersten Einschätzung als enttäuschend bezeichneten. Überdies senkte das Unternehmen sein diesjähriges Gewinnziel. Die Aktie bricht um fast 13 Prozent ein.

Alibaba
Alibaba 219,50

Alibaba profitieren vom "Tag der Singles", der am 11. November in China stattfindet. An diesem Tag gewähren Online-Händler hohe Rabatte. Alibaba meldete für den heutigen Tag bereits hohe Umsätze, die wiederum von der ungebrochenen Konsumfreude der Chinesen zeugen. Die Alibaba-Aktie verliert jedoch 2,9 Prozent.

Schon am Dienstag nach Börsenschluss hat Amdocs Limited Zahlen vorgelegt, die Licht und Schatten enthielten. Zwar übertraf der Gewinn des Software- und Dienstleistungsanbieters die Erwartungen, doch enttäuschte der Umsatz. Der Kurs fällt um 6,7 Prozent.

Devisen: Euro minimal verteuert

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,14

Der Kurs des Euro ist leicht gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag nach einer kleinen Berg- und Talfahrt mit 1,0743 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 1,0716 (Dienstag: 1,0711) US-Dollar festgesetzt.

Der US-Dollar geriet zu den meisten Währungen unter Druck. Signale der US-Notenbank vom 28. Oktober für eine Leitzinsanhebung im Dezember hatten den Dollar auf einen Höhenflug geschickt. Nachdem der Euro am Dienstag aber nicht nachhaltig unter die Marke von 1,07 Dollar gefallen ist, sieht die Commerzbank jetzt das kurzfristige Aufwertungspotenzial des Dollar als begrenzt an. Denn die mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember sei bereits weitgehend in den Kursen enthalten.

Die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) erwarten jedoch, dass der Euro angesichts der politischen Querelen in Portugal und Griechenland in der Defensive bleibt. Wichtige fundamentale Impulse aus den USA gab es wegen eines Feiertages nicht.

Rohstoffe: Ölpreise belastet

Der Ölpreis fällt nach der kleinen Erholung vom Dienstag zur Wochenmitte wieder zurück. Das Barrel Rohöl der US-Sorte WTI ermäßigt sich um 72 Cent auf 43,49 Dollar. Für das Öl der Nordsee-Sorte Brent geht es um 55 Cent abwärts auf 46,90 Dollar.

Das Überangebot an Öl laste auf dem Preis, heißt es am Markt. Wegen des "Veterans Day" verschiebt das US-Energieministerium die Veröffentlichung seiner Öllagerbestandsdaten, die normalerweise am Mittwoch erfolgt, auf den Donnerstag. Am Dienstagabend hat allerdings der Branchenverband American Petroleum Institute seine Daten vorgelegt, die von einem neuerlichen Aufbau der Rohölvorräte zeugen.

Der Goldpreis zeigt sich mit 1087 Dollar knapp unter dem Niveau des Vortages-Settlements. Am Devisenmarkt verteidigt der Euro die Marke von 1,07 Dollar, die er am Vorabend wieder zurückerobert hatte. Zuvor war er erstmals seit Mitte April unter dieses Niveau gerutscht. "Das weitere Aufwertungspotenzial für den Dollar ist zumindest kurzfristig begrenzt", sagt Esther Reichelt von der Commerzbank. Denn eine Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember sei nun eingepreist und auch die Zinserwartungen für 2016 seien gestiegen.

Asien: Abwarten an den Börsen

Die Aktienbörsen in Fernost haben sich nach Konjunkturdaten aus China wenig verändert gezeigt. Händlern zufolge hielten die Zahlen keine großen Überraschungen bereit. So stieg der Einzelhandelsumsatz im Oktober um elf Prozent und damit geringfügig stärker als von Analysten mit 10,9 Prozent erwartet.

Der Anstieg der Industrieproduktion fiel mit 5,6 Prozent dagegen um 0,2 Prozentpunkte schwächer aus als von Experten vorausgesagt. Die abgekühlte Konjunktur in China steht im Fokus des Interesses vieler Anleger, weil die Volksrepublik ein wichtiger Absatzmarkt für zahlreiche Firmen ist.

In Tokio ging der Leitindex Nikkei 0,1 Prozent höher bei 19.691 Punkten aus dem Handel. Nach anfänglichen Gewinnmitnahmen drehten die Börsen in China im Handelsverlauf ins Plus. Der Index in Shanghai schloss 0,3 Prozent höher. Der Hang Seng trat weitgehend auf der Stelle. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte knapp 0,1 Prozent fester.

In Tokio standen bei den Einzelwerten Zulieferer von Apple unter Druck. Analysten der Credit Suisse hatten erklärt, der iPhone-Hersteller habe wegen der nachlassenden Nachfrage nach dem iPhone 6s seine Bestellungen bei Zulieferern um bis zu zehn Prozent gekürzt.

Quelle: ntv.de, kst/jwu/DJ/rts