Marktberichte

Rekordjagd an der Wall Street Dax steigt befreit auf neues Jahreshoch

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(Foto: REUTERS)

Sommerlich beschwingt ist die Stimmung am deutschen Aktienmarkt. Schlechte Nachrichten gibt es keine, Anleger lassen den Dax auf ein weiteres Jahreshoch steigen. An der Wall Street hagelt es - allerdings neue Allzeithochs für die wichtigsten Indizes.

In kleinen Schritten robbt sich der deutsche Leitindex Dax wieder an die 11.000er-Marke heran. Zum Wochenstart gab es bereits am Vormittag ein neues Jahreshoch bei etwas mehr als 10.800 Punkten. Danach kam der Dax wieder etwas zurück, schloss am Ende aber um 0,2 Prozent verbessert auf 10.739 Zählern. "Letzte Woche ging es ja schon von einer Bestmarke zur nächsten und insgesamt hatte der Leitindex 350 Punkte zulegen können. Der MDax hat heute Morgen bereits sogar ein neues Allzeithoch markiert", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf.

Was treibt, sei nicht unbedingt die Nachrichtenlage, sondern vielmehr die Charttechnik, so Marggraf. "In der vergangenen Woche hat der Dax eine wichtige Hürde nach der anderen genommen, so auch heute Morgen. Viele sagen daher, der Weg zumindest bis auf die 11.000-Punkte-Marke ist jetzt erst einmal frei." Allerdings gebe es auch noch die Pessimisten an der Börse: "Und die sagen, es mache sich eine gewisse Sorglosigkeit breit, die kann man auch am VDax ablesen, der die Schwankungsanfälligkeit des Marktes misst." Und eben dieser VDax sei auf sehr niedrigem Niveau. "Eine Korrektur ist da natürlich, wie immer, nicht ausgeschlossen", sagt Marggraf.

Bei den Einzelwerten geriet der ohnehin schwer gebeutelte Aktienkurs der Lufthansa zum Wochenbeginn erneut unter Druck. "Streiks sind aber nicht zu befürchten, daher sollten sich die Aktienverkäufe in Grenzen halten", sagte ein Händler.

Die Saison der Quartalsberichte nähert sich ihrem Ende. Kursbewegungen sind vor allem bei den Nebenwerten zu beobachten. Mit Tele Columbus, LPKF und Solarworld hatten zum Wochenbeginn drei deutsche Nebenwerte Ergebnisse veröffentlicht

Frankfurt: Lufthansa leiden unter Tarifstreit

Der Dax schloss um 0,2 Prozent höher auf 10.739 Punkten, nachdem er im frühen Handel ein neues Jahreshoch bei 10.802 Punkten markiert hatte. Für den MDax ging es gleich zu Beginn auf ein frisches Allzeithoch bei 21.948 Zählern. Am Ende schloss er 0,1 Prozent höher auf 21.850 Punkten. Der TecDax stieg um 0,5 Prozent auf 1747 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 schloss 0,2 Prozent im Plus.

Spitzenreiter im Dax waren Heidelbergcement mit einem Aufschlag von 2,0 Prozent. Weit oben landeten auch die Aktien von Volkswagen, die sich um 1,4 Prozent verbesserten. Insgesamt befanden sich Auto-Werte im Aufwind: BMW und Daimler stiegen zwischen 1,1 und 0,7 Prozent.

Lufthansa
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Größter Verlierer im Dax waren die Aktien der Lufthansa. Am Freitagabend brachen die Fluggesellschaft und die Pilotengewerkschaft ihre Tarifgespräche ab. Das belastete die Aktie, sie fiel um 2,3 Prozent.

Bergab ging es auch für K+S im Nebenwerteindex MDax. Die Titel des Düngemittel- und Salzherstellers verloren 4,4 Prozent. Bereits vergangene Woche waren die Aktien nach unten gerauscht, nachdem K+S seine Anleger auf magere Zeiten einschwor.

Im SDax stiegen Tele Columbus um 0,8 Prozent: Tele Columbus hat den operativen Gewinn im zweiten Quartal mehr als verdoppelt. Viele Anleger folgten der Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux für Stabilus. Die Aktien des Auto- und Industriezulieferers stiegen um 4,5 Prozent und waren bei den Kleinwerten damit die größten Gewinnern

Rund 1,8 Prozent gewannen die TecDax-Titel der Biotechfirma Qiagen, die ihre Aktionären Anfang 2017 rund 250 Millionen Dollar zurückzahlen will. Solarworld will den Umsatz im laufenden Jahr um 20 Prozent steigern. Der seit Jahresbeginn um fast 50 Prozent eingebrochene Aktienkurs schnellte um 10 Prozent nach oben.

USA: Neue Rekordhochs an der Wall Street

Dow Jones
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Höhere Ölpreise haben den US-Börsen zum Wochenauftakt neue Rekorde beschert. Zudem rechnen nach erneut enttäuschenden Konjunkturdaten immer weniger Anleger noch für das laufende Jahr mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed, was ebenfalls zum Kauf anregte.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,3 Prozent und schloss bei 18.636 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 legte ebenfalls um 0,4 Prozent auf 2190 Stellen zu. Der Nasdaq Composite gewann 0,6 Prozent auf 5262 Zähler. Allein der S&P 500 hat seit Juli mehr als zehn Mal im Laufe des Handels Rekorde gebrochen.

Spekulationen auf eine gemeinsame Aktion der ölproduzierenden Länder zur Eindämmung des weltweiten Überangebots nehmen seit einigen Tagen wieder zu. Für Kauflust sorgte auch der jüngste überraschende Rückgang des Geschäftsklima-Indexes der Unternehmen im Großraum New York.

"Die Marktteilnehmer sehen die Chance für eine US-Zinserhöhung im Dezember bei weniger als 50 Prozent", sagte Omer Esiner, Marktanalyst beim Brokerhaus Commonwealth Foreign Exchange. Die Fed kommt zwar zuvor noch im September und November zu Sitzungen zusammen. Wegen der Präsidenten- und Kongresswahl im November gilt ein solcher Zinsschritt jedoch als faktisch ausgeschlossen.

Bei den Einzelwerten stand Twitter im Fokus. Der "New York Times" zufolge führt der Internet-Dienst Gespräche über eine Zusammenarbeit mit Apple: Mit der Twitter-App könnten dann Besitzer der TV-Konsole des Technikriesen Spiele der American-Football-Profiliga NFL verfolgen, berichtete die Zeitung. Twitter-Aktien lagen im Verlauf 6,9 Prozent im Plus, Apple-Titel legten um 1,2 Prozent zu.

Monsanto verlieren 0,1 Prozent. Der aktivistische Fonds Third Point hat 2 Millionen Aktien des Saatgutherstellers erworben. Nach Ansicht von Beobachtern könnte damit der Druck auf das Monsanto-Management steigen, das mehrfach abgelehnte Übernahmeangebot von Bayer anzunehmen.

Asien: Kurse steigen in China, fallen in Japan

Nikkei
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Die Aktienmärkte in Fernost haben zum Wochenauftakt keine gemeinsame Richtung gefunden. Während jüngste Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung in Japan die Tokioter Börse belasteten, brachte die Hoffnung auf neue Konjunkturmaßnahmen den Handel in China kräftig auf Trab.

Besonders gefragt waren dort Finanz- und Immobilienwerte. Die Anleger setzten darauf, dass die Regierung in Peking der Wirtschaft mit weiteren Hilfen unter die Arme greift, nachdem am Freitag veröffentlichte Konjunkturdaten vom Juli enttäuschend ausgefallen waren.

Der Tokioter Leitindex Nikkei mit seinen 225 führenden Werten schloss 0,3 Prozent schwächer bei 16.869 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte dagegen 0,2 Prozent fester. Die Börse in Shanghai lag 2,5 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen erhöhte sich sogar um 3,2 Prozent.

Japans Wirtschaft war im zweiten Quartal nur minimal gewachsen. Von April bis Juni legte das Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 0,2 Prozent zu. Analysten hatten jedoch mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet.

Bei den Einzelwerten stachen erneut die Aktien von Sharp mit einem Plus von über zehn Prozent hervor. Zuvor hatte der Elektronikkonzern bekannt gegeben, dass die Übernahme durch den Apple-Zulieferer Foxconn vollzogen wurde.

Rohstoffe: Ölpreise im Aufwind

Spekulationen auf eine mögliche Fördergrenze bei Rohöl haben den Ölpreisen für Auftrieb verliehen. Die richtungsweisende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich am späten Abend um 1,43 Dollar oder 3,0 Prozent auf 48,40 Dollar. Das US-Leichtöl WTI stieg um 1,31 Dollar oder 2,9 Prozent auf 45,80 Dollar.

Gestützt wird der Anstieg von Aussagen des russischen Energieministers Alexander Novak, er sei zu Gesprächen über eine mögliche Deckelung der Produktion bereit. Russland werde sich mit Saudi-Arabien und anderen Ölproduzenten an einen Tisch setzen und über Maßnahmen zur Marktstabilisierung reden, sagte Novak der saudi-arabischen Zeitung "Asharq al-Awsat".

Devisen: Euro knapp unter 1,12 Dollar

Der Kurs des Euro hat an die Gewinne vom Freitag angeknüpft und weiter zugelegt. Zu US-Handelsschluss wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1181 Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1180 (Freitag: 1,1158) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8945 (0,8962) Euro.

Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA stützten den Eurokurs am Nachmittag etwas. Der Empire-State-Index für die Stimmung in der Industrie im US-Bundesstaat New York war überraschend in den negativen Bereich gefallen und signalisiert damit eine schrumpfende Produktion. Dagegen konnte eine bessere Stimmung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt die Gemeinschaftswährung nicht nennenswert belasten.

In den vergangenen Tagen wurden mehrfach enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA veröffentlicht. Vor allem der für die amerikanische Wirtschaft wichtige Einzelhandel hatte sich schwächer als erwartet entwickelt. "Insgesamt rückt nach den eher enttäuschende Daten eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank nach Einschätzung des Marktes wieder in weitere Ferne", kommentierten Experten des Bankhauses Metzler.

Quelle: ntv.de, kst/kpi/rts/DJ