Marktberichte

"Boden noch nicht gefunden" Dax vor turbulenter Woche

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Wie geht es weiter?

(Foto: REUTERS)

An den Aktienmärkten geht es rund. Nach jüngsten Kurseinbrüchen hoffen Anleger, dass das Schlimmste überstanden ist. Doch es kann noch weiter abwärts gehen - viel weiter.

Nach dem schnellsten Kurseinbruch in der Geschichte des Dax hoffen Börsianer auf Anzeichen für ein Ende der Talfahrt. Nach den starken Kursverlusten am deutschen Aktienmarkt bleibt die weitere Entwicklung allerdings ungewiss. Denn solange die Coronavirus-Krise andauert und die Zahl Infizierter und Erkrankter in Europa und den USA weiter steigt, solange das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben in immer mehr Ländern zum Erliegen kommt, kann niemand wissen, wie es weitergeht. Es sieht daher ganz danach aus, dass die Aktienmärkte auch in der kommenden Woche stark schwanken werden.

Der Dax ging am Freitag mit einem Tagesplus von 3,7 Prozent und einem Stand von 8928 Punkten ins Wochenende. Am Tag zuvor hatte er immerhin um rund 2 Prozent zugelegt. Insgesamt ergab sich für die vergangenen fünf Handelstage damit aber immer noch ein Verlust von 3,3 Prozent.

"In den massiven Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten dürfte zwar bereits vieles verarbeitet sein, jedoch wohl noch nicht die extremen ökonomischen Auswirkungen", konstatiert LBBW-Stratege Frank Klumpp. Dabei verwies er auf den zeitgleichen Einbruch sowohl der Nachfrage als auch der Produktion, weil immer mehr Volkswirtschaften große Teile des Wirtschafts- und sozialen Lebens stilllegen. "Deshalb gehen wir davon aus, dass der Boden noch nicht gefunden wurde, zumal sich mit dem Vereinigten Königreich und den USA zwei sehr bedeutende Wirtschaftsnationen erst in einer frühen Phase der Ansteckung befinden", so Klumpp.

"Wir befinden uns in der Mitte eines wild wütenden, historisch einmaligen Sturms, der über die Wirtschaft und die Finanzmärkte hinwegfegt", sagte Daniel Schär von der Weberbank. Regierungen und Notenbanken unternähmen zwar alles, um die Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen. Die Wirtschaft werde aber in eine Rezession abgleiten. "Die Tiefe und Dauer der Rezession hängt von der Dauer der Einschränkungen des öffentlichen Lebens ab, die wir hinnehmen müssen, um die Pandemie zu überstehen." Die meisten Ökonomen erwarten einen Konjunktureinbruch im ersten Halbjahr und setzen dann auf eine kräftige Erholung im zweiten Halbjahr. Ob es wirklich so kommt, weiß indes niemand.

Rezession erwartet

Einige Börsianer gehen davon aus, dass nach dem Kursrutsch von etwa 40 Prozent beim Dax seit seinem Höhepunkt im Februar nun zumindest der größte Teil der Verluste überstanden ist. Andreas Hürkamp, Aktienexperte bei der Commerzbank, verweist darauf, dass der Dax schon in etwa auf das Niveau seines Buchwerts gefallen ist. Der schlimmste Absturz sei daher wohl vorbei. Nun werde der Markt versuchen, einen Boden zu finden, das könne aber lange dauern. "Es kann sein, dass der Markt ein Jahr lang um den Buchwert schwankt." Derzeit liege der Buchwert bei 8700 Punkten, dieser Wert könne aber auch noch fallen. "Die Marke von 7000 Punkten, da sollte der Dax spätestens seinen Boden finden", sagte er.

Robert Greil, Chefstratege von der Privatbank Merck Finck, rechnet mit noch länger turbulenten Zeiten am Markt. "Die immer weitreichenderen Maßnahmen der Notenbanken und der Politik sind richtig, Erfolge bei der Eindämmung der Virus-Ausbreitung sind aber wichtiger." Die Liquiditätsspritzen der Notenbanken seien notwendig, um die Funktion der Finanzmärkte zu gewährleisten. "Die Börsen hassen Unsicherheit - daher ist für sie nichts wichtiger, als erste echte Anhaltspunkte dafür, wann das Virus soweit unter Kontrolle gebracht werden kann, dass wieder normales Wirtschaftsleben absehbar ist.“

Ifo-Index bricht ein

Aufschluss darauf, wie stark die Wirtschaft unter den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie leidet, erhoffen sich die Anleger aus den Konjunkturdaten, die in der kommenden Woche vorgelegt werden. In Deutschland, der Eurozone und den USA stehen im Wochenverlauf Stimmungsindikatoren auf dem Programm, die allerorten eingebrochen sein dürften. Der stärkste Einsturz des Ifo-Geschäftsklimaindex seit 2009 hat einen Vorgeschmack darauf geliefert, was noch kommen wird.

Am Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen für März eine zentrale Rolle spielen. In den USA stehen darüber hinaus am Donnerstag noch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an.

Jahreszahlen werden am Montag vom Energieunternehmen Innogy und der VW-Tochter Traton erwartet, am Mittwoch vom Versorger Eon sowie vom Immobilienkonzern Deutsche Wohnen, von Dermapharm und dem Online-Händler für Haustierbedarf Zooplus. Die Telekomunternehmen Drillisch sowie United Internet stehen am Donnerstag mit Zahlen auf der Agenda.

Nicht zuletzt dürften auch Index-Veränderungen beachtet werden. So findet sich ab Montag der Kochboxen-Lieferant Hellofresh im MDax, wo er den Chiphersteller Dialog Semiconductor ersetzt. Im SDax sind dann wieder Steinhoff und Adler Real Estate vertreten. SNP und Godewind Immobilien sind dort dann ebenfalls zu finden. Ihre Plätze räumen müssen dafür der UV-Technologie-Spezialist Dr. Hönle, die SGL Group sowie Heidelberger Druckmaschinen.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa