Wirtschaft
Dickes Minus im Dow: Trumps Protektionismus droht den Kursaufschwung an den US-Börsen abzuwürgen.
Dickes Minus im Dow: Trumps Protektionismus droht den Kursaufschwung an den US-Börsen abzuwürgen.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 14. März 2018

Kursverluste zur Wochenmitte: Dow schließt ein volles Prozent tiefer

Rote Bremslichter an der Wall Street: Im New Yorker Aktienhandel drehen die Kurse nach einem freundlichen Auftakt ins Minus. Sorgen vor einem Handelskrieg mit China lasten auf der Stimmung. Die Aktien von Boeing geben kräftig nach.

Die kleine Erholung zur Wochenmitte hat an den US-Börsen keinen Bestand: Wie am Vortag schmolzen die Eröffnungsgewinne wieder ab, die Anleger zeigten sich erneut vorsichtig. Erneut drückten Sorgen vor einem Handelskriegs zwischen den USA und dem Rest der Welt auf die Stimmung an der Wall Street. Vor allem Industrie- und Rohstoffwerte litten unter der Aussicht, dass sich weltweit eine protektionistische Politik durchsetzen könnte. Dies würde den internationalen Warenaustausch schwächen und schließlich das globale Wirtschaftswachstum unter Druck bringen.

Der Dow-Jones-Index schloss glatte 1,00 Prozent im Minus bei 24.758,12 Punkten. Der S&P-500 gab 0,57 Prozent nach auf 2749,48 Zähler. Der Nasdaq-Composite verlor 0,19 Prozent auf 7496,81 Punkte.

"Es scheint so, dass der Markt sich gegenüber dem Handelskriegsthema geschlagen gibt", sagte Yousef Abbasi, weltweiter Marktstratege bei Jonestrading: "Das Sentiment ist gegenwärtig sehr brüchig." Am Vortag hatte auch die Auswechslung des US-Außenministers gedrückt, weil ein moderater Politiker durch einen Hardliner ersetzt wird. Am Mittwoch hat die wiedergewählte deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen, dass die Europäische Union mit einer Stimme auf die geplanten US-Einfuhrzölle reagieren müsse. Dazu gehörten auch eigene Maßnahmen, falls nötig, sagte Merkel.

Daneben beherrschten die frisch eingetroffenen Konjunkturdaten die Gespräche im Handel: Die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen im Februar fielen leicht enttäuschend aus, wie Marktstratege Art Hogan von Wunderlich Securities meinte. Allerdings, merkte er an, lägen sie ohne Autos und Benzin im Rahmen der Erwartungen. Letztlich zeigten sie keine Verlagsamung der Wirtschaft und besänftigten überdies die schwelenden Inflationsängste.

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Hierzu trugen auch die Erzeugerpreise bei. Sie stiegen im Februar um 0,2 Prozent und damit nur etwas stärker als von Ökonomen mit 0,1 Prozent prognostiziert. Der Anstieg um 0,2 Prozent in der Kernrate deckte sich mit den Erwartungen.  Die Entwicklung der Erzeugerpreise liefert Ökonomen einen ersten Hinweis auf den Trend bei den Verbraucherpreisen. Im Fall einer anziehenden Inflation wächst der Druck auf die US-Notenbank Fed, ihre Zinsschraube womöglich früher und stärker anzuziehen als bislang erwartet.

Bei den Einzelwerten stand die Boeing-Aktie den dritten Tag in Folge massiv unter Druck. Inzwischen liegt das Papier 11 Prozent unter seinem Allzeithoch von Ende Februar. Händler sprachen von einem Einstieg in den "Korrekturmodus". Hauptgrund für die aktuellen Verluste sind die Sorgen wegen der von US-Präsident Trump geplanten Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium. In einem Artikel der "New York Times" hieß es, Boeing könnte in einem Handelskrieg ein Hauptziel für chinesische Vergeltungsmaßnahmen sein. Die Aktie schloss aber deutlich über dem Tagestief, nachdem JP Morgan den Rückschlag als "übertrieben" bezeichnet hatte. Sie verlor schließlich 2,5 Prozent, womit sich die Wochenverluste auf rund 7 Prozent summieren.

Dagegen rückten die Aktien von Ford um 2,2 Prozent vor, nachdem Analysten von Morgan Stanley ihre Einschätzung um zwei Stufen auf "Overweight" erhöht hatten. Die Erwartungen der Anleger seien nun so niedrig, dass das Unternehmen dies übertreffen dürfte. Hilfreich dabei dürften die erwartete Restrukturierung und die Verlagerung von Investitionen in Hochwachstumsbereiche wie Trucks und SUVs in Nordamerika sein.

Die Aktien der Fluggesellschaft United Continental fielen um 2,6 Prozent, belastet vom Tod eines Hundes. Ein Flugbegleiter hatte das Tier während eines Flugs von Houston nach New York in ein Handgepäckfach gesperrt, wo es verendet war. United Continental war in jüngster Vergangenheit schon häufiger wegen rüden Umgangs mit zwei- und vierbeinigen Passagieren in die Kritik geraten.

Die Bilanzsaison in den USA ist schon fast vorüber, doch legten noch einige Nachzügler Zahlen vor. Darunter waren der Textileinzelhändler Express und der Juwelier Signet. Express hatte zunächst mit Umsatz und Gewinn im vierten Quartal positiv überrascht, doch konnte sich die Aktie dem Negativtrend nicht entziehen und fiel um 0,1 Prozent. Bei Signet missfiel den Anlegern neben dem Ausblick ein auf drei Jahre angelegter Restrukturierungsplan. Die Aktien brachen um über 20 Prozent ein.

Quelle: n-tv.de