Marktberichte

Börse nach der Bundestagswahl Dax entspannt erwartet

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Die Fieberkurve des Dax am letzten Handelstag vor der Bundestagswahl: Das Tageshoch bei 8713,78 blieb bis zum Abend erhalten.

(Foto: REUTERS)

Nach der Wahl im Zentrum der Eurozone richten sich die Blicke auf die Märkte: Wie werden Anleger das Wahlergebnis im Handel mit Aktien bewerten? Am Parkett ist von einem Signal der Stabilität die Rede - "und Märkte lieben Stabilität".

Am Tag nach dem Sieg der Union bei der Bundestagswahl wird der Dax nach Berechnungen von Banken und Brokerhäusern freundlich in den Handel starten. "Angela Merkels Wiederwahl ist ein Zeichen politischer Stabilität, und Märkte lieben Stabilität", sagte David Thebault, Chef-Händler von Global Equities. "Ein Risiko weniger, um das man sich Sorgen machen muss." Vor dem Wochenende hatte der Dax 0,2 Prozent tiefer bei 8675,73 Punkten geschlossen.

An der Wall Street hatten die US-Indizes nach Börsenschluss in Deutschland ihre Verluste ausgebaut. Der Dow Jones beendete die Sitzung 1,2 Prozent tiefer, der technologielastige Nasdaq verlor 0,4 Prozent. Der S&P500 fiel um 0,7 Prozent. In Tokio blieb die Börse zu Wochenbeginn wegen eines Feiertages geschlossen. Der chinesische Shanghai Composite stieg um 1 Prozent auf 2215 Punkte.

An den übrigen europäischen Börsen dürften sich Investoren nach der Richtungswahl in Deutschland zunächst mit Käufen zurückhalten: Zum einen stehe noch nicht fest, ob die Wahlsiegerin CDU/CSU mit der SPD oder den Grünen koalieren wird, hieß es am Markt. Zum anderen seien die Vorlagen von den US-Börsen vom vergangenen Freitag "schlecht". In New York hatten die Kurse unter der Debatte um die Schuldendeckelung sowie der anhaltenden Verwirrung über die US-Geldpolitik gelitten, wie Marktexperte Chris Weston von IG Markets kommentierte.

Das Ergebnis der Bundestagswahlen dürfte an den Märkten überwiegend positiv aufgenommen werden: Die CDU/CSU mit Kanzlerin Angela Merkel ist aus der Bundestagswahl deutlich gestärkt und klar als stärkste Kraft hervorgegangen. Die FDP verpasste allerdings erstmals den Einzug in den Bundestag. Die Union braucht daher einen neuen Koalitionspartner, denn für die absolute Sitzmehrheit reichte es knapp nicht.

"Die Wahlen stärken die Europapolitik der Kanzlerin", sagte ein Händler. Die Hauptbotschaft der Wahl sei, dass der Euro zusammengehalten werden solle. Es sei keine Änderungen der "Merkel'schen Politik von Zuckerbrot und Peitsche" zu erwarten. Sie werde ihren Willen bekommen, sagte Louise Cooper, Marktanalystin bei CooperCity.

Positive Signale kommen aus China: In Schanghai legen die Kurse zu, nachdem der vorläufige Einkaufsmanagerindex von HSBC für das Verarbeitende Gewerbe besser ausgefallen ist als erwartet wurde. Weitere Impulse von der Datenseite dürften die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland, Frankreich und der Eurozone liefern, die am Vormittag veröffentlicht werden.

Insgesamt trauen Anleger dem Dax offenbar zu Wochenbeginn keine größeren Ausbrüche nach oben oder unten zu: Die Optionsprämien auf Dax-Optionen preisen für Montag eine Schwankungsbreite im Leitindex  von 74,87 Punkten oder 0,86 Prozent um den Schlusskurs vom vergangenen Freitag ein. Das entspricht einer Dax-Bewegung auf bis zu 8751 Punkte nach oben und 8601 Punkte nach unten. Der VDax-New schloss vor dem Wochenende bei 16,49 Prozent.

Schwache Vorgaben aus den USA

An der New Yorker Wall Street war die Freude der Aktienanleger über die Fortsetzung der ultra-lockeren US-Geldpolitik vor dem Wochenende verpufft. "Nach der gestrigen Fed-Party setzt die Katerstimmung ein", sagte Guy Foster, Chef der Anlagestrategie des Vermögensberaters Brewin Dolphin, mit Blick auf den Donnerstagshandel. Für einen Dämpfer sorgten vor allem Aussagen von James Bullard. Der Chef der Federal Reserve Bank von St. Louis, der im Fed-Offenmarktausschuss (FOMC) die US-Geldpolitik mitbestimmt, signalisierte in einem Interview mit "Bloomberg TV" eine leichte Drosselung der Wertpapierkäufe bereits im Oktober.

Angesichts des vierfachen Verfalls am Freitag war das Handelsvolumen ungewöhnlich groß, weil Anleger diejenigen Werte, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollten. Abgerechnet werden dabei Index-Optionen, Index-Futures, Aktien-Optionen und Futures auf einzelne Aktien.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendete die Handelswoche mit einem Tagesminus von 1,2 Prozent auf 15.451 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,7 Prozent auf 1709 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq rutschte 0,4 Prozent ab auf 3774 Punkte. Im Wochenvergleich verbesserte sich der Dow jedoch um 0,6 Prozent, der S&P-500 um 1,3 Prozent und die Nasdaq um 1,4 Prozent.

Rückblick auf den großen Verfall

Am deutschen Aktienmarkt hatte der Leitindex Dax nach den Rekorden der abgelaufenen Woche im Vorfeld der Bundestagswahl leicht nachgegeben. Die Unsicherheit über den Ausgang der Wahl und eine mögliche Hängepartie bei der Koalitionsbildung habe für Zurückhaltung gesorgt, sagten Händler. Am Morgen nach dem Wahltag zeichnet sich zumindest eine klare Mehrheit für Amtsinhaberin Angela Merkel ab. Mit welchen Kräften die Unionsparteien Koalitionsverhandlungen aufnehmen werden, steht noch nicht fest. Am wahrscheinlichsten halten Beobachter Gespräche zwischen Union und SPD mit dem Ziel einer großen Koalition. Denkbar wären auch Verhandlungen zwischen Union und den Grünen.

Am letzten Handelstag vor der Bundestagswahl war der Dax 0,21 Prozent tiefer bei 8675,73 Punkten aus dem Handel gegangen. Auf Wochensicht konnte das wichtigste deutsche Börsenbarometer ein Plus von 1,95 Prozent verbuchen. Der MDax gab am Freitag um 0,25 Prozent auf 15.021,36 Punkte nach. Der TecDax sank um 0,66 Prozent auf 1067,49 Punkte. Der Index mittelgroßer Werte hatte am Donnerstag auch einen Rekord eingefahren, der TecDax war so hoch gestiegen wie seit dem Frühjahr 2002 nicht mehr.

Selbst der große Verfallstag von Optionen und Futures, der sogenannte Hexensabbat, habe kaum Bewegung in den Handel gebracht, kommentierte Marktstratege Gregor Kuhn vom Broker IG Markets. "Angesichts eines Preisniveaus nahe des jüngsten Allzeithochs sowie der nun unmittelbar bevorstehenden Bundestagswahl halten sich die Marktteilnehmer mit neuen Engagements zurück", sagte er. Zu Beginn der neuen Woche fällt zumindest einer dieser dämpfenden Faktoren nun weg.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/dpa/rts

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