Marktberichte

US-Börsen auf Talfahrt Sorge vor zweiter Welle belastet Wall Street

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US-Präsident Trump würde die Corona-Pandemie am liebsten für beendet erklären. Doch nach einer leichten Entspannung droht die Situation zu kippen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der sprunghafte Anstieg der Coronavirus-Neuinfektionen in Teilen der USA setzt der Wall Street-Rally ein Ende. Die gesenkten Konjunkturprognosen des Internationalen Währungsfonds drücken zusätzlich auf die Stimmung. Aus Furcht vor neuem Lockdown steigen Investoren bei Touristik- und Freizeitwerten aus.

Wieder gestiegene Sorgen vor einer zweiten Infektionswelle mit dem Coronavirus haben an der Wall Street zur Wochenmitte für kräftige Abgaben gesorgt. Noch am Vortag hatte die Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung die Kurse nach oben getrieben, gestützt von überraschend guten Konjunkturdaten. Der Aktienmarkt befinde sich weiter in diesem Spannungsfeld, hieß es. Da der Markt in den vergangenen acht Sitzungen sechsmal im Plus geschlossen hat, sprachen einige Teilnehmer allerdings auch von Gewinnmitnahmen.

Die Neuinfektionen in den Bundesstaaten Arizona, Texas und Kalifornien sind auf ein Rekordniveau im Tagesvergleich gestiegen. Die Gouverneure aus Texas und Florida wollen nun die Richtlinien zum Schutz der Bevölkerung verschärfen. Auch in Kalifornien drohen Verschärfungen der Regeln und neue Stillstände. Laut Berichten ist der siebentägige Durchschnitt bei Neuinfektionen in den USA um über 30 Prozent gestiegen.

"Wenn dies noch schlimmer und endemischer wird, werden in einigen Staaten wieder Abriegelungsmaßnahmen ergriffen werden. Die USA weisen so ziemlich die schlimmste Todesrate aller großen entwickelten Volkswirtschaften auf", warnte Investmentstratege Charles Hepworth von GAM Holding. Der führende Seuchenexperte der US-Regierung, Anthony Fauci, bezeichnete die jüngsten Fallzahlen in Florida, Texas und Arizona als "beunruhigende Welle".

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 11.548,28

Der Dow-Jones-Index rutschte um 2,7 Prozent auf 25.446 Punkte ab, nachdem er im Tagestief schon bei 25.297 Punkten gelegen hatte. Der S&P-500 fiel um 2,6 Prozent auf 3.050 Punkte. Für den Nasdaq-Composite ging es um 2,2 Prozent auf 9.909 Punkte nach unten. Dabei gab es 359 (Dienstag: 1.702) Kursgewinner und 2.637 (1.254) -verlierer. Unverändert schlossen 41 (94) Titel.

Darüber hinaus belastete die Verschärfung eines Handelskonflikts: Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer erwägt zusätzliche Zölle im Wert von 3,1 Milliarden Dollar auf Produkte aus Deutschland, Frankreich, Spanien sowie dem Vereinigten Königreich. Dies geht aus einer Aktennotiz im Subventionsstreit um Airbus und Boeing hervor. Zudem sind neue Zölle auf kanadisches Aluminium geplant.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zudem seine Prognose für die Entwicklung der Weltwirtschaft im laufenden Jahr erneut gesenkt. Für das Jahr 2020 sieht der IWF aktuell einen Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsprodukts von 4,9 Prozent. Im April war ein Minus von nur 3,0 Prozent vorausgesagt worden. Für 2021 wird nun ein Wachstum von 5,4 (5,8) Prozent vorausgesagt.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 39,66

Die Ölpreise standen unter Abgabedruck, denn die Rohöllagerbestände in den USA sind wesentlich stärker gestiegen als erwartet - auf ein neues Rekordhoch. Dazu kamen steigende Nachfragesorgen im Zuge neuer Befürchtungen über Stillstände und Abriegelungen in der Coronavirus-Pandemie verbunden mit einem höheren Angebot. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI verbilligte sich um 5,9 Prozent auf 37,97 Dollar. Brent verlor 6,1 Prozent auf 40,04 Dollar.

Der Anleihemarkt profitierte von seinem Status als "sicherer Hafen". Die Rendite zehnjähriger Papiere fiel um 2,4 Basispunkte auf 0,69 Prozent. Der Goldpreis konnte die Gewinne aus dem Verlauf nicht behaupten - zwischenzeitlich war es auf das höchste Niveau seit 2011 nach oben gegangen. Deutlichere Abgaben verhinderte aber die wieder gestiegene Sorge vor einer zweiten Infektionswelle, hieß es.

Mit dem nahenden Ende des zweiten Quartals könnte es nach einem starken ersten Halbjahr zu einer deutlicheren Korrektur kommen, sagte Chintan Karnani, Chief Market Analyst bei Insignia Consultants. Die Feinunze verlor 0,1 Prozent auf 1.766 Dollar.

Die gesteigerte Risikoaversion stützte den Dollar, auch wenn Händler fundamental kaum Kaufgründe für den Greenback ausmachten. Der Dollarindex stieg um 0,6 Prozent, während der Euro trotz eines besser als gedacht ausgefallenen deutschen Ifo-Index im späten US-Handel bei 1,1253 Dollar notierte, nach einem Tageshoch von 1,1326 Dollar.

Aus Furcht vor einer erneuten Verschärfung der Corona-Restriktionen stiegen Investoren bei Touristik- und Freizeitwerten aus. So verloren die Aktien der Fluggesellschaften American, Delta und United Airlines, der Casino-Betreiber Wynn und Las Vegas Sands sowie der Kreuzfahrt-Veranstalter Royal Caribbean und Norwegian bis zu zwölf Prozent.

Besonders schwach zeigten sich am Aktienmarkt vor allem die Energiewerte. Der Branchenindex knickte mit den fallenden Ölpreisen um 5,5 Prozent ein. Die Aktien von Chevron fielen um 4,2 Prozent, Exxon Mobil reduzierten sich um 4,7 Prozent.

Bayer
Bayer 42,42

Für die in New York gelisteten Aktien der deutschen Bayer AG ging es um 0,7 Prozent nach oben. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern hat sich nach monatelangen Verhandlungen mit den Glyphosat-Klägeranwälten in den USA auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt. Bayer zahlt im Rahmen des Vergleichs einmalig 10,1 bis 10,9 Milliarden US-Dollar, dafür ziehen die Kläger ihre Klagen zurück.

Boeing gaben um 6,0 Prozent nach. Händler verwiesen auf den Umstand, dass der Flugzeugbauer ein Auslöser für die neuen Zollandrohungen gen Europa ist. Zudem dürfte der Aluminiumpreis bei neuen Zöllen auf kanadische Importe steigen. Dies dürfte die Kosten für Boeing erhöhen.

Der Aktienkurs von Dell machte einen Sprung um 8,3 Prozent nach oben. Für die Aktie der Tochter VMware ging es um 2,3 Prozent aufwärts. Einem Bericht zufolge prüft Dell Optionen für seine 81-prozentige Beteiligung an VMware. Dies schließe die Möglichkeit einer Abspaltung oder die vollständige Übernahme des Cloud-Software-Unternehmens mit ein.

Quelle: ntv.de, jki/DJ