Marktberichte

Payrolls bremsen Wall Street Starke Siemens-Aktie schiebt Dax an

Wer einen Fondsparplan hat, muss ich auch mit dem Durschnittskosten-Effekt auseinandersetzen. Foto: Christoph Schmidt

Kaum etwas bleibt am Ende von der Euphorie über die BoE-Maßnahmen.

(Foto: dpa)

Die Berichtssaison bestimmt den Handelstag an der Frankfurter Börse: Nach starken Zahlen steigen Siemens-Aktien kräftig und ziehen den Dax mit nach oben. Der Notenbank-Effekt aus London verpufft hingegen schnell wieder.

Nach oben ging es am vorletzten Handelstag der Woche an den europäischen Börsen. Allerdings kam der Dax am Nachmittag von seines Tageshochs wieder zurück, auf die ihn zuvor die Bank of England (BoE) mit ihrem Maßnahmenpaket befördert hatte. Am Ende ging der Dax mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 10.228 Punkten aus dem Handel.

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Einen wesentlichen Anteil am Dax-Gewinn hatten die Aktien von Siemens, die nach überraschend gute Zahlen mehr als vier Prozent zulegten. Auch sonst verlief die Berichtssaison wieder recht ordentlich. Neben denen von Siemens standen auch die Geschäftszahlen von Merck, Beiersdorf und ProSiebenSat.1 im Fokus.

Mit der Senkung der Zinsen auf 0,25 Prozent von 0,5 Prozent versucht die BoE, einen Konjunktureinbruch abzufedern, der Großbritannien durch den Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) droht. "Die BoE macht kurzen Prozess und eröffnet beim Kampf gegen den Brexit das Feuer", sagte Volkswirt Thomas Gitzel und der VP Bank.

Zusätzlich stockte die Notenbank ihr Staatsanleihen-Kaufprogramm um 60 Milliarden auf 435 Milliarden Pfund (514 Milliarden Euro) auf. Sie signalisierte, dass sie dieses Jahr nochmals an der Zinsschraube drehen könne. "Die Bank of England hat sich für den großen Wurf entschieden, in dem sie viele Maßnahmen in kleiner Dosis bündelt", sagte Ökonomin Katrin Löhken von Sal. Oppenheim. Diese Entscheidung sei angemessen, da sich die Auswirkungen des Brexit-Votums vom 23. Juni noch nicht voll niedergeschlagen hätten.

Das Pfund Sterling sackte in Folge der Entscheidung um mehr als zwei Cent auf 1,3115 Dollar ab. Zum Euro verbilligt es sich um fast zwei Euro-Cent auf 1,18 Euro. Britische Aktienanleger freuten sich dagegen und zogen den Leitindex FTSE-100 an der Londoner Börse um 1,6 Prozent nach oben, nachdem er zuvor auf den tiefsten Stand seit über drei Wochen gefallen war.

Frankfurt: Starke Zahlen treiben Siemens an die Dax-Spitze

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Der Dax schloss am Ende um 0,6 Prozent höher auf 10.228 Punkten. Für den MDax ging es 0,7 Prozent nach oben auf 20.951 Zähler, für den TecDax 0,9 Prozent auf 1698 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 0,6 Prozent auf 2928 Punkte.

Größte Gewinner im Dax waren die Aktien von Siemens, die um 4,5 Prozent stiegen. Einheitlich positiv überrascht zeigten sich Händler von den Siemens-Geschäftszahlen. "Dass die rundherum so viel besser ausfallen, war nicht zu erwarten", sagte ein Händler mit Blick auf den deutlich übertroffenen Gewinn je Aktie. Der Überschuss im dritten Quartal habe aber nicht nur die Erwartungen übertroffen, zudem sei auch die Gewinnprognose nach oben genommen worden.

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Auch die beiden zuletzt gebeutelten Banken-Titel standen weit oben im Dax: Deutsche Bank verbesserten sich um 1,7 Prozent, Commerzbank um 1,1 Prozent. Sie profitierten von den guten Vorlagen der US-Branchentitel.

ProSiebenSat.1 schlossen 0,3 Prozent im Plus. Der Medienkonzern hatte im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert.

Wenig euphorisch reagieren die Anleger auf eine erhöhte Gewinnprognose durch den Pharmakonzern Merck. "Der Ausblick liegt nun lediglich da, wo ihn Analysten ohnehin bereits gesehen hatten", sagte ein Händler. Die Aktie schloss unverändert und landete auf den hinteren Rängen. Ganz hinten im Dax standen Beiersdorf mit einem Minus von 4,2 Prozent. Auch der Nivea-Hersteller kann nicht von der Vorlage der Bilanz profitieren.

Auf Talfahrt gingen nach einer Verkaufsempfehlung auch Adidas. Die zuletzt sehr starken Titel - sie hatten seit Jahresbeginn im Dax mit über 60 Prozent so viel wie kein anderer Wert gewonnen - verloren 2,0 Prozent.

Die im MDax gelisteten Aktien von Hannover Rück fielen nach einem Gewinnrückgang um 4,8 Prozent. Dürr verloren nach der Vorlage von Zahlen 0,8 Prozent. Auf Höhenflug gingen Rheinmetall mit einem Plus von 3,3 Prozent. Der Automobilzulieferer und Rüstungskonzern verbuchte im ersten Halbjahr einen Gewinnsprung.

USA: Wall Street ohne Euphorie

Die positive Stimmung an den europäischen Börsen nach der Zinssenkung der Bank of England schwappte nicht an die Wall Street über. Für die US-Anleger sei der Arbeitsmarktbericht am Freitag, die sogenannten Payrolls, das wichtigere Thema, hieß es dazu am Markt. Der Dow-Jones-Index schloss kaum verändert bei 18.352 Punkten, der S&P-500 ging ebenfalls ungefähr auf dem Vortagesniveau aus dem Handel, während der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent stieg.

Die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten fielen minimal schwächer aus als erwartet. Dafür ging der Auftragseingang der Industrie im Juni nicht so stark zurück wie befürchtet. Die Daten verpufften aber, denn die Investoren interessierte einzig und allein der morgige Arbeitsmarktbericht für Juli. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist eines der Kriterien, an denen die US-Notenbank ihre Geldpolitik ausrichtet.

Bei den Aktien ging es für Tesla 2,1 Prozent aufwärts. Der Elektroauto-Hersteller ist im zweiten Quartal tiefer in die Verlustzone gerutscht. Der Umsatz stieg dagegen um 33 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar. Hoffnungen auf ein höheres Übernahmeangebot von Bayer gaben der Monsanto-Aktie Auftrieb. Sie stieg um rund 2 Prozent, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet hatte, Monsanto habe Bayer genauen Einblick in die Bücher gewährt. Im Ergebnis könnte Bayer bereit sein, mehr als die bislang gebotenen rund 65 Milliarden Dollar für das US-Unternehmen zu zahlen.

Asien: Nikkei profitiert von Notenbank-Hoffnungen

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Die asiatischen Aktienmärkte haben die Verluste des Vortages teilweise wettgemacht. Angetrieben wurden sie von einem steigenden Ölpreis, der als Wachstumssignal gewertet wird. Die Anleger erwarteten zudem, dass die Bank of England die Leitzinsen auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent absenkt, um die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln, die nach dem Brexit-Votum in eine Rezession zu kippen droht. Einige Marktteilnehmer gehen zudem davon aus, dass die Bank of England ihr Ankaufprogramm für Staatsanleihen wieder aufnehmen könnte, um den Markt mit mehr Liquidität zu stimulieren.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,1 Prozent höher bei 16.255 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,9 Prozent auf 1283 Punkte. Die Börse in Shanghai war ebenso wie der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen kaum verändert. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,5 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise kaum verändert – Gold schafft die Wende

Die Ölpreise schwankten um ihren Schlusskurs vom Vortag und zeigten sich am späten Nachmittag nahezu unverändert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete zuletzt 43,01 US-Dollar. Das waren neun Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im September sank um acht Cent auf 40,75 Dollar.

Damit läuft die Rally vom Vortag aus. Sie war durch einen unerwartet starken Rückgang bei den amerikanischen Benzin-Lagerbeständen am Mittwoch angeheizt worden. Doch die üblichen Sorgen wegen des großen Angebots dürften den Markt nicht so schnell verlassen.

Der Goldpreis profitierte von den britischen Maßnahmen, da das Edelmetall in einem Niedrigzinsumfeld attraktiver wird. Eine Feinunze kostete 1362 Dollar nach 1353 Dollar vor der Bekanntgabe der BoE-Entscheidung. Gegenüber dem Vortag gewann Gold 0,3 Prozent.

Devisen: BoE lässt Euro kalt

Der Kurs des Euro hat sich wenig bewegt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,1146 US-Dollar gehandelt und damit nahezu zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1136 (Mittwoch: 1,1200) Dollar fest.

Am Devisenmarkt waren alle Augen auf die Bank of England gerichtet. Im Kampf gegen die drohende Konjunkturflaute nach dem Brexit-Votum hat die britische Notenbank durchgegriffen und die Geldpolitik kräftig gelockert.

Das britische Pfund reagierte mit starken Kursverlusten auf das Maßnahmenpaket gegen die Konjunkturflaute. Im Handel mit dem amerikanischen Dollar fiel der Kurs der britischen Währung um etwa zwei Cent auf zuletzt 1,3131 Dollar. Dagegen konnten am Nachmittag auch ein Rückgang beim Auftragseingang in den USA den Euro kaum bewegen.

Quelle: n-tv.de, kst/kpi/dpa/rts/DJ

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