Marktberichte

Dax geht mit Plus ins Wochenende Trump lässt Anleger zweifeln

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US-Präsident Trump hat die Abstimmung über "Trumpcare" zurückziehen müssen.

(Foto: AP)

In den USA kassiert der Präsident eine herbe Schlappe: Er kriegt in seiner eigenen Partei keine Mehrheit für seine Gesundheitsreform zusammen. Das schwächt an den Märkten das Vertrauen in seine Regierung, an der Wall Street geht es nach unten.

Anleger an der Wall Street sind von Zweifeln über die Umsetzbarkeit der Vorhaben von US-Präsident Donald Trump befallen worden. Für die auf Freitagabend vertagte Abstimmung über die Gesundheitsreform von Trump gab es nach wie vor keine Mehrheit. Trump zog die Gesetzesvorlage zurück und die zerstrittenen Republikaner sagten die Abstimmung kurz vor Börsenschluss erneut ab.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,3 Prozent auf 20.897 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite sanken um 0,1 und 0,2 Prozent. Umgesetzt wurden 791 (Donnerstag: 805) Millionen Aktien. Im Plus schlossen nach vorläufigen Angaben der Nyse 1.537 (1.936) Titel, denen 1.420 (1.034) -verlierer gegenüberstanden. Unverändert gingen 139 (134) Aktien aus dem Handel. Zuletzt kostete der Euro 1,0794 Dollar.

Trump war zuvor fest entschlossen, dieses erste große Projekt seiner Amtszeit durchzuboxen. Um den Druck auf die abtrünnigen Parteifreunde unter den Republikanern zu erhöhen, rief er ein Ultimatum bis zum Abend aus und drohte bei einem Scheitern seiner Gesundheitsreform mit der Beibehaltung der unter Republikanern ungeliebten "Obamacare"-Gesetze. Durch das Scheitern dürften die Sorgen bezüglich der Umsetzung anderer angekündigter Maßnahmen Trumps, vor allem Deregulierungen und Steuersenkungen, steigen.

"Im einem gewagten Schritt, mindestens für uns, hat Trump den Einsatz erhöht, indem er erklärt hat, bei einem Scheitern des Gesetzes heute werde es bei Obamacare bleiben und er stattdessen Richtung Steuerreform vorpreschen", hieß es bei den Analysten Marios Hadjikyriacos und Charalambos Pissouros von IronFX.

Kaum Beachtung fanden vor diesem Hintergrund die US-Konjunkturdaten, zumal diese ein uneinheitliches Bild zeichneten. Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter legte im Februar stärker als erwartet zu. Dagegen lagen sowohl der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Service-Bereich als auch für den verarbeitenden Sektor für März unter den Werten des Vormonats.

Bei den Einzeltiteln schoss die Aktie von Micron Technologies um 9,5 Prozent nach oben, nachdem das Unternehmen gute Zweitquartalszahlen vorgelegt hat. Steigende Preise bei DRAM-Chips haben den Umsatz um fast 60 Prozent erhöht. Der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf die Markterwartung. Eine Prognose-Anhebung des deutschen Halbleiterherstellers Infineon zieht auch einige Branchenwerte in den USA mit nach oben.

Die Aktien von Qualcomm verbesserten sich um 0,7 Prozent, Texas Instruments um 0,4 Prozent und Marvell um 0,5 Prozent. Der Halbleitersektor legte um 1,3 Prozent zu.

Dagegen ging es mit Gamestop nach Vorlage von Geschäftszahlen um 12,7 Prozent nach unten. Der Videospiele-Einzelhändler leidet unter der Abwanderung von Kunden, die Spiele aus dem Netz laden. Das Unternehmen will nun zwei bis drei Prozent aller Läden schließen.

Twitter stiegen um 2,5 Prozent. Der Kurs wurde gestützt von Berichten, wonach der Kursnachrichtendienst einen gebührenpflichtigen Dienst für professionelle Anwender prüfe.

Dax arbeitet sich an der 12.000 ab

Vor der Abstimmung im US-Repräsentantenhaus hatten sich die Anleger größtenteils zurückgehalten. Trotzdem verabschiedeten sich die deutschen Standardwerte mit einem moderaten Gewinn ins Wochenende. Der Dax schloss auf 12.064 Punkten und nahm damit 0,2 Prozent Plus mit in den Feierabend. Der MDax stieg um 0,4 Prozent auf 23.542 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es 1,1 Prozent auf 2003 Punkte nach oben. Für den Euro-Stoxx-50 ging es derweil um 0,1 Prozent auf 3444 Punkte nach unten.

"Die kurze Korrektur beim Dax könnte ein erster Vorbote gewesen sein auf das, was kommen wird, wenn Donald Trump seine politischen Ziele in den USA nicht erreichen kann", sagt Daniel Saurenz von Feingold Research n-tv.de. Die heile Trump-Welt bekomme erste Risse. Das Kursniveau der US-Börsen basiere darauf, dass die Trump-Wette am Ende auch aufgehe. "Scheitern aber Steuerreformen und Infrastrukturprogramme, werden die Investoren massiv enttäuscht sein", so Saurenz weiter.

Dem US-Präsidenten fehlt bei einer Ablehnung der Gesundheitsreform der finanzielle Spielraum für seine geplanten "phänomenalen" Steuersenkungen und billionenschweren Infrastruktur-Investitionen. "Scheitert er, dürften die Märkte auch die Umsetzung einer großen Steuerreform oder eines umfangreichen Infrastrukturprogramms infrage stellen", betonte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

Ebenfalls auf dem Handel lastete ein stärkerer Eurokurs nach guten Stimmungsdaten aus Unternehmen der Eurozone (siehe unten). Ein teurer Euro kann nachteilig für die Exportwirtschaft sein.

Von der Konjunkturfront gab es erfreulich gute Rückmeldungen: In Frankreich übertrafen die Einkaufsmanager-Indizes für das verarbeitende und das Service-Gewerbe im März die Erwartungen deutlich und auch die Ergebnisse der deutschen Umfragen waren in beiden Gewerben besser als von Volkswirten prognostiziert.

"Der Einkaufsmanagerindex und die Preisindizes sind mittlerweile auf einem Niveau, das eine restriktivere Geldpolitik rechtfertigen würde", sagte IHS-Markit-Chefvolkswirt ChrisWilliamson. An den Finanzmärkten wird bereits über eine schärfere geldpolitische Gangart der EZB spekuliert.

Kräftig aufwärts ging es im Dax mit der Aktie von Infineon, nachdem das Unternehmen den Ausblick für das zweite Quartal und das Gesamtjahr angehoben hat. Im zweiten Quartal werde nun mit einem Umsatzplus von etwa 8 Prozent gerechnet. Für das Gesamtjahr wird mit einer Umsatzzunahme zwischen 8 und 11 Prozent gerechnet. Nach einem starken ersten Quartal seien die "alten" Ziele von Infineon "viel zu vorsichtig" gewesen, dies korrigiere Infineon nun, so ein Händler. Die Aktie notierte bei Handelsschluss 9,3 Prozent höher und war damit der görßte Dax-Gewinner.

Ansonsten gehörten Merck mit einem Kursplus von 1,6 Prozent zu den Favoriten. Der Pharmakonzern kann erstmals seit neun Jahren wieder ein neues Medikament auf den Markt bringen. Das Absatzpotenzial dieses Krebsmittels sei zwar zunächst begrenzt, sagte ein Börsianer. Erhalte es auch für weitere Indikationen die Zulassung, seien aber jährliche Spitzenumsätze von mehr als 2,5 Milliarden Euro drin.

Einen Rückschlag bei der Medikamenten-Entwicklung musste dagegen Biotest hinnehmen. Der langjährige US-Partner Immunogen will sich nicht an Entwicklung und Vermarktung eines Wirkstoff-Kandidaten der Pharmafirma beteiligen. Die Entscheidung habe möglicherweise nichts mit dem Potenzial des Wirkstoffs zu tun, betonte Analystin Marietta Miemietz von der Equinet Bank. Biotest habe nun die Hände frei, sich einen anderen Partner zu suchen. Die Aktien der hessischen Firma brachen dennoch in der Spitze um über 18 Prozent ein, zuletzt notierten sie 4,8 Prozent niedriger.

Rheinmetall gewannen 4,0 Prozent. Damit honorierte die Börse das Joint Venture mit Rohde & Schwarz. "Damit erhöht Rheinmetall seine Chancen, bei den Bundeswehraufträgen zum Zuge zu kommen", so ein Marktteilnehmer.

Allianz verloren 1,0 Prozent, nachdem die Societe Generale die Aktie von "Halten" auf "Verkaufen" gesenkt haben soll.

Ausgesprochen erfolgreich verlief der Gang der Aumann AG aufs Börsenparkett. Die Aktien, die mit 42 Euro an Investoren verkauft wurden, schlossen mit 50,70 Euro, also um fast 20 Prozent über dem Ausgabepreis. Das Unternehmen produziert Anlagen zur Wickelung von Drähten für Motoren aller Art und hat damit ein starkes Standbein im Geschäft mit Elektromobilität.

Asien: Schwacher Yen stützt Exportwerte

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Verhaltener Optimismus kennzeichnete das Börsengeschehen in Ostasien. Hauptthema war auch hier die Gesundheitsreform in den USA, an deren Erfolg Experten die Durchsetzungsfähigkeit Trumps auch in anderen wirtschaftspolitischen Fragen messen. Die Abstimmung im Repräsentantenhaus über das Projekt findet am heutigen Freitag statt. Es ist zwar weiter unklar, ob Trump eine Mehrheit hinter sich bringt, doch hofften Teilnehmer, dass die Verschiebung dem Präsidenten in die Hände spielen könnte.

Zudem hat der Präsident den potenziellen Abweichlern ein Ultimatum gestellt."Es gibt die Sicht, dass eine Steuerreform kommt, wie auch immer", sagt Chefmarktstratege Chris Weston von IG Group.

In Tokio stieg der Nikkei-225 um 0,9 Prozent auf 19.263 Punkte. Der Yen zeigte sich gegenüber dem späten Donnerstag zum Dollar geschwächt, nachdem er nach Börsenschluss in Japan zugelegt hatte. Derweil hat der japanische Notenbankpräsident Haruhiko Kuroda Spekulationen eine Absage erteilt, dass es demnächst zu einem Anziehen der Zinsen kommen könnte.

Unter den Einzelwerten stiegen Mitsubishi Motor um 0,6 Prozent und Sony um 1,8 Prozent. Die Toshiba-Aktie verteuerte sich um 6,6 Prozent. Hintergrund waren Berichte, wonach die in Singapur ansässige Effissimo Capital Management einen Anteil von 8,1 Prozent erworben hat und damit zum größten Eigner des wegen riesiger Abschreibungen auf seine US-Kraftwerkstochter ins Straucheln geratenen Unternehmens wird. Marktanalyst Tomoichiro Kubota von Matsui Securities sagte, die Nachricht habe vor allem das Interesse von kurzfristigen Spekulanten angelockt. Der neue Investor könnte umfangreiche Umbaumaßnahmen vorschlagen, vermutet er.

Auch die Börse in Schanghai, die zunächst im Minus gelegen hatte, rückte bis Handelsschluss auf positives Terrain vor und gewann 0,6 Prozent. Dort waren Medienwerte gesucht, während Immobilien- und Baumaterial-Werte nachgaben. Grund für deren Schwäche waren neue Maßnahmen der Region Peking, die den Erwerb zusätzlicher Häuser beschränken.

Devisen: Euro zieht nach Daten an

Das politische Tauziehen in den USA setzte am Freitag auch dem Dollar zu. Daran werde sich vorerst wohl nichts ändern, betonte Devisenanalyst Sean Callow von der Westpac Bank. "Die Investoren realisieren, dass sich die USA in eine politische Sackgasse manövrieren können, obwohl dieselbe Partei das Weiße Haus, den Senat und das Repräsentantenhaus kontrolliert."

Gleichzeitig sprang der Euro nach guten Konjunkturdaten aus Frankreich und Deutschland wieder knapp über die Marke von 1,08 Dollar. Die guten Daten dürften die ohnehin vorhandenen kritischen Stimmen am unverändert ultralockeren geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank noch verstärken und damit dem Euro Rückenwind verleihen, heißt es. Zuletzt der Euro bei 1,0803 Dollar.

Der Dollar wurde zuletzt noch durch Aussagen des US-Notenbankers John Williams gestützt. Er könne sich für dieses Jahr drei oder sogar mehr Zinsanhebungen vorstellen, zitierte das "Wall Street Journal" den Chef der regionalen Notenbank von San Francisco in einem Interview. Zudem solle die Verringerung der billionenschweren Notenbankbilanz - eine Folge der jahrelangen Geldschwemme - ab Jahresende angegangen werden.

Rohstoffe: Opec-Treffen im Fokus

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 44,58

Nach zuletzt drei Tagen mit fallenden Notierungen haben sich die Ölpreise zwischenzeitlich etwas erholt. Übergeordnet belastete aber weiterhin die Sorge um ein weiter steigendes Ölangebot - vor allem durch eine anziehende US-Förderung. Die Preise kamen deshalb auch wieder zurück. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI kostete nahezu unverändert 47,76 Dollar. Brent verlor 0,2 Prozent auf 50,49 Dollar. 

Die Blicke der Anleger richten sich nun vor allem auf ein Treffen von Vertretern des Ölkartells Opec und weiterer Förderländer am Wochenende in Kuwait. Dort dürfte auch darüber gesprochen werden, ob die zuletzt beschlossenen Förderkürzungen noch über die Jahresmitte hinaus verlängert werden könnten.

Gold in USD
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Eine formale Entscheidung werde es aber bis zum Mai nicht geben, hieß es aus dem Handel. Seit einigen Tagen bewegen sich die Ölpreise in einer vergleichsweise engen Spanne von etwa zwei Dollar. Weder nach unten noch nach oben konnten die Preise nachhaltig ausbrechen. Hauptthema am Markt ist neben den Opec-Förderkürzungen das hohe Angebot aus den USA. Beides zusammen führt derzeit zu einem Tauziehen am Ölmarkt.

Wenig Bewegung gab es beim Goldpreis, der weiterhin unter der wichtigen Marke von 1250 Dollar notiert. Am Vortag hatte er dieses Niveau kurzfristig übersprungen. Zuletzt kostete die Feinunze 1248 Dollar und damit  0,2 Prozent weniger.

Quelle: ntv.de, ddi/hul/mbo/dpa/DJ