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Wall Street schließt im Plus US-Börsen regieren gelassen auf Zollstreit

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(Foto: AP)

Der US-chinesische Handelsstreit geht in die nächste Runde, aber die Anleger zeigen sich wenig beeindruckt. Der Grund: Sie hatten ohnehin mit Gegenmaßnahmen der Chinesen gerechnet. Sie sind sogar erleichtert, dass die Zölle nicht höher ausgefallen sind.

Nach dem Rücksetzer vom Vortag ist es an der Wall Street am Dienstag zu einer Gegenbewegung gekommen. Auch der sich weiter verschärfende Ton im Handelsstreit zwischen Amerika und China konnte die Kauflaune kaum bremsen. Nachdem US-Präsident Donald Trump am Montag erwartungsgemäß zehnprozentige Strafzölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar angekündigt hatte, reagierte China mit Zöllen auf US-Produkte im Umfang von 60 Milliarden Dollar. Trump drohte daraufhin mit weiteren Zöllen auf Waren von 257 Milliarden Dollar, sollte China an den US-Farmern und -Arbeitern Vergeltung üben wollen.

Wenn Sie wissen wollen, wie der Tag am Dax verlaufen ist, lesen Sie im Börsen-Tag nach.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,7 Prozent auf 26.247 Punkte. Der S&P-500 rückte um 0,5 Prozent vor und der technologielastige Nasdaq-Composite um 0,8 Prozent. Technologiewerte hatten zu Wochenbeginn besonders stark unter der jüngsten Entwicklung im Zollstreit gelitten.

Teilnehmer wiesen einmal mehr auf die starke Verfassung der Wirtschaft hin. "Trumps Methoden sind unkonventionell, aber die US-Ökonomie ist stark, die Unternehmsergebnisse sind gesund und das Vertrauen unter Verbrauchern und Anlegern ist hoch", so umriss Chefinvestmentstratege Robert Pavlik von Slatestone Wealth die Lage.

Händler erinnerten auch daran, dass Trump bereits zuvor weitere Maßnahmen in ähnlichem Umfang angedeutet hatte. Zudem verhandelten Washington und Peking immer noch. Solange die Stimmung bei den Gesprächen positiv bleibe, gleiche der Handelsstreit eher einer Kissenschlacht, meint Steve Englander, Leiter des G10-Devisenresearch bei Standard Chartered. Dabei gerate zwar manches ins Wanken, aber nichts gehe wirklich zu Bruch. Außerdem würden die Zölle schrittweise eingeführt. Ab dem 24. September sollen sie 10 Prozent betragen und nach dem 31. Dezember dann auf 25 Prozent steigen.

Im Dow-Jones-Index stützte vor allem die schwergewichtete Boeing-Aktie, die sich um 2,1 Prozent verteuerte. Laut einem Medienbericht hat eine Sparte des Flugtechnik-Konzern eine neue Militärdrohne entwickelt.

Die Tesla-Aktie sackte um 3,4 Prozent ab. Der Elektroauto-Hersteller hat Ermittlungen des US-Justizministeriums nach dem überraschenden Tweet von Gründer Elon Musk zum Börsenrückzug bestätigt. Musk hatte Anfang August überraschend im Kurzbotschaftendienst Twitter verkündet, dass er erwäge, Tesla zu 420 Dollar je Aktie von der Börse zu nehmen, was rund 20 Prozent über dem damaligen Kurs lag. Die Finanzierung dafür sei "gesichert", schrieb er damals.

Netflix rückten um 4,9 Prozent vor. Der Streamingfilmdienst hatte bei den renommierten Emmy Awards gemeinsam mit AT&T die Nase bei der Zahl der gewonnenen Preise vorn.
Visa und Mastercard haben eine Sammelklageverfahren beigelegt, das von US-Einzelhändlern 2005 angestrengt worden war. Die Aktien gewannen 1 beziehungsweise 1,7 Prozent.

Enttäuschende Umsatzzahlen drückten die Aktie von General Mills um 7,6 Prozent nach unten. Dass der bereinigte Gewinn die Erwartungen schlug, ging weitgehend unter.
Am Vorabend nach Börsenschluss hatten Oracle und Fedex Geschäftszahlen vorgelegt, die negativ aufgenommen wurden. Nach den Oracle-Zahlen haben Wells Fargo und Nomura ihre Kursziele gesenkt, die Kaufempfehlungen aber beibehalten. Oracle verloren 0,3 Prozent. Fedex büßten 5,5 Prozent ein.

Die Aktien des Kosmetikunternehmens Avon Products sprangen um gut 10 Prozent nach oben. Laut einem Medienbericht ist die brasilianische Natura Cosmeticos an Avon interessiert.

Nexeo Solutions wird vom US-Chemikalienhändler Univar übernommen, was der Aktie zu einem Plus von 14,8 Prozent verhalf. Univar gewannen 2,2 Prozent, gestützt von der Aussicht auf Kosteneinsparungen von 100 Millionen Dollar schon im ersten Jahr nach der Übernahme.
Marsh & McLennan übernimmt den britischen Versicherungsmakler Jardine Lloyd Thompson Group für 4,3 Milliarden britische Pfund. Marsh & McLennan sanken um 4 Prozent. Die Jardine-Aktie haussierte in London um 31 Prozent.

Der Dollar rückte im Verlauf wieder etwas vor. Hier stützten offenbar die Maßnahmen der US-Regierung im Streit mit China. Experten sind sich über die weitere Richtung des Euro-Dollar-Paar uneins. Die Analysten der Unicredit merken an, dass sich der Euro in letzter Zeit als widerstandsfähig erwiesen hat und durchaus in der Lage sei, "Gegenwind zu bewältigen". Nach Ansicht der ING kann sich dies aber ändern, nachdem China tatsächlich mit neuen Strafzöllen auf weitere US-Importe im Wert von 60 Milliarden Dollar reagierte. Die Analysten von Morgan Stanley sehen in nächster Zeit den Euro wieder unter Druck. Am späten Dienstag notierte er bei etwa 1,1670 Dollar.

Mit dem wachsenden Interesse für Aktien gerieten die sicheren Häfen in den Hintergrund. Der Goldpreis fiel um 0,2 Prozent zu auf 1.198 Dollar. Am US-Anleihemarkt ging es steil abwärts. Die Zehnjahresrendite stieg um 6 Basispunkte auf 3,05 Prozent, das war der höchste Stand seit über drei Monaten.

Kräftig nach oben ging es dagegen mit den Ölpreisen. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 69,85 Dollar je Barrel. Die europäische Referenzsorte Brent stieg um 1,2 Prozent auf 78,99 Dollar. Befürchtungen, dass die chinesische Nachfrage nach Öl aufgrund der US-Strafzölle zurückgehen könnte, werden gemildert durch die US-Sanktionen gegen Iran, die im November in Kraft treten sollen. In der Folge wird weniger iranisches Öl auf den Markt kommen. Das knappere Angebot wiederum dürfte den Ölpreis stützen.

Saudi-Arabien würde laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg einen höheren Ölpreis akzeptieren. Man werde zwar den Preis nicht gezielt nach oben treiben, wäre aber mit einem Brentpreis von über 80 Dollar durchaus zufrieden, zitiert Bloomberg Vertreter des Königreichs, das de facto die Opec dominiert. Das sind neue Töne. Bislang schien Saudi-Arabien sich eher dem US-Präsidenten zu beugen, der wiederholt über die zu hohen Ölpreise geklagt hat. Die Äußerungen aus Saudi-Arabien gäben dem Markt am Dienstag die Richtung vor, merkte Matthew Smith, Leiter des Rohstoff-Research bei Clipper Data, dazu an.
Derweil rechnen Analysten mit einem Rückgang der US-Rohölbestände, wenn am Mittwoch die neuen Wochendaten hereinkommen. Im Schnitt sehen sie das Minus bei 2,1 Millionen Barrel.

Quelle: n-tv.de, kpi/rts/DJ

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