Marktberichte

Plus an der Wall Street US-Jobbericht lässt Dax deutlich steigen

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Einen deutlichen Sprung macht der Dax am Nachmittag nach Bekanntwerden der US-Daten zum Arbeitsmarkt.

(Foto: REUTERS)

Mit einem satten Plus verabschiedet sich der Dax ins Wochenende. Auslöser ist die überraschend schwache Lage des Arbeitsmarktes in den USA - denn dies macht eine baldige US-Zinswende weniger wahrscheinlich. Anleger investieren daher lieber wieder in Aktien.

Einen deutlichen Sprung machte der Dax nach schwachen Zahlen zum Jobmarkt in den USA. Der deutsche Leitindex legte rund 1,4 Prozent zu und ging auf 10.684 Punkten aus dem Handel. Wie das US-Arbeitsministerium berichtete, stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft nur um 151.000, während Volkswirte einen Stellenzuwachs um 180.000 erwartet hatten.

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Gestützt wurde der Dax aber auch von deutlichen Gewinnen von RWE und Eon. In ganz Europa liefen die Versorger gut und führten mit einem Plus des Branchenindex von 2,5 Prozent die Gewinnerseite an. Auch Gold zog zunächst kräftig an und stieg auf fast 1330 Dollar je Feinunze, nachdem es zuletzt stark unter der Zinsspekulation gelitten hatte. Allerdings kam der Kurs wieder zurück und stand am späten Nachmittag bei gut 1320 Dollar je Feinunze.

"Nach den US-Arbeitsmarktdaten hat sich die mittlerweile alberne Diskussion um eine baldige Zinserhöhung in den USA erledigt", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die US-Wirtschaft sei nach wie vor nicht stark genug um einen Zinsschritt zu verkraften, dazu stimme der Zeitpunkt nicht "und genau dies weiß Janet Yellen". Die aus den Fed-Fund-Futures abzulesende Zinserhöhungserwartung ging dementsprechend leicht zurück. Sie lag nun bei 34 Prozent für September nach 36 Prozent vor dem Bericht. "Für den Dax bedeutet dies weiter freie Fahrt dank üppigen Geldes, die große Sorglosigkeit am Markt und die geringen Risikoprämien dürfen aber nicht vergessen werden", so Saurenz.

Hauptthema war zwar der US-Arbeitsmarkt, jedoch verdüstern sich die Konjunkturaussichten immer stärker. So überraschte der Einbruch des ISM-Index am Vortag und setzte die Börsen unter Druck. Vor allem der deutliche Rückgang der Beschäftigungskomponente auf 48,3 nach 49,4 führt vor Augen, dass der Beschäftigungsaufbau bereits seinen Höhepunkt erreicht haben könnte. Auch die Zukunftsperspektiven sahen hier nicht gut aus: Der Auftragseingang brach regelrecht ein auf 49,1 nach 56,9 im Vormonat. Mit einem Wert unter 50 fiel er zudem unter die Expansionsschwelle zurück.

Frankfurt: Rocket-Aktien brechen ein

Der Dax schloss am Ende 1,4 Prozent höher auf 10.684 Punkten. Für den MDax ging es 1,3 Prozent nach oben auf 21.733 Zähler. Ein Plus von 1,2 Prozent verzeichnete der TecDax, der auf 1754 Punkte stieg. Der Euro-Stoxx-50 verbesserte sich um 2,1 Prozent auf 3081 Stellen.

Spitzenreiter im Dax waren RWE und Eon. RWE gewannen 5,6 Prozent und Eon 3,8 Prozent. Wie im Handel erwartet, hatte die Bafin ihr O.K. zum Börsenprospekt von Uniper gegeben. Bei der Abspaltung des konventionellen Kraftwerkgeschäfts bekommen die Eon-Aktionäre für jeweils 10 Eon-Aktien eine Uniper-Aktie. Am 12. September wird die Uniper-Aktie den ersten Tag an der Börse gehandelt, an diesem Tag sind dann 31 Unternehmen im Dax vertreten. An der Börse wird damit gerechnet, dass es an den ersten Tagen zu stärkeren Schwankungen in der Uniper-Aktie kommen wird, da sich dann die Indexfonds von ihren Beständen trennen werden. RWE-Aktien wurden von der Tarifeinigung mit der Gewerkschaft IG BCE gestützt. Er wurde an der Börse als moderat bewertet.

Am Dax-Ende landeten hingegen Heidelbergcement mit einem Abschlag von 1,0 Prozent und Adidas mit minus 1,6 Prozent. Nach Händlerangaben hatte HSBC Adidas auf "Hold" nach "Buy" gesenkt und stimmte damit in den Chor der Kritiker der hohen Aktienbewertung ein.

Im MDax rauschten Covestro um 4,2 Prozent in die Tiefe. J.P. Morgan hatte Covestro abgestuft. Hannover Rück stiegen um 2,6 Prozent dank einer Hochstufung auf "Kaufen" durch die Societe Generale.

Einen Kurseinbruch von 7,7 Prozent und in der Spitze schon über 10 Prozent gab es bei Rocket Internet. Das Unternehmen hat für das erste Halbjahr einen Verlust von 617 Millionen Euro gemeldet, überwiegend verursacht durch Abschreibungen. Gleichzeitig brach der Umsatz um 59 Prozent ein auf 29 Millionen Euro. Die Abschreibungen seien zwar erwartet worden, der Umsatzeinbruch sehe aber "schockierend" aus, hieß es im Handel.

USA: Wall Street legt nach Jobdaten zu

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Schwindende Erwartungen auf eine Zinserhöhung bereits in diesem Monat haben der Wall Street zum Wochenausklang Auftrieb gegeben. Auslöser war der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für August. US-Unternehmen schufen demnach außerhalb der Landwirtschaft mit 151.000 neuen Jobs nicht so viele wie Analysten erwartet. "Das war bestenfalls ein durchwachsener Arbeitsmarktbericht", sagte Ökonom Tom Porcelli von RBC Capital Markets. Seinen Worten zufolge dürften sich damit Spekulationen auf eine Zinsanhebung im September erledigt haben.

Der Dow-Jones-Index legte um 0,4 Prozent zu und ging mit 18.492 Punkten ins Wochenende. Der breiter gefasste S&P 500 stieg ebenfalls um 0,4 Prozent auf 2180 Zähler. Beim Index der Technologiebörse Nasdaq betrug das Plus 0,4 Prozent auf 5250 Punkte. Am Montag findet in den USA wegen eines Feiertags kein Handel statt.

Die US-Notenbank blickt bei geldpolitischen Entscheidungen besonders auf den Arbeitsmarkt. Eine schwächere Entwicklung der Beschäftigung könnte die Fed bei ihren Zinsschritten bremsen. Für Allianz-Berater Mohamed El-Erian bringen die jüngsten Zahlen die Fed aber in eine schwierige Lage. "Sie sind nicht stark genug, um eine Zinserhöhung im September zu rechtfertigen. Aber sie sind solide genug, um eine hitzige Diskussion über die Geldpolitik und die Nebenwirkungen langfristig ultraniedriger Zinsen anzustoßen."

Unter den Einzelwerten zogen Smith & Wesson das Interesse der Anleger auf sich. Die Aktie des Waffenherstellers büßte 6,5 Prozent ein, obwohl das Unternehmen seine Umsatzprognose angehoben hatte.

Wegen eines enttäuschenden Wachstums zeigten die Anleger Lululemon die kalte Schulter. Bei dem kanadischen Anbieter von Yogabekleidung stiegen die Umsätze im zweiten Quartal zwar um fünf Prozent, Analysten hatten aber 5,9 Prozent erwartet. Die in den USA notierten Aktien fielen um 10,5 Prozent.

Auch der Anbieter von Bezahlterminals, Verifone, fiel bei den Investoren in Ungnade, weil er die Umsatzerwartungen am Markt nicht erfüllen konnte. Die Papiere brachen um 16,4 Prozent ein.

Asien: Börsen in Fernost warten auf US-Daten

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Asiens Börsen haben sich vor den mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten kaum aus der Deckung gewagt. Der japanische Nikkei-Index der 225 führenden Werte gab am Freitag minimal auf 16.925 Punkte nach. Der breiter gefasste Topix gewann dagegen 0,25 Prozent  auf 1340 Zähler. Auch der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans und der Leitindex für die Börsen Shanghai und Shenzhen bewegten sich kaum.

Zuvor hatten maue Zahlen von Industrie und Bau in den USA Zweifel an den Wachstumsaussichten der wichtigsten Volkswirtschaft geschürt. Zudem sorgten sie für neue Ungewissheit über den Zeitpunkt des nächsten Zinsschrittes der Notenbank Federal Reserve: Signale einer Konjunkturschwäche könnten die Erhöhung der Leitzinsens weiter hinauszögern.

"Einige Anleger hatten auf eine Zinserhöhung in den USA in diesem Monat gesetzt, wegen der schächeren Konjunkturdaten und der mauen Pkw-Verkäufe scheinen sich diese Erwartungen aber zu verändern", sagte der Analyst Hikaro Satu vom Börsenmakler Daiwa Securities in Tokio.

Bei den Einzelwerten ließen in Tokio die Aktien der Pkw-Hersteller Federn, nachdem der Verkaufsboom der US-Autobranche zum Erliegen gekommen war. Toyota Motor gaben 0,3 Prozent nach, Honda Motor verbilligten sich um 0,6 Prozent. Die Anteilsscheine von Mazda Motor sanken 0,4 Prozent.

Devisen: Euro wieder unter 1,12 Dollar

Der Kurs des Euro hat zwischenzeitliche Gewinne nach dem US-Arbeitsmarktbericht wieder abgegeben und ist gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zu US-Handelsschluss bei 1,1157 US-Dollar gehandelt, nachdem sie zwischenzeitlich bis auf 1,1252 Dollar gestiegen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1193 (Donnerstag: 1,1146) Dollar fest.

Rohstoffe: Ölpreise erholen sich

Nach oben ging es für die Ölpreise. Händler sprachen von einer Gegenbewegung, nachdem die Preise im Verlauf der Woche stark gefallen waren. Am späten Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 46,62 US-Dollar. Das waren 1,17 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Lieferung im Oktober erhöhte sich um 1,09 Dollar auf 44,24 Dollar.

Seit Beginn der Woche war der Preis für US-Öl um acht Prozent und der Preis für Brent-Öl um etwa sieben Prozent gefallen. Unter anderem hatte ein überraschend starker Anstieg der Ölreserven in den USA die Ölpreise kräftig belastet. Im weiteren Handelsverlauf könnten noch wichtige US-Konjunkturdaten für neue Impulse am Ölmarkt sorgen. Am Nachmittag werden mit Spannung erwartete Arbeitsmarktdaten für August veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, kst/jwu/rts/DJ/dpa