Marktberichte

"Rein spekulativer Optimismus" Wall-Street-Anleger greifen wieder zu

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Auf dem Parket wird wieder gehandelt - natürlich mit Maske.

(Foto: AP)

Ende vergangener Woche standen an der Wall Street noch Verluste zu Buche, nun sieht die Welt schon wieder anders aus. Großer Gewinner des Tages ist der gebeutelte Flugzeugbauer Boeing, aber auch ein deutsches Unternehmen macht ein dickes Plus.

Nach den kräftigen Verlusten am Freitag hat sich die Wall Street am Wochenbeginn schon wieder berappelt. Allerdings lagen die Indizes zu Handelsbeginn noch deutlich unter ihren Schlussständen, denn das Umfeld bleibt volatil. Einerseits ist die Sorge vor neuen Covid-19-Ausbrüchen bei den Anlegern ungebrochen, - in den USA ziehen die Neuinfektionen wieder rasant an - andererseits sorgen die geldpolitischen Lockerungen der Notenbanken weltweit und die vielfältigen Stimulierungsprogramme gepaart mit einem schrittweisen Wiederhochfahren der Wirtschaft in einigen Ländern weiter für Hoffnung, dass sich die Weltkonjunktur bald erholt.

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Eine positive Überraschung erbrachten bereits die anstehenden Hausverkäufe, die im Mai in den USA um den Rekordwert von rund 44 Prozent zulegten, während Experten mit einem Plus von lediglich 15 Prozent gerechnet hatten.

Dennoch bleiben Zweifel an einer fundamentalen Erholung. "Der Markt spielt rein spekulativen Optimismus - mehr als je zuvor in meiner Karriere", sagte etwa Philip Blancato, Präsident von Ladenburg Thalmann Asset Management.

Der Dow-Jones-Index gewann 2,3 Prozent auf 25.596 Punkte, getragen vor allem von den zweistelligen Boeing-Gewinnen. Der S&P-500 stieg um 1,5 Prozent, für den Nasdaq-Composite ging es um 1,2 Prozent nach oben. Dabei gab es insgesamt 2.175 (Freitag: 443) Kursgewinner und 832 (2.550) -verlierer. Unverändert schlossen 46 (46) Titel.
"Die Volatilität ist nach wie vor hoch, was zeigt, dass der Grad der Angst weiterhin sehr hoch ist", so Sebastien Galy, Makrostratege bei Nordea Asset Management. Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank verweist zudem darauf, dass große Fondsmanager angesichts des Monats- und Quartalsendes ihr Portfolio neu ausbalancierten.

Boeing profitieren von 737-MAX-Hoffnungen

Unter den Einzelwerten stiegen Facebook um 2,1 Prozent, nachdem sie zunächst hinter dem Markt zurückblieben. Angesichts von Hass und Hetze im Internet will nun auch die Cafe-Kette Starbucks vorerst auf Werbung bei Facebook und anderen Online-Netzwerken verzichten. "Unser Anliegen ist es, Gemeinschaften zusammenzubringen - persönlich und im Internet. Wir stehen gegen Hassrede", erklärte das US-Unternehmen. Vergangene Woche hatten bereits der Getränkehersteller Coca-Cola und der Konsumgüterriese Unilever ähnliche Schritte angekündigt. Starbucks rückten 2,7 Prozent vor.

Boeing haussierten um 14,4 Prozent. Mehr als ein Jahr nach dem weltweiten Flugverbot für das Passagierflugzeug Boeing 737 MAX steht die US-Flugaufsichtsbehörde FAA offenbar kurz davor, einen ersten Testflug der überarbeiteten Maschine zu genehmigen.

Biontech stiegen nach einer Privatplatzierung um 5,9 Prozent. Unter anderem der Staatsfonds Temasek aus Singapur hat sich an dem deutschen Biotech-Unternehmen beteiligt, das einen Covid-19-Impfstoff entwickelt.

Amazon hat nach eigenen Angaben im Juni über 500 Millionen Dollar Bonuszahlungen an Mitarbeiter und Vertragspartner erstattet. Damit summieren sich die Sonderzahlungen aus der Corona-Pandemie für die Arbeiter an der Lieferfront auf 1,3 Milliarden Dollar, denn einer Sprecherin zufolge wurden per 30. Mai bereits 800 Millionen Dollar zusätzlich bezahlt. Die Aktie verlor 0,5 Prozent.

Ölpreise profitieren von Daten aus China

Die Ölpreise notierten fester - trotz der hohen Infektionszahlen in den USA. Händler verwiesen auf positiv aufgenommene Konjunkturdaten aus China, dem weltweit größtem Öl-Importeur. Dort zogen die Gewinne der Industrie im Mai wieder um 6 Prozent zum Vorjahr an - der erste Anstieg in diesem Jahr. Die US-Sorte WTI gewann 3,0 Prozent auf 39,63 Dollar je Barrel, Brent legte 1,2 Prozent zu auf 41,52 Dollar. Der am Sonntag von Chesapeake Energy eingereichte Insolvenzantrag lastete kaum, auch wenn das Unternehmen der "unbestrittene Meister des US-Schiefergases" war, wie Magnus Nysveen sagte, Analyse-Chef bei Rystad Energy.

Am Devisenmarkt ging es wechselhaft zu. Zunächst gab der Dollar mit den rasant steigenden Neuinfektionen nach. Der Euro profitierte von den deutsch-französischen Regierungskonsultationen. Devisenhändler sprachen von Hoffnungen auf eine zügige Konjunkturerholung in der Eurozone. Im Tagesverlauf holte der Greenback aber die Verluste fast vollständig wieder auf. Das Auf und Ab entspreche der Volatilität am Aktienmarkt und spiegele die Unsicherheit der Anleger, hieß es. Der Euro notierte bei 1,1238 US-Dollar nach einem Tageshoch bei rund 1,1290.

Vermeintlich "sichere Häfen" wie Gold oder US-Anleihen wurden trotz der guten Stimmung am Aktienmarkt nicht abverkauft. Dies zeige, dass sich die Anleger in ihrem Optimismus keineswegs sicher sind, sagten Teilnehmer. Der Preis für die Feinunze Gold notierte unverändert bei 1.772 Dollar. Am Anleihemarkt ging es für die Rendite zehnjähriger US-Anleihen bei leicht steigenden Notierungen um 1,1 Basispunkte nach unten auf 0,63 Prozent.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ