Marktberichte

Pandemie-Angst hält an Wall Street auf Erholungskurs

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(Foto: picture alliance/dpa)

Nach den heftigen Verlusten zum Wochenstart zeigen sich die US-Aktienmärkte etwas erholt. Boden gut macht insbesondere Apple. Die Sorgen vor einem Konjunktureinbruch aufgrund der Virus-Gefahr halten allerdings an.

Nach dem stärksten Tagesverlust seit Anfang Oktober zu Wochenbeginn hat sich die Wall Street etwas erholt. Allerdings blieben die Sorgen vor einer möglichen Pandemie mit dem Coronavirus in China und damit einhergehenden Risiken für die globale Konjunktur bestehen. Die Fallzahlen bei Todesopfern und Infizierten stiegen - auch außerhalb Chinas. Händler wollten deshalb auch keine Entwarnung geben, sondern sprachen von einer Stabilisierung des Aktienmarktes.

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"Die Erholung dürfte auf tönernen Füßen stehen", warnte Investmentanalyst Marios Hadjikyriacos von XM. Die ohnehin leicht schwächelnde Konjunktur in China könnte durch das Coronavirus einen weiteren Dämpfer erhalten. Volkswirte bezifferten die Folgen einer möglichen Pandemie in China mit 0,5 bis 2 Prozentpunkten des BIP-Wachstums 2020. Es gab aber auch beschwichtigende Stimmen: Es gebe wichtige Unterschiede gegenüber der SARS-Epidemie 2003, sagte Chefanalystin Joyce Chang von JP Morgan. Sie sah die Situation weniger dramatisch als 2003.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,7 Prozent auf 28.723 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite kletterten um 1,0 bzw. 1,4 Prozent. Getragen wurde die Erholung am US-Aktienmarkt von überraschend positiven Konjunkturdaten. So hatte sich die Stimmung unter US-Verbrauchern im Januar unerwartet deutlich aufgehellt, obwohl die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump viele Konsumgüter verteuert hat.

Harley-Davidson verfehlt Prognosen

Apple
Apple 115,75

Bei den Einzelwerten gab die US-Berichtssaison den Takt vor. Nach der Schlussglocke veröffentlichten Apple, Ebay und AMD Geschäftszahlen. Apple gewannen im Vorfeld 2,8 Prozent. Der Konzern hatte bei seinen Zulieferern laut einem Bericht für die erste Hälfte des Jahres deutlich mehr Bauteile für das iPhone bestellt als ursprünglich vorgesehen. Für die 3M-Aktie ging es um 5,7 Prozent nach unten. Der Mischkonzern hatte im vierten Quartal deutlich weniger verdient und die Gewinnerwartungen verfehlt. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen den Abbau von 1.500 Stellen als Teil einer Restrukturierungsmaßnahme an.

Die Papiere von Pfizer gaben 5,1 Prozent ab. Die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte hatte den Umsatz des Pharmakonzerns im vierten Quartal belastet. Während die Erlöse dennoch im Rahmen der Erwartungen ausfielen, hatten sich Analysten beim Ergebnis mehr erhofft. United Technologies stiegen um 1,2 Prozent, der Konzern hatte im vierten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert und die Markterwartungen auf bereinigter Basis übertroffen.

Juniper Networks
Juniper Networks 18,73

Die Juniper-Aktie fiel um 4,9 Prozent. Der Netzwerkausrüster übertraf mit seinem bereinigten Gewinn je Aktie im vierten Quartal die Analystenschätzung knapp, ebenso mit dem gestiegenen Umsatz. Juniper meldete jedoch einen Kostenanstieg und höhere Ausgaben. McCormick sanken um 3,9 Prozent nach schwachen Viertquartalszahlen und einem mauen Ausblick des Gewürzanbieters. Harley-Davidson ermäßigten sich um 3 Prozent, die Motorradlegende verfehlte die Marktprognosen - insbesondere der US-Absatz gestaltete sich schwach.

Ölpreise erholen sich

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 42,32

Der Euro lag mit zuletzt 1,1021 Dollar wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 1,10 Dollar, die er im Verlauf unterboten hatte. Analysten schlossen einen nachhaltigen Fall unter diese Marke nicht aus. Zur Begründung wurde auf den unerwartet schwachen ifo-Geschäftsklimaindex am Vortag verwiesen.

Am Ölmarkt kam es nach zuletzt fünf Tagen mit Abgaben zu einer leichten Erholung. Die Sorge vor einer sinkenden Nachfrage im Zuge einer Ausbreitung des Coronavirus bleibe aber weiter das bestimmende Thema, hieß es. Der Preis für einen Barrel der US-Sorte WTI stieg um 0,6 Prozent auf 53,48 Dollar, für Brent ging es um 0,3 Prozent auf 59,51 Dollar nach unten. Gestützt wurde der Ölmarkt auch von Berichten, das Erdölkartell Opec könnte die Förderbeschränkungen verlängern.

Der Goldpreis gab nach den zuletzt gesehenen Aufschlägen und einem Sechsjahreshoch nach. Da es aber keine Entspannung bei der Ausbreitung des Coronavirus gab, dürfte der "sichere Hafen" tendenziell gesucht bleiben, hieß es. Die Feinunze reduzierte sich um 0,8 Prozent auf 1.569 Dollar. Belastet wurde der Goldpreis von den guten US-Daten und gestiegenen Marktzinsen.

Quelle: ntv.de, jpe/DJ