Marktberichte

Kreml-Krise verliert Schrecken Wall Street kehrt zum Tagesgeschäft zurück

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"Die Preiszahlen sprechen nicht gegen eine fortgesetzte Rückführung der Anleihekäufe seitens der Fed."

(Foto: REUTERS)

Die Signale aus Moskau fallen in New York auf fruchtbaren Boden: US-Anleger werten die Rede Putins zum Krim-Konflikt als Zeichen der Entspannung. Vorbörslich vorgelegte Daten erfüllen ein wichtiges Kriterium - sie stehen der Fed nicht im Weg.

Die Anleger an der New Yorker Wall Street haben mit Erleichterung die wieder mäßigenden Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgenommen. Der Staatschef versicherte, dass er keine Aufteilung der Ukraine anstrebe. In Kiew wird befürchtet, Russland könne sich auch andere Regionen im Osten der Ukraine mit russischstämmiger Bevölkerung einverleiben.

"Der Grund ist die Putin-Aussage, die Ukraine nicht spalten zu wollen. Daraus liest man, dass kein weiterer Konflikt um die Ostukraine bevorsteht", sagte ein Händler angesichts der positiven Stimmung auf dem Parkett. "Ich denke nicht, dass die Krim-Krise aktuell sehr viel Einfluss auf das Marktgeschehen hat, wie dies noch vor Kurzem zu beobachten war. Bis auf Weiteres heißt die Parole 'business as usual'", ergänzte Marktstratege Mark Lehmann von JMP Securities.

S&P 500 kratzt am Rekordhoch

Der Dow-Jones-Index kletterte um 0,6 Prozent auf 16.336 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,7 Prozent und näherte sich dem Rekordschlussstand von 1.878 bis auf 6 Punkte. Für den Nasdaq-Composite ging es um 1,2 Prozent gen Norden.

Dennoch dürfte die Krise nicht ausgestanden sein. Denn nach der EU und den USA hatte auch Japan Sanktionen gegen Moskau beschlossen. Und US-Vizepräsident Joe Biden drohte Russland bereits mit weiteren Sanktionen. Auch die Ukraine trug nicht zur Entspannung bei, die Annexion der Krim werde das Land "nie" hinnehmen, goss das Außenministerium in Kiew Öl ins Feuer. Dazu gesellten sich Meldungen über einen von russischen Kräften getöteten ukrainischen Soldaten.

Die Aufschläge am US-Aktienmarkt wurden aber auch vom Beginn der zweitägigen Sitzung der US-Notenbank etwas gebremst. Mehrheitlich wurde damit gerechnet, dass die Notenbanker um Präsidentin Janet Yellen die quantitativen Lockerungen weiter zurückfahren werden. Mehrheitlich wird an den Märkten damit gerechnet, dass die Notenbanker um Janet Yellen diese um weitere zehn Milliarden Dollar zurückfahren. Um die Wirtschaft anzukurbeln, kauft die Fed derzeit jeden Monat Wertpapiere für 65 Milliarden Dollar. Die Hilfen dürften noch dieses Jahr auslaufen, wenn sich der Aufschwung ausreichend gefestigt hat.

Wenig Impulse durch Konjunkturdaten

Wenig Inspiration für den Markt lieferten die US-Konjunkturdaten. Der Anstieg der Verbraucherpreise im Februar deckte sich mit den Konsensschätzungen. "Die Preiszahlen sprechen nicht gegen eine fortgesetzte Rückführung der Anleihekäufe seitens der Fed. Anlass für Inflationsängste besteht gleichwohl nicht", kommentierte Johannes Jander von der Helaba.

Dagegen gingen die Baubeginne überraschend zurück, während die Baugenehmigungen über den Schätzungen der Ökonomen lagen. Volkswirte sprachen von wetterbedingten Verschiebungen der Bauvorhaben. Die Baugenehmigungen liegen zudem mit annualisiert 1,018 Millionen laut Helaba-Experte Jander über der Konsensschätzung von 960.000. "Nach der leichten, wetterbedingten Verschnaufpause am Immobilienmarkt zu Beginn des Jahres setzt sich die Erholung fort", meinte der Volkswirt.

Apple und Microsoft gesucht

Unter den Einzelwerten am Aktienmarkt legten Apple um 0,9 Prozent zu. Der Technologiekonzern bietet das günstigste iPad weiterhin für 399 Dollar an, allerdings erhalten Käufer eine Handvoll neuer Funktionalitäten.

Zu den größten Gewinnern an der Wall Street zählten die Aktien von Microsoft mit einem Plus von vier Prozent. Die Titel sind damit so teuer wie seit fast 14 Jahren nicht mehr. Der Software-Konzern könnte einem Insider zufolge bald eine Version seiner Office-Software für Apples iPad vorstellen. Insidern zufolge könnte der neue Konzernchef Satya Nadella am 27. März den von Analysten lang geforderten Schritt vollziehen. Erstmals seit dem Jahr 2000 kosteten Microsoft-Aktien damit wieder fast 40 Dollar.

Cisco Systems arbeiteten sich mit 0,6 Prozent ins Plus. Zunächst hatte eine Studie von Barclays das Papier belastet. Die Analysten strichen bei den Aktien des Netzwerkspezialisten ihre Kaufempfehlung.

Im Blick stehen zudem General Motors (GM) Die Chefin des Autobauers, Mary Barra, hatte sich am Vorabend für die Umstände einer Aufsehen erregenden Rückrufaktion entschuldigt. Zudem wird der Posten eines Sicherheitsbeauftragten geschaffen Die Aktien von GM legen 1,6 Prozent zu auf 35,17 Dollar.

Der Luftfahrtkonzern Boeing wiederum steht im Zusammenhang mit der verschollenen Maschine der Malaysian Airlines unter besonderer Beobachtung. Auch am Tag 10 nach dem Verschwinden der Boeing 777-200ER gibt es keine neuen Hinweise auf den Verbleib des Flugzeugs. Damit ist auch nach wie vor unklar, was genau zu dem Vorfall führte. Für den Fall, dass technische Ursachen eine Rolle spielen, müssen Boeing-Aktionäre mit bilanzrelevanten Belastungen rechnen. Die Papiere geben 1,1 Prozent nach.

Hertz verloren im Fahrwasser schwacher Viertquartalszahlen 0,5 Prozent. Der Autovermieter will zudem Teile seines Geschäfts ausgliedern. Auch der Kreditkartenanbieter American Express will ausgliedern - die Sparte für Geschäftsreisen soll in ein Gemeinschaftsunternehmen überführt werden. 50 Prozent dieses Joint Ventures verbleibt bei dem New Yorker Unternehmen, die andere Hälfte übernimmt für 900 Millionen US-Dollar eine Investorengruppe. Die Aktie stieg um 0,4 Prozent.

Analysten äußern sich zur Rüstungsbranche

FutureFuel schnellten dagegen um 17,6 Prozent empor. Der Hersteller von Biosprit hat den Gewinn im vierten Quartal vervierfacht. Nach einer Hochstufung durch Barclays verteuerten sich Hewlett-Packard um 3,7 Prozent. Der Computerbauer habe im Servermarkt dem Konkurrenten IBM Marktanteile abgeluchst, so die Experten. Der Einzelhandelsriese Wal-Mart steigt ins Geschäft mit gebrauchten Videospielen ein, GameStop sanken daraufhin um 3,4 Prozent. United States Steel standen mit plus 5,4 Prozent an der Spitze im S&P 500. Händler sprachen von einer Erholung.

Ein insgesamt positiver Analystenkommentar lenkte die Aufmerksamkeit vieler Anleger zudem auf die Rüstungsindustrie. Die Aktien der Branchenschwergewichte seien zuletzt "gut gelaufen", hieß es in einer Studie von RBC. Dies sei bemerkenswert, da derzeit noch immer Unklarheit über die Verteidigungsausgaben des Pentagon herrsche. Die Branche habe allerdings trotz meist stagnierender Umsätze die Margen gesteigert und mehr verdient als erwartet, erklärten die Analysten. RBC stufte den gesamten Sektor daher von "Under Weight" auf "Market Weight" hoch.

Der Rückgang bei den US-Verteidigungsausgaben hat nach Ansicht der Analysten schon fast den Boden erreicht. Zudem habe sich die Haushaltslage verglichen mit den vergangenen Jahren etwas stabilisiert. RBC erhöht daher durchweg die Kursziele im Sektor. Sie stuft überdies CACI und L-3 auf "Sector Perform" hoch. BAE Systems werden sogar auf "Outperform" erhöht. Im US-Fiskaljahr 2017/2018 dürfte der Verteidigungshaushalt leicht aufgestockt werden und in den Jahren danach jeweils um 2 Prozent steigen, prognostiziert die Bank.

Quelle: ntv.de, mmo/jwu/DJ/rts