Wirtschaft
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Dienstag, 19. Juni 2018

Tesla stürzen tief: Zoll-Eskalation belastet Wall Street

Langsam realisieren die Anleger, wie groß die Gefahr ist, die vom Zollstreit für die Weltwirtschaft ausgeht. Trumps jüngste Drohung schickt die Aktienmärkte auf Talfahrt. Darüberhinaus macht den Tesla-Aktionären noch ein anderes Problem Sorgen.

Die Eskalation im amerikanisch-chinesischen Zollstreit hat auch die New Yorker Börsen auf Tauchstation geschickt. Den Anlegern werde immer klarer, dass ihnen das Thema Handelskonflikt noch eine Weile erhalten bleibe, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Und dabei besteht die Gefahr, dass wir den Höhepunkt der verbalen Schlammschlacht zwischen den beteiligten Ländern noch nicht gesehen haben."

Der Dow Jones der Standardwerte gab 1,2 Prozent auf 24.700 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,4 Prozent auf 2762 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,3 Prozent auf 7725 Punkte. In Frankfurt war der Dax 1,2 Prozent tiefer bei 12.678 aus dem Handel gegangen.

Wenngleich bislang die Auswirkungen für die US-Konsumenten noch gedämpft seien, dürften die Unternehmen weltweit die Folgen der gegenseitigen Strafzölle zu spüren bekommen, meinte Paul Donovan, Chefvolkswirt bei UBS Global Wealth Management. "Nicht-chinesische Unternehmen, auch US-Unternehmen, werden sehr wahrscheinlich auch von Steuern auf chinesische Produkte betroffen sein wegen der Komplexität der modernen Zulieferketten", ergänzte er.

Die Preise für Sojabohnen knickten phasenweise um rund 6 Prozent ein auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren und auch die Preise anderer landwirtschaftlicher Güter wie Weizen sanken. Im späten Verlauf holten sie aber einen Großteil der Verluste wieder auf. Marktteilnehmer sprachen von einem breiten Ausverkauf bei Rohstoffen. Strafzölle auf US-Produkte wie Sojabohnen hätten die Chinesen zwar schon länger ins Spiel gebracht, doch weil die Hoffnungen auf eine Beilegung des Streits nun immer mehr schwänden, kämen die Preise der betroffenen Produkte wieder unter Druck. 

Auto-, Industriegüter- und Transportaktien klare Tagesverlierer

Am stärksten verkauft wurden Aktien von Unternehmen, die mutmaßlich am stärksten unter strafferen Handelsbedingungen zu leiden hätten. Dazu gehörten im Dow Schwergewichte wie Boeing, Caterpillar und 3M. Sie verloren bis zu 3,8 Prozent, was sich auch im stärkeren Minus des Dow im Vergleich zu den anderen Indizes niederschlug.

Besser als der breite Markt hielten sich Aktien von weniger zyklischen und stärker binnenmarktabhängigen Unternehmen, beispielsweise von Massenkonsumgüterherstellern wie Church & Dwight, Kimberly-Clark und Colgate-Palmolive oder auch Philip Morris. Sie gewannen zwischen 1,0 und 2,3 Prozent. Auch Versorgertitel und Papiere von Immobilienunternehmen schnitten besser ab als der breite Markt. Ganz am Ende rangierte der Index der Autowerte im S&P-500. Er verlor 2,3 Prozent, ebenso wie der Subindex der Investitionsgüter. Transportaktien verloren im Schnitt 2,0 Prozent.

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Apple gaben 1,6 Prozent ab. Die iPhones des Konzerns sollen von den jüngsten Strafzöllen von US-Präsident Donald Trump gegen China zwar ausgenommen werden, wie die New York Times berichtete. Allerdings gibt es dafür keine offizielle Bestätigung, weshalb Anleger skeptisch blieben. Netflix zogen gegen den schwächeren Gesamtmarkt um 3,7 Prozent an und schlossen erstmals über 400 Dollar. Für Käufe sorgten hier gleich drei Kurszielerhöhungen, wobei alle drei Analysten die Aktie zum Kauf empfehlen.

Tesla verbilligten sich um 4,9 Prozent. CEO Elon Musk sprach laut einem Bericht von einem Sabotageversuch eines Mitarbeiters. Das Unternehmen hinkt seit einiger Zeit den eigenen Produktionszielen hinterher. Foundation Medicine haussierten um 28,4 Prozent, weil Roche den Genomdatenspezialisten nun komplett übernehmen will und dafür ein entsprechendes Angebot gemacht hat. 

Anleger steuern sichere Häfen an

Von der Flucht aus Aktien profitierte der Rentenmarkt, wo die Notierungen anzogen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verlor rund 3 Basispunkte auf 2,89 Prozent. Marktakteure warnten jedoch: Bislang handele es sich noch um einen reinen Handelskonflikt, die Gefahr bestehe aber, dass er auf den Finanzmarkt insgesamt überschwappe, sollte beispielsweise China auf die Idee kommen, einen Teil seiner massiven Bestände an US-Anleihen auf den Markt zu werfen.

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Das würde tendenziell die US-Renditen nach oben treiben und das in einer Zeit riesiger US-Haushaltsdefizite. China hält schätzungsweise 30 Prozent aller von Ausländern gehaltenen US-Anleihen. Hinzu kämen noch massenweise Anleihebestände von anderen US-Emittenten, so Marshall Gittler, Chefstratege von ACLS Global. Die Analysten der Societe Generale halten das aber insofern für problematisch, als es für China dann schwer werden würde, die frei werdenden Anlagen international zu streuen.

Am Devisenmarkt war die vermeintliche Sicherheit von japanischem Yen und schweizerischem Franken gesucht. Der Dollar stand übergeordnet aber nicht unter Druck, der ICE-Dollarindex legte um 0,3 Prozent zu. Weil die US-Wirtschaft ohnehin schon auf vollen Touren fahre, dürften Importzölle sehr schnell auf die Inflation durchschlagen und die US-Notenbank zu einem möglicherweise aggressiveren Zinserhöhungszyklus zwingen, so die Marktspekulation. Das würde den Dollar dann wieder stützen.

Anteil an der Dollarstärke hatte der Euro, der auf zuletzt 1,1580 Dollar fiel nach 1,1621 am Vorabend. Die Gemeinschaftswährung reagierte auf Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi, wonach die Unsicherheit über die Wachstumsperspektiven im Euroraum wieder zugenommen hätten. Gleichzeitig kündigte Draghi an, die EZB werde sich in Geduld üben, was den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung angehe. Zudem wurden die Wachstumsprognosen von Wirtschaftsforschern für das wichtigste EU-Land Deutschland teilweise deutlich gesenkt.

Rohstoffe werden billiger

Gold geriet wegen des Handelsstreits wieder in den Abwärtsstrudel sinkender Preise bei Industriemetallen, die Feinunze verbilligte sich um knapp 4 Dollar auf 1.275.

Ähnlich sah es beim Öl aus. Allerdings waren die Ölpreise am Vortag auch sehr stark gestiegen. Im Blick dort stand übergeordnet die Sitzung des Erdölkartells Opec am Freitag, auf der es um eine Fördererhöhung gehen soll. Der iranische Ölminister sagte im Vorfeld, er sei nicht für eine Ausweitung der Produktion. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich nach einer Erholung von den Tagestiefs um 1,1 Prozent auf 65,09 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 0,2 Prozent auf 75,16 Dollar.

Quelle: n-tv.de