Wirtschaft

Experte analysiertSpritpreise ziehen "zu stark und zu früh an"

01.07.2026, 15:29 Uhr IMG_4708Von Juliane Kipper
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Bis sich die Preise an den Zapfsäulen wieder normalisieren, wird laut dem IW-Ökonomen Puls noch einige Zeit vergehen.

Die steuerliche Schonfrist an den Zapfsäulen ist vorbei. Zur Mittagszeit steigen die Preise stark. Ist der aktuelle Sprung gerechtfertigt? IW-Ökonom Puls hat seine Zweifel.

Nach dem Ende des Tankrabatts in Höhe von 16,7 Cent gilt an deutschen Tankstellen seit Mitternacht wieder der reguläre Steuersatz. Wegen der sogenannten 12-Uhr-Regel wurde dieser an den Zapfsäulen allerdings erst ab dem Mittag wirksam. Diese Regelung besagt, dass Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag – pünktlich um 12:00 Uhr – anheben dürfen. Nach ntv.de-Berechnungen zogen die Kraftstoffpreise kräftig an: Am Mittwochmorgen war Superbenzin (E10) bereits um 13 Cent teurer als noch am Dienstag, während Diesel mit rund 15 Cent noch stärker zulegte.

Gegen 12:15 Uhr kletterten die Preise für Diesel schließlich weiter auf 2,10 Euro und für Super auf 2,20 Euro pro Liter. Ob dieser mittägliche Preissprung gerechtfertigt war, lässt sich laut dem Ökonom Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erst anhand des Gesamttagesdurchschnitts abschließend beurteilen. "Momentan sieht es danach aus, dass die Preise bei Diesel um etwa 6 und bei Super um 9 Cent höher liegen werden, als es über die Weltmarktpreise erklärbar ist", sagte Puls auf Anfrage von ntv.de. Zudem verweist der Verkehrsexperte darauf, dass bereits die gestrige Preiserhöhung nicht zur Entwicklung am Weltmarkt gepasst habe.

Bereits am Dienstag hatten die Mineralölkonzerne die Preise massiv angehoben. Nach Einschätzung des ADAC wurde das Ende des Rabatts damit unzulässig vorweggenommen. Dieses Vorgehen sei fragwürdig, "denn noch befindet sich vielerorts günstiger versteuerter Kraftstoff in den Tanks der Tankstellen". Daher hätten die Preise nicht schon am letzten Junitag so deutlich steigen dürfen. Nun dürften die Preise nicht noch weiter angehoben werden, forderte der Verkehrsclub. Auch am Mittwochmorgen zeigten sich an vielen Tankstellen bereits deutlich höhere Preise als zuletzt – obwohl der Morgen im typischen Tagesverlauf eigentlich zu den günstigeren Zeiten gehört.

Puls vermutet hinter den frühen Erhöhungen vor allem die Erwartung der Konzerne, dass der Absatz zum Stichtag besonders hoch ausfallen würde. Allerdings gibt er auch zu bedenken: "Kraftstoff wird bei Entnahme aus dem Tanklager versteuert und nicht an der Zapfsäule." Alles, was bis zum Mittag noch verkauft wurde, fiele noch unter den Tankrabatt. In der Summe zeigt sich für Puls, dass die Preise nach der 12-Uhr-Regel im Vergleich zum Weltmarktpreis zu stark und zu früh gestiegen sind.

Bis sich die Preise an den Zapfsäulen wieder normalisieren, wird laut dem IW-Ökonomen Puls noch einige Zeit vergehen. Schließlich könnten nach wie vor nur wenige Tanker die Straße von Hormus passieren. Selbst wenn die Schiffe wieder im großen Stil fahren dürften, würde es vier bis sechs Wochen dauern, bis sie so positioniert sind, dass die eigentliche Lieferkette wieder reibungslos funktioniert. Zudem wurden relevante Teile der Raffinerien und Transportanlagen am Golf im Zuge der jüngsten Konflikte beschädigt.

Andererseits hätten Produzenten abseits des Persischen Golfs ihre Förderung ausgeweitet und vor dem Krieg habe es ein spürbares Überangebot von Rohöl gegeben. "Der Ölpreis könnte im Laufe des nächsten Jahres wieder in Richtung der Vorkriegspreise fallen", prognostiziert Puls.

Ein großer Unsicherheitsfaktor bleibt für den Verkehrsexperten jedoch die Nachfrageseite. Viele Staaten haben im großen Stil ihre strategischen Ölreserven freigegeben, die nach dem Ende der Kampfhandlungen wieder aufgefüllt werden müssen. "Mittelfristig halte ich beim Rohöl sogar eine regelrechte Angebotsschwemme für möglich", sagt Puls.

Der Tankrabatt galt vom 1. Mai bis 30. Juni. Der Staatskasse entgingen durch die Maßnahme früheren Schätzungen zufolge rund 1,6 Milliarden Euro an Steuereinnahmen.

Quelle: ntv.de

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