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Vom Telefonkabel zum Mega-Hype Fälschungen sind für Invisibobble ein Segen

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Sophie Trelles-Tvede mit dem Spiralhaargummi.

(Foto: Instagram Sophie_Invisibobble)

Als Sophie Trelles-Tvede sich vor neun Jahren für eine Campus-Party fertig macht, fehlt der damals 18-Jährigen nur noch das richtige Haarstyling. Kurzerhand greift sie sich ein altes Telefonkabel. Am nächsten Morgen stellt sie fest: Trotz Pferdeschwanz hat sie keine Kopfschmerzen und auch der sonst übliche Knick in den Haaren fehlt. Mit ihrem damaligen Freund Felix Haffe gründet sie daraufhin das Startup Invisibobble. Ihre spiralförmigen Haargummis werden zunächst über Friseursalons, danach auch in Drogerieketten vertrieben. Erst kürzlich hat das Startup seinen hundertmillionsten Spiralgummi verkauft. Dahinter steckt der Vertriebspartner New Flag GmbH, die neben den Spiralgummis auch die Makeup-Schwämmchen Beautyblender und die Haarbürsten Tangle Teezer vertreibt. Laut dem Branchenportal OMR setzt das Münchner Handelsunternehmen inzwischen insgesamt 50 Millionen Euro um.

ntv.de: Eigentlich wollten Sie eine klassische Bankkarriere einschlagen. Doch dann haben Sie während des Studiums die Spiralhaargummis erfunden. Haben Sie sofort an Ihre Idee geglaubt?

Sophie Trelles-Tvede: Innerlich schon, ja. Aber das Vertrauen in unsere Geschäftsidee ist mit der Zeit auch immer mehr gewachsen. An unser Konzept eines Haargummis, das keinen Abdruck hinterlässt und keine Kopfschmerzen verursacht, haben wir von Anfang an geglaubt. Nicht aber zwangsläufig daran, dass unser Unternehmen auch ein Erfolg wird.

Wie haben Ihre Kommilitonen und Professoren damals reagiert?

Unterschiedlich. Viele Kommilitonen fanden es schon cool, dass wir unser eigenes Unternehmen gegründet haben. Aber für mindestens vier, fünf Jahre hat uns eigentlich niemand wirklich ernst genommen. Meine Freunde haben mich noch lange dafür ausgelacht, dass ich im Unterricht Rechnungen geschrieben oder Konzepte für unseren Social-Media-Auftritt entwickelt habe. Einer der eindrücklichsten Momente war für mich aber kurz vor meinem Studienabschluss bei der Karriereberatung. Dort sagte man mir, man mache sich Sorgen um mich, weil mir noch niemand einen Job angeboten habe. Als ich erzählte, ich hätte bereits zu Beginn des Studiums mein eigenes Unternehmen gegründet, habe inzwischen sogar Angestellte und wolle nach dem Studium weiter daran arbeiten, damit Invisibobble erfolgreich werde, war das keine zufriedenstellende Antwort.

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Eigentlich wollten Sophie Trelles-Tvede eine klassische Bankkarriere einschlagen.

Als Sie Ihr Unternehmen gegründet haben, waren Sie gerade 18 Jahre alt. Gab es Momente, in denen Geschäftspartner Sie nicht ernst genommen haben?

Die Reaktionen der meisten Business-Partner waren positiv. Viele haben uns erzählt, was sie so gemacht haben, als sie so jung waren wie wir: Nämlich sich jeden Abend betrunken. Aber klar, wir sind auch mal nicht für voll genommen worden und potenzielle Partner wollten manchmal nicht mit uns reden, weil sie uns nicht für qualifiziert genug gehalten haben. Ein anderes Mal hat es ein potenzieller Partner auf einer Messe gar nicht erst für möglich gehalten, dass ich die Gründerin sein könnte und mir sofort entgegnet: Ich rede nicht mit einer Praktikantin.

Ohne Investorengelder und mit einem Startkapital von nur 4000 Euro ist Invisibobble von Anfang an profitabel gewesen. Was machen Sie anders als die Konkurrenz?

Startups geben oft sehr viel Geld für Personal aus und mieten besonders schicke Büros in Toplagen an. Meiner Meinung nach ist das total überflüssig. Am Anfang haben wir die Philosophie verfolgt: Wir machen alles, was wir können. Und solange selber, wie es geht. Wir haben wie verrückt gearbeitet, bis es wirklich nicht mehr ging. Wir haben uns immer gefragt: Ist diese Anschaffung wirklich nötig? Wenn man jede einzelne Investition ständig hinterfragt, zahlt sich das am Ende aus. Für uns ging es eben von Anfang eher um Profitabilität als das nächste große Investment.

Wie ist es Invisibobble gelungen, ein neues Produkt in einem bestehenden Markt zu etablieren?

Man kann entweder versuchen, in einem Markt mit bereits etablierten Marken zu konkurrieren oder man hat eine komplett neue Idee. Das Schöne an der letzten Variante: Man muss sich mit niemandem vergleichen. Es geht vielmehr darum, dass potenzielle Kunden verstehen, was der Vorteil an dem neuen Produkt ist. Für uns war am Anfang besonders die Unterstützung von Friseuren extrem wichtig. Wir wollten, dass sie unser Produkt lieben und uns Feedback geben. Wir haben deswegen ein Jahr lang mit Friseuren zusammengearbeitet, um unsere Haargummis so gut wie möglich zu machen. Damit haben wir viel Vertrauen gewonnen und mussten die ersten fünf Jahre gar kein Geld für Werbung ausgeben.

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Inzwischen gibt es viele Fälschungen und Trittbrettfahrer. Fluch oder Segen?

Am Anfang haben wir es für einen Fluch gehalten. Doch dann haben wir ziemlich schnell gemerkt, dass es eher ein Segen ist. Das Schlimmste, was einem neuen Produkt passieren kann, ist, dass es die Kunden nur für einen Trend halten. Schließlich will man sein Produkt etablieren. Was uns jetzt wichtig ist: Wir wollen Marktführer sein und unsere Kunden sollen verstehen, dass wir das Original sind. Alles andere ist uns egal.

Haben Sie schon mal über einen Exit nachgedacht?

Das ist eine schwierige Frage. Aber die Antwort ist: nein. Invisibobble und ich sind so eng miteinander verknüpft. Und die Marke hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.

Ihr Unternehmen produziert vorwiegend in China. Warum?

Wir haben viel Zeit mit der Suche nach geeigneten Produktionsstätten verbracht. Idealerweise wollten wir natürlich in Deutschland produzieren, aber davon sind wir immer mehr abgekommen. Am Ende haben wir uns von unserer Wunschvorstellung weit entfernt. Einerseits ist die Produktion in China natürlich günstiger. Andererseits haben wir uns aber auch wegen der Fachkenntnisse für China entschieden. Viele unserer Invisibobble-Produkte entstehen in Handarbeit und die Qualität der Produkte, die in Deutschland oder Europa hergestellt werden, ist einfach nicht so gut wie in China. Außerdem sind Fabriken in China viel flexibler, wenn sich spontan etwas ändert. Diese Art der Flexibilität ist für uns unverzichtbar, denn wir bringen regelmäßig auch Sondereditionen raus.

Invisibobble springt schnell auf Trends auf. Inzwischen achten immer mehr Verbraucher auf einen nachhaltigen Konsum. Trotzdem sind die Spiralhaargummis aus Plastik. Ist Ihnen Nachhaltigkeit nicht wichtig?

Sicher, unser Produkt ist aus Plastik. Allerdings produzieren wir gleichzeitig das einzige Haar-Accessoire in der Welt, das man vollständig recyceln kann. Ein normales Haargummi besteht in der Regel aus Gummi und Metall. Das ist der Antichrist des Recyclings. Auch eine Haarspange aus Metall ist superschwer zu recyceln. Gerade, wenn sie auch noch gefärbt ist. Das Schöne an unserem Produkt ist: Die Herstellung ist so simpel, dass unser Produkt komplett recycelbar ist. Unsere Verpackung besteht übrigens schon zum Großteil aus recyceltem Plastik. Mit den Haargummis selbst ist es leider noch etwas schwieriger.

Mit Sophie Trelles-Tvede sprach Juliane Kipper

Quelle: ntv.de