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Männerdomäne Startup-Szene? "Geldgebern ist es egal, ob du eine Frau bist"

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Normalität sind weibliche Gründerinnen auch heute noch nicht.

(Foto: imago/PhotoAlto)

Vor fünf Jahren gründet Lea Lange gemeinsam mit zwei Kollegen das Kunst-Startup Juniqe. Wie es ist, als Frau ein Unternehmen zu gründen, erzählt die 31-Jährige im Interview mit n-tv.de. Ohnehin komme es auf ganz andere Dinge an.

n-tv.de: Weibliche Gründerinnen sind zwar nicht mehr die Ausnahme. Aber auch noch lange keine Normalität. Nur in rund jedem vierten Startup gehören Frauen zum Gründungsteam. Woran liegt das?

Lea Lange: Das stimmt zwar. Aber die Zahlen zeigen auch: In den letzten Jahren hat sich schon einiges getan. Ich arbeite jetzt seit mehr als sieben Jahren in der Startup-Szene. Als ich damals angefangen habe, gab es nur vereinzelt Frauen. Das Frauen seltener gründen, liegt vielleicht daran, dass sie nicht so risikofreudig sind oder sich anfangs weniger zutrauen als ihre männlichen Kollegen. Gleichzeitig sind natürlich weibliche Vorbilder wichtig, die schon gegründet haben und an denen man sich orientieren kann.

Fehlt es der Startup-Branche an weiblichen Vorbildern?

Zum Teil schon. Als weibliche Gründerin treiben einen ganz besondere Fragen um. Sich mit Frauen zusammen zu tun und die Geschichten von anderen Gründerinnen zu hören, die diesen Weg schon gegangen sind, ist sehr hilfreich. Frauen untereinander inspirieren sich ganz anders, weil sie sich einander viel näher fühlen.

Gerade deswegen gibt es sehr viele Veranstaltungen, die sich ausschließlich an weibliche Gründerinnen richten. Ist das nicht kontraproduktiv?

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Grundsätzlich finde ich die Idee, weibliche Gründerinnen eine Bühne zu geben und anderen Frauen die Möglichkeit zu geben, sich mit ihren Geschichten zu identifizieren, gut. Zusätzlich würde ich mir aber grundsätzlich mehr weibliche Gründerinnen auf den relevanten Konferenzen wünschen.

Fehlt es Frauen an unternehmerischen Geist?

Ob man Unternehmergeist hat oder nicht ist eher eine Frage der Persönlichkeit als des Geschlechts. Allerdings denke ich, dass sich weibliche Gründerinnen aus meiner Erfahrung am Anfang viel mehr Gedanken und Sorgen machen.

Was treibt Frauen an, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Mich treibt genau das gleiche an wie meine männlichen Mitgründer. Mir macht es Spaß, etwas aufzubauen und wichtige Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen, um das Beste für unser Unternehmen zu erreichen.

Auf welche Hindernisse stoßen weibliche Gründerinnen?

In den letzten Jahren wurde es immer positiv aufgenommen, dass ich als Frau zum Gründerteam gehöre. Ich kann mich an keinen Moment erinnern, in dem ich mich benachteiligt gefühlt habe.

Wie steht es um die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in der Startup-Szene?

Klar, es gründen immer noch viel mehr Männer als Frauen. Aber in der Startup-Szene geht es insgesamt weniger ums Geschlecht, als allgemein um Performance, wie agil man ist und ob man die richtigen Entscheidungen trifft.

Wie leicht lässt sich Familienplanung und Karriere in der Startup-Szene miteinander verbinden?

Gründerinnen eines eigenen Unternehmens sind in der komfortablen Situation, dass sie sich ihre Arbeitszeit selber einteilen und Strukturen so schaffen können, dass das funktioniert. Das sehe ich schon als Vorteil. Aber natürlich kennt eine eigene Gründung noch weniger geregelte Arbeitszeiten. Auch in der Startup-Szenen ist die Familiengründung deswegen schon eine besondere Herausforderung.

Könnten Förderprogramme, die sich speziell an Frauen richten, weibliche Gründerinnen ermutigen, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen?

Das ist sicherlich eine gute Idee. Aber ich glaube nicht, dass Förderungen jetzt der Hebel sind, der dafür sorgt, dass sich die Zahl der Gründerinnen plötzlich verdreifacht. Der fehlende Zugang zu Kapital, ist nicht der Hauptgrund, warum Frauen nicht gründen. Auch Venture Capitalists, also die Geldgeber, haben ein Interesse daran, in weibliche Gründerinnen zu investieren. Einige Frauen bauen ihre Unternehmen nämlich nachhaltiger auf als ihre männlichen Kollegen und gucken nicht nur auf Wachstum, sondern auch darauf, dass es relativ früh profitabel wird. Am Ende ist es einem VC aber egal, ob du ein Mann oder eine Frau bist. Sie interessieren sich eher für den Businessplan und die Zahlen.

Mit Lea Lange sprach Juliane Kipper

Quelle: n-tv.de