Startup

Bits & Pretzels in München Was Gründer von Obama lernen können

Nach Kevin Spacey und Jan Böhmermann eröffnet niemand Geringeres als der ehemalige US-Präsident Barack Obama die diesjährige Gründer-Konferenz Bits & Pretzels in München. Im Interview mit n-tv.de erzählen die Initiatoren des Startup-Treffs, warum die Wahl auf ihn gefallen ist, wie sie hochkarätige Redner aus dem Silicon Valley anlocken und welche Verantwortung junge Unternehmen heutzutage haben.

n-tv.de: Warum passen das Oktoberfest in München und Startups so gut zusammen? Die Gründer-Szene spielt sich ja eigentlich mehr in Berlin als in der bayrischen Landeshauptstadt ab.

Bernd Storm van's Gravesande: Die Wahrnehmung, dass es nur in Berlin eine Startup-Kultur gibt, ist längst veraltet. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das geändert. Berlin ist eine tolle Gründerstadt. München bietet jungen Unternehmern aber andere Vorteile. Die Stadt war schon immer ein führender Hightech-Standort in Europa. Auch junge Unternehmer gibt es hier nicht erst seit gestern. Der einzige Unterschied: Erst jetzt spricht man auch darüber.

Teamportraits2019_1194.png

Die Gründer gehen mit gutem Beispiel voran: Auf der Bits & Pretzels ist Tracht zwar nicht Pflicht, aber gern gesehen.

Wie locken Sie Unternehmer aus dem Silicon Valley auf die Bits & Pretzels? Die Redner-Liste ist hochkarätig und international.

Felix Haas: In den ersten Jahren hat das Oktoberfest selbst stark gezogen. Wenn man einen US-Milliardär im Silicon Valley trifft und ihm von Lederhosen und dem größten Volksfest der Welt erzählt, werden die Augen groß. Ein Barack Obama kommt deshalb aber natürlich nicht auf eine neue Veranstaltung. Wir haben uns aber Schritt für Schritt einen guten Ruf erarbeitet. Wir bieten unseren Rednern nicht nur eine Bühne, sondern vor allem auch ein Erlebnis.

Geld bekommen die Redner für ihre Vorträge nicht?

Bernd Storm van's Gravesande: Wir bezahlen unseren Redner grundsätzlich keine Gagen - mit einer oder zwei Ausnahmen in den vergangenen Jahren.

Die bayrische Tradition wird auf der Veranstaltung hochgehalten. Gibt es eigentlich einen Trachten-Dresscode?

Andreas Bruckschlögl: Wir bitten die Redner, in Tracht zu kommen. 95 Prozent halten sich daran. Auch Obama werden wir eine Tracht auf sein Hotelzimmer legen.

Glaube Sie, dass er in Lederhosen auftreten wird?

Felix Haas: Lassen wir uns überraschen!

Was können Gründer von dem ehemaligen Präsidenten lernen?

Andreas Bruckschlögl: Uns geht es um die Motivation, die Barack Obama versprüht und die auf unsere Konferenz-Teilnehmer abfärben wird. Er steht nicht nur für den Wandel innerhalb der Gesellschaft, den er als US-Präsident beworben hat, sondern auch den, den er nach seinen Amtszeiten mit seiner Stiftung geschaffen hat. Ein Wandel kommt nie von allein, sondern zu dem muss jeder seinen Teil beitragen. Und diese Fähigkeit verkörpert kaum jemand so sehr wie er.

Die Konferenz hat dieses Jahr den Schwerpunkt "Impact". Welche Verantwortung haben Startups?

Felix Haas: Aus unserer Sicht ist Unternehmertum - und besonders technologisches Unternehmertum - einer der wichtigsten Hebel, um einen positiven Beitrag für die Zukunft zu leisten. Klar gibt es auch berechtigte Einwände über den Einfluss von großen Tech-Unternehmen wie Facebook oder Google. Wir glauben aber, dass Technologie überwiegend einen sehr positiven Einfluss hat.

Lohnt sich Nachhaltigkeit für Startups?

Bernd Storm van's Gravesande: Ich glaube, nachhaltige Startups können schneller wachsen als konventionelle. Wenn wir uns das Label "Bio" anschauen, sehen wir, dass selbst bei den Discountern die Bio-Theke immer größer wird. Der Markt verfügt über ein unglaublich großes Potenzial. Unsere Definition von "Impact" ist weit gefächert. Für uns verbirgt sich dahinter: Tech for Good. Wir sehen besonders in kritisch beäugten neuen Technologien nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen. Ich möchte aber erwähnen, dass wir keine Greentech-Konferenz sind. Den Anspruch haben wir auch gar nicht. Um bestehen zu können, ist Nachhaltigkeit allerdings für Startups der einzig logische Weg.

Nachhaltig zu sein, versuchen inzwischen viele. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Was kommt als Nächstes?

Andreas Bruckschlögl: Es ist doch großartig, wenn Nachhaltigkeit kein Alleinstellungsmerkmal mehr ist. Genau darum geht es ja. Wenn viele ihren Teil dazu beitragen, dann zeigt dieser Wandel Wirkung. Nachhaltigkeit sollte kein Modewort sein, mit dem man versucht sich zu schmücken, sondern eine Verpflichtung, der man als Unternehmer, Unternehmen oder eben Festival nachkommen sollte. In dieser Hinsicht wollen wir unserer Pflicht nachkommen. Für uns gehört Unternehmertum zu einem der wichtigsten konstruktiven Elemente, mit dem wir eine bessere Zukunft für Deutschland und Europa bauen können. Was als Nächstes kommt, wissen wir noch nicht.

Jessica Alba wird die Konferenz beenden. Inwiefern kann sie Gründerinnen und Gründern als Vorbild dienen?

Bernd Storm van's Gravesande: Jessica Alba ist der Prototyp eines Vorbilds. Sie ist nicht nur eine gute Schauspielerin, sondern auch eine erfolgreiche Gründerin. Sie hat es mit ihrer Firma Honest geschafft etwas zu gründen, hinter dem sie vollkommen steht. Die Konferenz-Teilnehmer können von ihr lernen, wie man persönliche Werte konsequent umsetzt.

Mit Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm van's Gravesande und Felix Haas sprach Juliane Kipper

Gründer, Investoren und Startup-Enthusiasten: Auch dieses Jahr ist n-tv auf der Bits & Pretzels wieder als Medienpartner mit dabei und berichtet live und in den Startup News aus München. Hier trifft sich zwischen dem 29. September und 1. Oktober die internationale Gründer-Szene zum Austausch. Zwischen Messe und Wiesn werden auf Deutschlands größter Startup-Konferenz Kontakte geknüpft und die Ideen der Zukunft geboren.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema