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Bei solchem Wetter macht Spazierengehen gar keinen Spaß.
Bei solchem Wetter macht Spazierengehen gar keinen Spaß.(Foto: imago/Ralph Peters)
Dienstag, 06. Juni 2017

Frage & Antwort, Nr. 485: Ist am Wochenende öfter schlechtes Wetter?

Von Jana Zeh

Wochenende und Sonnenschein - von wegen. Muss man zur Arbeit, scheint die Sonne. Hat man am Wochenende frei und Pläne, schüttet es wie aus Eimern. Ist das Wetter an den Wochenenden tatsächlich öfter schlecht oder ist das alles nur Einbildung?

Bisher gibt es nur vereinzelte wissenschaftliche Untersuchungen dazu. Also fragen wir jemanden, der sich damit auskennt: "Der wesentlich Faktor dafür, dass es regnet oder nicht oder eben die Sonne scheint, ist die Großwetterlage", erklärt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Solche Großwetterlagen beeinflussen das Wetter bei Weitem mehr als beispielsweise die Feinpartikelbelastung in der Luft, die zwei Meteorologen der Universität Karlsruhe in ihrer 2007 veröffentlichten Untersuchung als Grund für schlechtes Wochenendwetter angegeben hatten.

Am Wochenanfang ist es am sonnigsten, zum Wochenende hin ziehen mehr Wolken auf, so das Fazit der beiden, die die Daten von zwölf Wetterstationen in Deutschland von 1991 bis 2005 ausgewertet hatten. Die Meteorologen legten mit ihrer Studie dar, dass die Temperaturen in der ersten Wochenhälfte anstiegen und dann bis Samstag sanken. Diese Temperaturunterschiede wurden mit der Dauer des Sonnenscheins erklärt. Demnach schien dienstags die Sonne durchschnittlich 15 Minuten länger als samstags. Das führte dazu, dass in der zweiten Wochenhälfte mehr Wolken aufzogen und somit auch mehr Niederschlag fiel. Den Forschern zufolge ist Montag der trockenste Wochentag. Samstag dagegen regnet es nicht nur am häufigsten, sondern auch am stärksten. So eine kurze Zusammenfassung der Auswertung der Daten.

Selbst dran schuld?

Der festgestellte Wetterverlauf könnte menschgemacht sein, mutmaßen die Forscher. Sogenannte Aerosole, also Schwebeteilchen in der Luft, die von Autos, Kraftwerken und Fabriken ausgestoßen werden, könnten das Wetter direkt beeinflussen. Diese Teilchen reflektieren zum einen das Sonnenlicht und sind zum anderen an der Wolkenbildung beteiligt. Ihren Ergebnissen folgend, werden am Wochenende weniger Aerosole in die Luft gebracht, so dass es zu einem gewissen Erholungseffekt in der Luft kommt, der wiederum für sonnigeres Montagswetter verantwortlich ist. Ob diese These stimmt und welche Aerosole das Wetter wie beeinflussen können, wollten die beiden Meteorologen in weiteren Studien untersuchen.

Bereits ein Jahr später hält ein Züricher Forscher massiv dagegen. Die Studienergebnisse hielten einer statistischen Kontrolle nicht stand, so sein vernichtendes Statement. Die Zusammenhänge seien keine und das schlechte Wochenendwetter beruhe lediglich auf einem Zufall. Es sei möglich, dass sich schlechtes Wochenend-Wetter per Zufall auch über einen Zeitraum von 15 Jahren, den Zeitraum, den die Karlsruher Forscher untersucht hatten, einstellt.

"Es könnte statistisch gesehen also durchaus sein, dass es in den vergangenen Jahren an Wochenenden öfter kälter und regnerischer war als an Wochentagen - das ist dann aber eher Zufall als das Ergebnis menschgemachten Partikelanstiegs", ist sich auch auch n-tv Meteorologe Alexander sich. Das Wetter werde schließlich von wesentlich mehr Faktoren als von Aerosolen bestimmt, so der Experte weiter.

Die Wahrnehmung vom schlechteren Wetter am Wochenende ist womöglich nicht nur dem Zufall sondern auch einer gewissen Fokussierung des arbeitenden Menschen geschuldet. Ob die Sonne scheint oder nicht, ob es trocken ist oder regnet, ist in der Freizeit einfach wichtiger als in der Zeit, in der man am Arbeitsplatz ist.

Übrigens: Dieser Text war schon seit mehreren Wochen fertig geschrieben, musste aber immer wieder geschoben werden, weil das Wetter am Wochenende einfach nicht schlecht war.

Quelle: n-tv.de