Frage & Antwort

Disneys Bambi ist kein Kitz Ist ein männliches Reh auch ein Hirsch?

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Reh oder Hirsch? Der Rehbock trägt ein kleines Gehörn auf dem Kopf.

(Foto: imago/BIA)

"Guck mal, Rehe!" rufen Kinder oftmals aus, wenn sie vor allem im Winter auf Freiflächen Wildtiere sehen. Ob es sich bei den Tieren um Rehe oder Hirsche handelt, wissen jedoch auch nur wenige Erwachsene genau. Walt Disneys "Bambi" soll schuld daran sein.

Hierzulande gibt es große Unsicherheiten, wenn es um die Unterscheidung zwischen Rehen und Hirschen geht. Als Begründung dafür wird immer wieder Walt Disneys Zeichentrickfilm "Bambi" herangezogen. Bei der Umsetzung der Geschichte eines jungen Rehs stützte sich Disney auf das Buch des österreichischen Autors Felix Salten. Der veröffentlichte bereits 1923 seinen Roman "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde". Der Roman des passionierten Jägers wurde zum Bestseller und eroberte übersetzt ins Englische einige Jahre später sogar den US-amerikanischen Buchmarkt. Die Übersetzer und Zeichner machten jedoch, weil es in den USA keine Rehe gab, aus dem jungen Rehkitz einfach einen jungen Weißwedelhirsch.  

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Bambi und Klopfer im Zeichentrickfilm von Walt Disney.

(Foto: imago/ZUMA Press)

So weit, so gut. Als jedoch in den 1950er-Jahren die Disney-Verfilmung von "Bambi" aus den USA in die Kinos nach Deutschland kam, wurde ein entscheidender Fehler gemacht. Bei der Synchronisierung des Zeichentrickfilms wurde "Bambi" wieder als Rehkitz bezeichnet, obwohl er als Hirschkalb dargestellt wird. Bambis Vater hingegen blieb jedoch ein stolzer Weißwedelhirsch - und auch Bambi wuchs als Comicfigur zu einem solchen heran. Was biologisch unmöglich ist, könnte dazu geführt haben, dass viele Deutsche heute Rehe und Hirsche nicht voneinander unterscheiden können und manchmal sogar gedacht wird, ein Reh sei ein weibliches Hirsch.

Dabei handelt es sich bei Rehen und Hirschen um zwei verschiedene Arten, die zwar beide zur Familie der Hirsche gezählt werden, sich allerdings in Lebensweise, Herkunft und Aussehen prägnant unterscheiden. Rehe sind in Europa die am häufigsten vorkommende und kleinste Art der Hirsche. Sie gelten als wahre Anpassungskünstler. Sie leben seit rund 25 Millionen Jahren auf der Erde. Die scheuen Wildtiere bevorzugten als Lebensraum ursprünglich die Randzonen von Wäldern und Gebüschen. Mittlerweile kommen sie aber in allen Wäldern Europas und sogar auf offenem Feld vor.

Zierlicher Einzelgänger und Elch-Verwandter

Capreolus capreolus, so der lateinische Name, geht vor allem als Einzelgänger durchs Leben, außer zur Paarungs- und Winterzeit. Dann suchen die Wildtiere, die den sogenannten Trughirschen zugeordnet werden, zur Paarung oder zum Schutz nach Artgenossen. Die schlanken und schmalen Körper der Tiere sind perfekt an eine schnelle Flucht ins dichte Unterholz oder ins hohe Gras angepasst. Der nächste Verwandte der Rehe ist der Elch. Das männliche Tier wird als Rehbock, das weibliche als Ricke und die Nachkommen bis zu einem Alter von einem Jahr werden als Rehkitze bezeichnet. Die Rehböcke haben kleine Gehörne auf dem Kopf.

Demgegenüber stehen die "Echten Hirsche". Zu ihnen gehören hierzulande Rot- und Damwild. Ein männlicher Hirsch wird bis zu zehn Mal so schwer wie ein Reh und etwa doppelt so groß. Die älteren Tiere tragen große und schwere Geweihe. Und im Gegensatz zu Rehen leben die Hirsche in Herden, allerdings geschlechtergetrennt. Die Hirschkühe bilden zusammen mit ihren Kälbern eine Gemeinschaft, die Hirsche eine andere - allerdings nur bis zu Brunftzeit. Dann werden Kämpfe untereinander ausgetragen, denn nur der Platzhirsch hat als stärkstes Tier das Recht, die Hirschkühe zu begatten.

Übrigens: Wildtiere sollten wie Wildtiere behandelt werden, auch die süßen Rehkitze. Die Tiere, die im Mai und Juni das Licht der Welt erblicken, sind durch ihre Fellfärbung perfekt getarnt. Zudem haben sie keinen Eigengeruch, so dass sie von Feinden über den Geruch nicht aufgespürt werden.

Man sollte jedes Wildtier nur anfassen, wenn es wirklich nötig ist, zum Beispiel, um es aus einer Gefahrenzone zu bringen. Danach kann es mit etwas frischem Gras wieder abgerieben werden. Ist man unsicher, wie man sich verhalten soll, sollte man zuerst Kontakt zum Revierförster aufnehmen.

Quelle: n-tv.de

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