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Frage & Antwort, Nr. 492 Kann Käse wirklich den Magen schließen?

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Auch wenn Käse nicht den Magen schließen kann, kann er doch manche Menschen fröhlich machen.

picture alliance / Harald Tittel

Suppe, Hauptgericht, Süßspeise: Die Reihenfolge von Menüs scheint festgelegt zu sein. Doch nicht jeder mag etwas Süßes am Schluss. Käse dagegen scheint eine echte Alternative zu sein. Aber ist das Milchprodukt mehr als deftiger Dessertersatz?

Die allseits bekannte Redewendung "Käse schließt den Magen" wird dem römischen Gelehrten Plinius zugeschrieben. Dieser soll bereits vor 2000 Jahren am Ende jeder Mahlzeit Käse gegessen haben. Was er jedoch genau mit seinem Ausspruch meinte, kann nur gemutmaßt werden. Wahrscheinlich ist, dass Plinius das Gefühl hatte, dass der Käse am Ende jeder Mahlzeit seine Verdauung unterstützte. Und das ist durchaus möglich, denn Käsesorten, die viel Fett und Eiweiß enthalten, werden langsamer verdaut als Nahrungsmittel, die vor allem Kohlenhydrate oder Zucker enthalten  – und das schien Plinius gut zu bekommen.

"Die Vorstellung, dass Käse den Aus- oder Eingang des Magens wie ein Stöpsel verschließt, ist allerdings falsch", betont Autor und Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. "Der Spruch basiert vielmehr darauf, dass Käse als krönender Abschluss einer vollständigen Mahlzeit erst so richtig satt macht", so der Experte weiter. Die Annahme, dass eine bestimmte Reihenfolge verschiedener Nahrungsmittel während einer Mahlzeit Auswirkungen auf die Verdauung, die Kalorienaufnahme im Körper oder wiederaufkommendes Hungergefühl hat, konnte bisher wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

Satt ist satt

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Lecker!

(Foto: picture alliance / dpa)

Käse, der am Anfang oder direkt während einer Mahlzeit gegessen wird, hinterlässt auch nicht zwangsläufig ein Sättigungsgefühl. "Wenn man richtig Hunger hat und dann eine Pizza mit viel Käse isst oder Pasta mit Parmesan oder auch einfach nur banales Käsebrot - da schließt sich nichts, ganz im Gegenteil, mit jedem leckeren Bissen Käsebrot, Cheesepizza oder Parmesan-Pasta öffnen sich Mund und Magen des hungrigen Essers weiter und weiter und zwar so lange, bis man richtig satt ist" erklärt Knop. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem sich der Magen schließt beziehungsweise voll ist. Der Körper lehnt dann weitere Nahrung ab. Selbst das leckerste Essen schmeckt nicht mehr, wenn die persönliche Sättigungsschwelle erreicht ist. Und auch für diesen Zustand gibt es eine Volksweisheit: "Ist die Maus satt, schmeckt das Mehl bitter".

Wer also nur wegen der geläufigen Redewendung zum Käse greift, der könnte das in Zukunft sein lassen – und spart gleichzeitig noch Energie. Wer dennoch Käse einem süßen Dessert als Mahlzeitabschluss vorzieht, der sollte auch weiterhin dabei bleiben, denn einen Vorteil hat der Käse am Schluss: Er enthält mehr Kalzium als viele andere Nahrungsmittel. Da Käse lange an den Zähnen kleben bleibt, werden diese mit einer kalziumhaltigen Schicht überzogen, die vor schädigenden Säuren schützt. So wird der Zahnschmelz gestärkt. Das tägliche Zähneputzen kann Käse jedoch auch nicht ersetzen.

Übrigens: Als Beispiel für bestimmte Essensreihenfolgen könnte auch die sogenannte Trennkost herangezogen werden, die in den 1990er-Jahren als beliebte Diät zum Abnehmen regen Zulauf hatte. Dabei sollten eiweiß- und kohlenhydratreiche Nahrungsmittel nie gleichzeitig bei einer Mahlzeit gegessen werden. Die versprochenen Auswirkungen, wie beispielsweise Gewichtsabnahme, konnten wissenschaftlich auch nicht bestätigt werden. 

Quelle: n-tv.de

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