Frage & Antwort

Verlorener Geruchssinn Kann die Nase blind werden?

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Egal ob jung oder alt: Duftblind kann jeder werden.

(Foto: imago/Westend61)

Es gibt Menschen deren Sinne beeinträchtigt sind. Sie können nicht hören, nicht sehen oder keine Temperaturen wahrnehmen. Aber gibt es auch Menschen, die nichts riechen können?

Manche Dinge riechen wir gerne: Dazu gehört der Duft von aufgebrühtem Kaffee und frisch gebackenen Brötchen. Es gibt Gerüche, mit denen wir bestimmte Ereignisse verbinden, zum Beispiel erinnert uns der Geruch von gemähten Wiesen und Sonnenmilch an den Sommer. Und es gibt Gerüche, vor denen wir uns ekeln: Dazu gehören beißender Uringestank in öffentlichen Toiletten oder der Geruch von Schweiß in der U-Bahn.

Was aber, wenn ein Mensch das alles nicht riechen kann? Dann sprechen Mediziner von Anosmie. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie "nicht riechen können". In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung daran. Es gibt auch Menschen, die Gerüche nur noch schwach wahrnehmen können. Experten nennen das dann Hyposmie. Rund 20 Prozent der Deutschen haben mit dieser Schwäche zu kämpfen.

Der Verlust von Riechzellen ist völlig normal. Im Laufe des Lebens verliert der Mensch mehr Riechzellen, als dass neue nachwachsen. Bereits mit 36 Jahren nimmt das Riechvermögen ab. Mit mehr als 50 Jahren fehlt bei 25 Prozent der Deutschen der Geruchssinn, bei den über 75-Jährigen sind es schon knapp 30 Prozent.

Unfälle können zu Riechverlust führen

Ein gesunder Mensch kann etwa 20 bis 30 Duftqualitäten unterscheiden. Wer eine gut trainierte Nase hat, wie Parfümeure etwa, nimmt zum Teil mehr als 3000 Duftqualitäten wahr. Das Riechen funktioniert über Riechzellen, die im Dach der Nase liegen. 30 Millionen von ihnen bilden die Riechschleimhaut. Die Riechzellen sind mit feinsten Härchen ausgestattet. Erreichen Duftstoffe die Härchen, leiten sie die Informationen über die Fasern des Riechnervs an das Gehirn weiter. Sie werden dort vom Riechkolben verarbeitet. So kann der Mensch mehr als zehntausend verschiedene Gerüche unterscheiden.

Bei Menschen mit einer Duftblindheit ist dieser Mechanismus gestört. Dies kann verschiedene Gründe haben. Nur angeboren ist die Anosmie in den seltensten Fällen. Der Verlust des Geruchssinns kann zum Beispiel an schiefen Nasenscheidewänden oder Polypen liegen. Oder die Schleimhäute sind durch einen Virus-Infekt oder wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung geschwollen. Denkbar ist der Geruchsverlust auch durch Nebenwirkungen von Medikamenten. Mitunter geht der Geruchssinn auch nach schweren Unfällen verloren. Hintergrund: Durch einen harten Aufprall auf den Hinterkopf können die Riechfasern reißen. Damit ist dann die Verbindung zwischen Nase und Gehirn unterbrochen.

Mit dem Verlust des Geruchssinns geht auch der Verlust des Geschmackssinns einher. Denn die Nase ist direkt am Schmecken beteiligt. Auf der Zunge werden nur die Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer, bitter und umami wahrgenommen. Umami stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie würzig wohlschmeckend. Die feinen Aromen aber, wie zum Beispiel Muskat oder Zimt erfährt der Mensch über den Geruchssinn. Und ist dieser gestört, schmeckt das Essen fad.

Duftblinde leiden oft an Depressionen

Anosmie bringt auch Folgeleiden mit sich. Duftblinde leiden unter anderem häufig an Depressionen. Der Grund: Erkrankte sind gehemmt gegenüber anderen Menschen. Denn sie können nicht nur fremde, sondern auch ihre eigenen Gerüche nicht wahrnehmen. Sie wissen also nicht, ob sie nach Schweiß riechen oder Mundgeruch haben. Das macht unsicher. Zudem sind Geruchsblinde Gefahren ausgesetzt: Sie können Brand- oder Rauchgeruch nicht wahrnehmen. Verdorbene Lebensmittel riechen sie eben so wenig wie Schimmel. Die Folge: Sie haben häufiger Lebensmittelvergiftungen.

Wer feststellt, dass er nicht mehr riechen oder schmecken kann, sollte zum Hals-Nasen-Ohrenarzt gehen. Bundesweit werden jährlich knapp 80.000 Bürger wegen Riechstörungen in HNO-Kliniken behandelt. Um herauszufinden, welche Ursache die Anosmie hat, führt der Arzt zum Beispiel eine Nasenspiegelung durch. Und mit Hilfe des Nasenendoskops kann er erkennen, ob die Schleimhaut verändert ist. Möglich ist auch ein Riechtest, bei welchem dem Patienten Stifte unter die Nase gehalten werden. Darin enthalten sind Geruchsproben, der Erkrankte muss dann die Gerüche Fisch, Teer und Ananas unterscheiden.

In einigen Fällen stellt sich der Geruchssinn von alleine wieder ein. Manchmal hilft eine Operation, zum Beispiel wenn die Nasenscheidewände begradigt oder wenn die Polypen entfernt werden. Anderen Betroffenen hilft spezielles Riechtraining. Dafür schnuppern sie mehrere Monate lang einmal täglich an vier verschiedenen Riechstiften. Studien haben ergeben, dass das langfristig den Geruchssinn verbessert.

Quelle: n-tv.de

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