Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 552 Warum wird es beim Blinzeln nicht dunkel?

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Rund 10 bis 15 Mal pro Minute schließen Menschen die Augen.

imago/Science Photo Library

Blinzeln ist ein unwillkürlicher Reflex. Der regelmäßige Lidschluss schützt die Augen vor dem Austrocknen. Warum es trotzdem nicht dunkel wird, obwohl dabei beide Augen gleichzeitig geschlossen werden, können Forscher nun erklären.

Zwinkern, Blinzeln, Blinkern: Jeder Mensch muss regelmäßig seine Lider schließen, um die Augen zu befeuchten. Der Schutzmechanismus ist eine unwillkürliche Muskelkontraktion, die zwischen 10 und 15 Mal in der Minute erfolgt. Obwohl die Augen dabei vollständig geschlossen werden, werden die Bilder, die Menschen über die Augen wahrnehmen, nicht dunkel. Woran das liegt, wollten Neurowissenschaftler der Universität Göttingen zusammen mit Forschern aus den USA wissen.

Obwohl der Mensch ständig blinzelt und den Kopf hin und her bewegt, sieht er ein stabiles Ganzes um sich herum. Die Forscher vermuteten vor ihren Untersuchungen, dass das Gehirn die Fähigkeit besitzt, die Informationen vom Sehen zu einem schlüssigen Bild zusammenzubauen und zu speichern, um die Unterbrechung des Lichteinfalls beim Blinzeln zu überbrücken. Die Forscher nahmen an, dass dieser Vorgang vom mittleren präfrontalen Kortex übernommen wird. Dieser wird auch mit dem Kurzzeitgedächtnis und der Entscheidungsfindung in Verbindung gebracht.

Untersuchung an Epilepsie-Patienten

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Der mittlere Präfrontalkortex ist grün hervorgehoben. Die Markierungen zeigen die Orte, wo die Hirnaktivität gemessen wurde.

(Foto: Caspar M. Schwiedrzik)

Die beiden deutschen Forscher Caspar Schwiedrzik und Sandrin Sudmann bekamen bei Kollegen in den USA die Möglichkeit, genau diesen Bereich des Gehirns bei Epilepsie-Patienten, die zur Behandlung ihres Leidens vorübergehend Elektroden ins Gehirn implantiert bekommen hatten, zu untersuchen. Dafür ließen die Forscher die Patienten auf einem Bildschirm ein Punktegitter ansehen. Die Versuchsteilnehmer sollten bestimmen, wie sie die dargestellten Punkte, beispielsweise horizontal oder vertikal, wahrnehmen. Kurze Zeit darauf wurde ein zweites Punktegitter gezeigt und die Probanden sollten nochmals einschätzen. Wurde bei beiden Gittern dieselbe Ausrichtung angegeben, interpretierten die Forscher dies als Hinweis darauf, dass die Versuchsteilnehmer ihre Informationen aus dem ersten Versuch nutzten, um auf den zweiten zu schließen. 

Während der Aufgaben wurde bei den Probanden die Aktivität ihrer Nervenzellen im präfrontalen Kortex gemessen. Es zeigte sich, dass bei einer Patientin, bei der ein Teil dieses Gehirnbereiches aufgrund ihrer Erkrankung entfernt worden war, diese sich bei der zweiten Aufgabe nicht auf die vorherigen Informationen bezog. Bei ihr gab es also keinen Gedächtniseffekt. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass der mittlere präfrontale Kortex aktuelle Sehinformationen mit zuvor gewonnenen Informationen abgleicht und somit dazu beiträgt, dass wir die Welt stabil wahrnehmen, auch wenn wir die Augen beispielsweise beim Blinzeln kurz schließen", erklärt Schwiedrzik.

Die Befunde der Forscher gelten jedoch nicht nur für das Blinzeln, sondern auch für andere kognitive Leistungen. "Auch wenn wir einen Gesichtsausdruck sehen, beeinflusst diese Information die Wahrnehmung des nächsten Gesichtes, das wir anschauen", erklärt der Neurowissenschaftler. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de

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