Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 78 Was passiert mit Salutschüssen?

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Böllerschützen in Stellung: Salutschüsse zum Empfang des Papstes in Bayern.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bei einem Salut wird in die Luft geschossen. Was passiert mit der Kugel nach dem Abschuss? (fragt Ralph B. aus Frankfurt am Main)

Salutschüsse sind eine militärische Tradition, die in vielen Ländern gepflegt wird. Geschossen wird nicht nur bei Staatsvisiten, zu Ehren Verstorbener oder zum Geburtstag des Herrschers in Monarchien. Auch auf Eröffnungszeremonien vieler Feiern kann man Zeuge von Luftschüssen werden. Doch ist das nicht gefährlich und verantwortungslos, einfach so in die Luft zu schießen?

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Auch bei Salutschüssen mit Kanonen werden keine echten Kugeln verwendet.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

"Nein", sagt Professor Johann Höcherl von der Universität der Bundeswehr in München. Denn "normalerweise fliegt da gar keine Kugel raus". Die Waffen sind nämlich nicht mit scharfer Munition geladen. Beim Salut schießen so genannte Böllerschützen oder Ehrenformationen, deren Waffen lediglich Schwarzpulver oder Platzpatronen enthalten, so der Experte für Ballistik und Waffentechnik.

Der Grund für die Verwendung von Platzpatronen ist einfach: Würde es sich um scharfe Munition handeln, wäre sie gefährlich. Denn was hochfliegt, muss auch wieder herunter kommen. Das ist das Gesetz der Schwerkraft.

Lebensgefährlicher Leichtsinn

"Was also passiert, wenn man mit einer echten Kugel in die Luft schießt?", fragen wir Professor Höcherl. Da die Schützen normalerweise nicht senkrecht in die Luft schießen, wird das Geschoss erst eine gewisse Strecke zurücklegen - diese hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind die Anfangsgeschwindigkeit, die Masse und die Form des Geschosses. Irgendwann kommt es "ganz normal herunter, mit der Spitze nach vorne, wenn es ein Spitzgeschoss ist. Und es ist auch gefährlich."

Tödliche Verletzungen

Die Geschwindigkeit der Kugel beim Aufprall hängt stark von der Waffenart und der Geschossform ab. Der Experte schätzt, dass eine Kugel durch ihre aerodynamisch günstige Form selbst am Ende ihrer Flugbahn noch eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Metern pro Sekunde oder mehr aufweisen kann. Damit könnte sie bei einem Treffer tödliche Verletzungen verursachen, und immer wieder geschieht dies auch: Zwischen 1985 und 1992 starben allein im Großraum Los Angeles 38 Menschen durch herabfallende Gewehrkugeln. "Gerade zu Silvester", warnt der Ballistiker, "schießen die Leute, die legal oder illegal Waffen besitzen, mit scharfer Munition. Sie glauben, dass das Geschoss harmlos ist, wenn es herunterkommt. Aber das ist es nicht."

Übrigens: Bei Staatsvisiten werden im deutschsprachigen Raum 21 Salutschüsse abgegeben, in der Schweiz 23 (für jeden Kanton einen). In den USA ist die Zahl der Schüsse abhängig von der Bedeutung der Persönlichkeit; nur für den Präsidenten gibt es die maximale Anzahl von 21 Schüssen. Der Verteidigungsminister wird mit 19 Schüssen geehrt, ranghohe Generäle mit 11 bis 17 Schüssen.

Quelle: n-tv.de