Frage & Antwort

Spiegel der Gesundheit Was verraten Fingernägel über uns?

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(Foto: imago images / Westend61)

Fingernägel sehen sehr verschieden aus. Eins haben aber alle gemeinsam: Sie können Auskunft über die Gesundheit geben. Doch wie lassen sich die verschiedenen Zeichen auf den Nägeln der Finger richtig deuten?

Dass man auf seinen Körper hören soll, ist ein altbekannter Ratschlag, wenn es um die Gesundheit geht. Er warnt vor einer anstehenden Grippe oder signalisiert, dass dringend eine Ruhepause eingelegt werden sollte. Ähnliche Warnhinweise können sich durch Fingernägel zeigen. Doch was genau sagen welche Veränderungen über die Gesundheit aus? Um Antwort auf diese Fragen zu finden, fragt ntv.de beim Experten Professor Jan-Christoph Simon nach.

"Dem kundigen Arzt verraten die Fingernägel eine Menge über den allgemeinen Gesundheitszustand", erklärt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig. Dass die Nägel so aufschlussreich sind, liegt daran, dass sie gut sichtbar außen liegen. Ein Arzt kann somit leicht einen Blick auf sie werfen und einen ersten Eindruck gewinnen.

Zudem bildet sich der Nagel hinter der Nagelmatrix, der Wurzel des Nagels, immer wieder neu und wächst nach. Aufgabe der Nagelmatrix ist es, die Zellen des Nagels zu bilden. Sie wird durch die Nagelhaut geschützt, weshalb nur ein kleiner Teil von ihr, besser bekannt als weißer Halbmond, sichtbar ist. Durch den Wachstumsprozess können Veränderungen gut erkannt und beobachtet werden.

Wie alle Wachstumsvorgänge des Körpers wird auch die der Nägel durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dabei können zwei verschiedene Veränderungen entstehen. Zum einen gibt es Krankheiten des Nagels selbst. "Das können sowohl Infektionen des Nagels sein als auch ein Pilz oder eine Nagelbettentzündung", so Simon. "Betroffen sind hiervon oft Menschen, die viel im Feuchten arbeiten oder sich häufig die Hände desinfizieren müssen."

Mit Irrtümern aufräumen

Anders als oft angenommen, nehmen auch Krankheiten, die nicht vom Nagel selbst ausgehen, einen direkten Einfluss auf die Nägel und verändern sie. Viele Menschen stellen diesen Zusammenhang nicht her. Das kann dazu führen, dass Symptome falsch oder nicht ausreichend gedeutet werden. So wird bei einer Schuppenflechte nicht nur die Haut, sondern auch die Nagelmatrix angegriffen. Dies führt dazu, dass das Wachstum des Nagels beeinflusst wird und es zu einer Beschädigung der sichtbaren Nagelplatte kommt. Auch brüchige Fingernägel sollten als Warnsignal des Körpers verstanden werden. Sie können Ursache einer Stoffwechselerkrankung sein oder auf einen Mangel an Mineralien hinweisen.

Andere Nagelveränderungen sind hingegen oft unbedenklich. So entdecken viele Menschen bei genauerer Betrachtung Längs- oder Querrillen auf ihren Nägeln. Im Gegensatz zu den Nagelerkrankungen handelt es sich hierbei lediglich um einen Alterungsprozess. Auch bei weißen Flecken liegen keine Erkrankungen zugrunde. Sie können durch leichte Stöße oder andere äußere Einwirkungen entstehen. Bei einer starken Wölbung des Nagels wird von einem Uhrglasnagel gesprochen. Dieser kann auf eine schwere Herz- oder Lungenkrankheit hinweisen. "Uhrglasnägel sieht man heutzutage nur noch relativ selten, da die Krankheiten gut behandelt werden können", sagt Simon. Häufiger hingegen entsteht ein Löffelnagel. Die nach innen gesunkene Nagelplatte kann ein Zeichen von Eisenmangel sein oder als Folge einer extremen Diät auftreten, bei der nicht genug Spurenelemente über die Nahrung aufgenommen wurden.

Polierte Nägel durch Neurodermitis

Zudem können bestimmte Verhaltensweisen anhand der Nägel abgelesen werden. Ein Blick auf die Fingernägel kann ausreichen, um zu erkennen, dass sich ein Patient häufig kratzen muss. Betroffene von Neurodermitis haben intuitiv gelernt, sich besonders schonend zu kratzen. Durch dieses Schubbern wird der Nagel regelmäßig poliert und es entsteht ein sogenannter Glanznagel.

Auch wenn die Fingernägel eine Menge über die Gesundheit aussagen können, sollte eine Diagnose stets von einem Arzt gestellt werden. Diesem rät Simon, das Augenmerk mehr auf die Fingernägel zu legen. "Nicht immer ist es notwendig, den Patienten direkt Blut abzunehmen. Von dieser Tendenz möchte ich gerne weg."

Übrigens: Das Auftragen von Nagellack verhindert nicht nur die Sicht auf die Nägel, es kann sie durch ihre chemischen Substanzen auch stark schädigen. Wer dennoch nicht auf Farbe verzichten möchte, sollte vor dem Kauf gezielt auf die Inhaltsstoffe achten. Auf Lacke, die Toluol, Phthalate und Formaldehyd enthalten, sollte verzichtet werden.

Quelle: ntv.de