Frage & Antwort

Gelber Zwerg mit Farbfehler Welche Farbe hat die Sonne?

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Gelb oder weiß? Von der Erde aus kaum zu sagen.

(Foto: imago images / Christian Spicker)

Der Himmel ist blau. Das Gras ist grün. Und die Sonne? Eine Frage, die jedes Vorschulkind schnell beantworten zu können glaubt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als knifflig. Denn welche Farbe die Sonne wirklich hat, können die meisten Menschen nicht mit eigenen Augen sehen.

Wenn man sich an den Malereien von Schulkindern orientiert, dann sind die Farben unserer Welt klar verteilt: Der Himmel ist blau. Das Gras ist grün. Das Auto ist rot. Und die Sonne? Gelb. Natürlich. Aber stimmt das überhaupt - ist der Zentralstern unseres Planetensystems wirklich gelb? Und wenn nicht: Welche Farbe hat die Sonne?

Ein Blick in den Himmel dürfte die Antwort schnell liefern. Doch Vorsicht hier ist geboten, und zwar in zweierlei Hinsicht: Erstens kann der direkte Blick in die Sonne, sogar mit einer Sonnenbrille, das Auge dauerhaft schädigen. Zweitens kann der Schein auch trügen - denn selbst wenn man einen kurzen Blick auf die gleißende Sonne erhascht, bleibt fraglich, ob wir sie wirklich so sehen, wie sie ist.

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Der (Sonnen-)Schein trügt: Rot erscheint die Sonne nur durch die Atmosphäre der Erde.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Zwar wird die Sonne von den meisten Menschen am hellichten Tag als weißlich-gelb wahrgenommen. Doch spätestens gegen Abend sollten Zweifel an der Verlässlichkeit dieser Beobachtung aufkommen. Denn dann ändert die Sonne mit fortschreitender Uhrzeit ihre Farbe zu orange-gelb bis rot. Da klar ist, dass die Sonne nicht wie ein Chamäleon ihre Farbe wechselt, muss hier etwas anderes im Spiel sein. Es ist die Atmosphäre der Erde.

Luft verfälscht das Sonnenlicht

Das Licht der Sonne ist nur ein Mischung verschiedener Farben des Lichts - den Beweis liefert jeder Regenbogen. Dann brechen Wassertröpfchen in der Luft das Sonnenlicht in seine Bestandteile auf: Rot, Gelb, Grün bis hin zu Blau und Violett. Jede dieser Farben entspricht einer anderen Wellenlänge des Lichts. Wobei rotes Licht vergleichsweise lange Wellen, und blaues Licht kürzere Wellen besitzt. Doch was spielt die Atmosphäre dabei für eine Rolle?

Die kurze Wellenlänge werden von der Atmosphäre stärker gestreut. Und je mehr Weg das Sonnenlicht durch die Atmosphäre zurücklegen muss, desto größer ist der Effekt. Man kann sich das vorstellen wie an einem Badesee. Das Wasser stellt die Atmosphäre dar, der Badegast entspricht einem Lichtteilchen - wenn er über einen langen Steg läuft und von dessen Ende aus ins Wasser springt, ist es wie beim Sonnenlicht zur Mittagszeit: Der Weg zum Grund ist kurz. Am Abend ist der Winkel des Sonnenlichts jedoch flacher - etwa, als würde ein Badender direkt vom Ufer aus zur selben Stelle im See waten. Sowohl Licht als auch Badegast haben am Ende ihres Weges weniger Energie.

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Aus dem All gut zu erkennen: Die Sonne ist weiß.

(Foto: imago stock&people)

Beim Weg durch die Atmosphäre geht durch Streuung also ein Teil des blauen Lichts verloren. Auf der Erdoberfläche ist es demnach unmöglich, die wahre Farbe der Sonne zu bestimmen. Dafür muss man schon als Astronaut ins All fliegen - dann zeigt sich die Sonne so, wie sie tatsächlich ist: weiß. Dies ist auch auf Fotos der Sonne, aufgenommen von der Raumstation ISS, gut zu sehen.

Gelber Zwerg, der gar nicht gelb ist?

Etwas verwirrend ist jedoch die Bezeichnung, die Astronomen der Sonne geben: Entsprechend ihrer Spektralklasse wird sie auch als "Gelber Zwerg" bezeichnet. Im sogenannten Hertzsprung-Russell-Diagramm werden allen Sternen gemäß ihrer Entwicklungsstufe bestimmte Farben zugeordnet - die sie zum Teil auch tatsächlich haben. So sind die Roten Zwerge der Spektralklasse M tatsächlich rot, die gigantischen Blauen Riesen tatsächlich bläulich. Im Mittelfeld der sogenannten Hauptreihe jedoch, zu dem auch unsere Sonne zählt, sind die Sterne meistens weiß.

Übrigens: Unsere Sonne wird nicht immer weiß bleiben. In mehr als fünf Milliarden Jahren wird sich ihre Farbe ins Rötliche verschieben. Dann wird sie sich zu einem Roten Riesen aufblähen - der nicht nur so heißt, sondern auch tatsächlich rot ist. Ob Menschen das allerdings noch zu Gesicht bekommen, bleibt fraglich.

Quelle: n-tv.de

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