Frage & Antwort

Höheres Bewusstsein Welche Tiere erkennen sich im Spiegel?

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Was wohl diese Katze sieht, als sie in den Spiegel schaut? Jedenfalls ist ihr nicht klar, dass sie sich gerade selber anblickt.

(Foto: imago/Westend61)

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Katzen recken neugierig den Kopf vor dem Spiegel, Hunde gehen achtlos daran vorbei und Affen ziehen Grimassen, wenn sie ihr Spiegelbild erblicken. Was genau sehen Tiere, wenn sie in den Spiegel gucken?

Wenn man morgens in den Spiegel blickt, erkennt man sich mal mehr, mal weniger wieder. Doch allen Menschen ist klar: Das da im Spiegel, das ist man selbst und nicht etwa ein anderer Mensch. Tiere zeigen indes sehr unterschiedliche Verhaltensweisen, wenn sie in den Spiegel blicken. Aber erkennen sie sich auch selbst?

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Um das herauszufinden, nutzt die Wissenschaft seit 50 Jahren den Spiegel-Test. Dafür wird in der Regel an der Testperson oder an einem Testtier möglichst unbemerkt eine Farbmarkierung angebracht, die dann nur durch den Blick in den Spiegel wahrgenommen werden kann. Dann beobachten die Experten, wie sich der Proband verhält. Versucht er die Markierung loszuwerden, hat er sich offenkundig selbst erkannt. Kinder bestehen den Test in der Regel frühestens im Alter von 18 Monaten. Und auch einige Tiere besitzen die kognitive Fähigkeit sich selbst zu erkennen.

Menschenaffen wie Schimpansen oder Orang-Utans gehören zu den nächsten Verwandten des Menschen, somit wurde auch bei ihnen der Test durchgeführt. Zwar stießen einige Tiere im ersten Moment einen Warnruf aus, denn sie vermuteten zunächst, dass sie ein Rivale anblickt. Doch die Tiere wurden sich schnell bewusst, wen sie sehen. Schimpansen versuchten somit umgehend, den Farbfleck auf ihrer Nase wegzuwischen. Orang-Utans nutzen sogar einen Handspiegel, um ihre Zähne zu betrachten.

Delfine gelten nicht nur als außerordentlich intelligent, auch sie können sich - wie andere Walarten übrigens auch - im Spiegel erkennen. Ebenso wurden Elefanten 2006 in einem New Yorker Zoo dem Test unterzogen. Tierpfleger stellten in dem Gehege der Tiere einen 2,5 Meter hohen Spiegel auf und legten sich auf die Lauer. Tatsächlich nutzten Elefanten den Spiegel ähnlich wie der Mensch und auch Affen: Sie inspizierten ihren Mundraum und andere Körperstellen.

Sogar Rabenvögel erkennen sich

Auch Elstern, Raben, Krähen, Keas verstanden das Prinzip des Spiegels. Wissenschaftler hatten - ähnlich wie beim Schimpansen auch - einen Farbfleck am Körper der Vögel angebracht, den sie nur im Spiegel sehen konnten. Kaum hatten die Tiere diesen entdeckt, versuchten sie, ihn zu entfernen.

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Vor Kurzem bestand sogar der Putzerlippfisch den Spiegel-Test: Auch diese Tiere versahen die Forscher mit farbigen Flecken. Hatten die Fische einen Spiegel im Aquarium, entfernten sie den Farbfleck. Ließen die Wissenschaftler den Spiegel weg oder versahen die Tiere mit transparenten Markierungen, die im Spiegel nicht sichtbar waren, zeigten die Fische indes keine Reaktionen.

Doch das Testergebnis machte die Forscher zugleich auch skeptisch. Denn eigentlich galt der Spiegel-Test bislang als Beweis für das Vorhandensein eines Bewusstseins für das eigene Selbst. Doch der Putzerlippfisch zählt nicht wie Delfine, Affen oder Krähen zu den Tierarten, die besondere kognitive Fähigkeiten besitzen. Wie ist dann also der bestandene Spiegel-Test des Putzerlippfisches zu deuten? Die Experten gehen davon aus, dass die Fische ihr Spiegelbild als Abbild des eigenen Körpers zwar sehen, jedoch nicht verstehen, was es bedeutet und somit auch kein "Selbstbewusstsein" haben.

Auch bei anderen Tieren kann der Spiegel somit nicht als Gradmesser für ein Bewusstsein gelten. Schweine zum Beispiel verstehen zwar das Prinzip des Spiegels. Verstecktes Futter, das lediglich mithilfe eines Spiegels gefunden werden konnte, konnten die Tiere ausfindig machen. Doch eine Markierung an ihrem Körper bemerkten sie auch mithilfe ihres Spiegelbildes nicht. Genauso wenig wie Katzen und Hunde. Letztgenannte ignorierten ihr Spiegelbild völlig oder griffen den vermeintlichen Artgenossen an.

Quelle: n-tv.de

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