Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 562 Wie spannen Spinnen ihren ersten Faden?

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Spinnennetze sind Meisterwerke der Natur.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Spinnennetz ist ein wahres Wunderwerk der Natur. Die Tiere verbinden mit dünnen, elastischen Seidenfäden mehrere weit auseinanderliegende Punkte miteinander. Doch wie genau beginnen sie damit?

Wenn man in der Dunkelheit durch einen dicht bewachsenen Garten geht, dann hat man schnell mal ein paar Spinnfäden im Gesicht. Das ist unangenehm und wirft Fragen auf. Wo ist das Tier jetzt? Kann eine Spinne nach der Zerstörung ihres Netzes überhaupt überleben? Oder: Wie konnte die Spinne diesen relativ großen Abstand zwischen zwei Ästen überhaupt überwinden? Können die Tiere ihre Fäden mit einer körpereigenen Einrichtung einfach auf die gegenüberliegende Seite schießen oder springen sie etwa selbst dorthin?

Einige dieser Überlegungen stammen wohl eher aus der Verfilmung des Comics "Spiderman". Auch wenn es prinzipiell eine Reihe springender Spinnen gibt, bauen diese Arten für ihre Jagd keine Netze. Spinnen, um die es hier geht, bauen die schön aussehenden Radnetze. Bei deren Bau heften die meisten Arten den ersten Faden an der einen Seite im Buschwerk oder an Ästen an und machen sich zu Fuß auf den Weg zu einem gut erreichbaren Gegenstück. Währenddessen ziehen sie den Faden hinter sich her, der aus der Spinndrüse im Hinterteil kommt. Am Ziel angekommen, wird der erste Faden ebenfalls angeheftet und als Basis für den Netzbau genutzt.

Akrobatische Variante

Und es gibt eine zweite Variante, wie der erste Faden gespannt wird. Einige Arten, wie beispielsweise die Gartenkreuzspinne oder die gehörnte Kreuzspinne müssen sich dabei voll und ganz auf den Wind verlassen. Sie klettern nämlich auf einen höhergelegenen Ast, Pfahl oder Zaun, warten dort, bis ein leichter Wind weht und recken dann ihren Hinterleib in die Höhe. Währenddessen ziehen sie mit den Hinterbeinen die Fäden aus den dafür zuständigen Drüsen. Dabei strecken sie ihre Beine durch, so dass es aussieht, als stünden die Spinnen akrobatisch auf Zehenspitzen.

Der bei dieser Prozedur entstehende Flugfaden besteht aus einem Bündel von 50 bis 60 Einzelfäden, von denen jeder gerade einmal 250 Nanometer dick ist. Das ist 200 Mal dünner als ein menschliches Haar. Durch seine besondere Struktur reicht schon ein kleiner Windstoß aus, um den Flugfaden in Bewegung zu versetzen. Mit den ersten Bewegungen gibt die Spinne immer mehr Faden aus ihren Spinnwarzen ab, solange, bis der Flugfaden irgendwo hängenbleibt. In welche Richtung der Flugfaden getragen wird, kann eine Spinne jedoch nicht beeinflussen, das hängt allein von der Windrichtung ab.

Nun prüft die Spinne zunächst die Festigkeit dieser Konstruktion. Ist sie damit zufrieden, heftet sie das andere Ende des Fadens an der Stelle an, an der sie sich selbst befindet. Dann hangelt sie sich quasi am Flugfaden entlang zum anderen Ende, verstärkt ihn mit dickeren Fäden und macht einen Brückenfaden daraus. Das Fundament für das Netz ist fertig.

Beim Aufbau des gesamten Radnetzes im Anschluss geht die Spinne systematisch und routiniert vor. Der Aufbau eines neuen Radnetzes dauert je nach Größe zwischen 20 und 30 Minuten. Der Flugfaden kann bei einer gehörnten Kreuzspinne bis zu 50 Zentimeter lang sein. Da Spinnen meist Einzelgänger sind und kannibalistisch auch Artgenossen einfangen und fressen, sind sie beim Spannen eines neuen Netzes meistens darauf bedacht, nicht in die Quere von anderen Netzen und Spinnen zu kommen.

Es gibt jedoch Ausnahmen, wie das im September 2018 von Forschern entdeckte wohl größte Spinnennetz der Welt. Dabei handelte es sich nicht um ein einzelnes, sondern ein Küstenabschnitt von 300 Metern in der griechischen Lagunenstadt Etolikos war komplett in Spinnennetze eingehüllt. Eine Vielzahl günstiger Bedingungen hatte die sogenannte Strecker-Spinnen zu diesem ungewöhnlichen Netzverbund veranlasst.

Übrigens: Die bisher wohl größten Netze einer Spinne haben Forscher 2009 auf Madagaskar entdeckt. Die nur 20 Millimeter große Caerostris darwini ("Darwins Rindenspinne") baut Netze, die über Flüsse reichen. Der Brückenfaden kann dabei eine Länge von bis zu 25 Metern erreichen.

Quelle: n-tv.de

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