Frage & Antwort

Sonne, Erdachse, Zeitzonen Wieso fängt der Sommer schon am 20. an?

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Meistens beginnt der kalendarische Sommer am 21. Juni, nur manchmal verrutscht er, wie in diesem Jahr.

Die Sommersonnenwende markiert den Beginn des Sommers. In diesem Jahr fällt er in unseren Breiten auf den 20. Juni. Das verwirrt einige, ist er doch sonst einen Tag später. Wie es dazu kommt und warum Meteorologen den Sommeranfang auf einen ganz anderen Tag datieren.

Genau am 20. Juni um 23:43 und 40 Sekunden Mitteleuropäischer Sommerzeit wird die Sonne in diesem Jahr auf der Nordhalbkugel den sogenannten subsolaren Punkt erreichen. Das ist der Ort auf der Erde, über dem die Sonne zu diesem Zeitpunkt genau senkrecht, also im Zenit stehen wird. Das astronomische Ereignis wird als Sommersonnenwende bezeichnet. Es läutet auf der Nordhalbkugel der Erde offiziell den kalendarischen Sommer ein. Doch wieso ist es in diesem Jahr nicht der 21. Juni, wie sonst?

Um diese Frage zu beantworten, kommt man um einen Blick ins All nicht herum. Die Achse der Erde ist um 23,5 Grad zur Sonne geneigt. Wäre das nicht so, dann gäbe es auch keine Jahreszeiten auf der Erde, sondern nur Tag und Nacht. Die wird durch die Rotation der Erde um sich selbst erzeugt. Durch die Neigung der Achse und den Lauf um die Sonne richtet sich die Nordhalbkugel der Erde im Frühling nach und nach stärker zur Sonne aus. So werden in dieser Zeit die Tage länger und die Temperaturen höher. Auf der Nordhalbkugel hingegen ist Herbst.

Wie stark sich dieser Neigungswinkel der Erde zur Sonne auswirkt, zeigt sich am deutlichsten an den Polen. Die Sonne geht am Nordpol an den Tagen um die sogenannte Frühjahrstagundnachtgleiche, die der astronomische Beginn des Frühlings ist, auf und dann für ein halbes Jahr nicht mehr ganz am Horizont unter. Am anderen Ende der Erde, am Südpol, geht die Sonne dort ab diesem Tag, der sogenannten Herbsttagundnachtgleiche gar nicht mehr auf. Es herrscht sechs Monate lang Polarnacht.

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Die nicht untergehende Sonne um Mitternacht in Reykjavik, Island.

(Foto: imago/Seeliger)

Durch diesen gedanklichen Ausflug wird klar, dass auch der Zeitpunkt der Sonnenwenden überall auf der Welt derselbe ist. Er unterscheidet sich lediglich durch die verschiedenen Zeitzonen. So fällt die Sommersonnenwende in diesem Jahr beispielsweise innerhalb der Zone der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) auf den 20. Juni. In Chile ist es dann der gleiche Tag, aber erst 17.43 Uhr (CLST). In Sydney ist es zum gleichen Zeitpunkt schon der 21. Juni, um 7.43 Uhr Australian Eastern Daylight Time (AEDT). Doch auf dieser Seite der Erde wird an diesem Tag nicht der Sommer, sondern der Winter mit der Wintersonnenwende eingeläutet. Die Tage werden ab diesem Zeitpunkt auf der Südhalbkugel wieder länger.

In der Nähe des Äquators wiederum, der die Erde in Nord- und Südhalbkugel teilt, variieren die Tageslängen hingegen wegen des Einfallswinkels der Sonne kaum. Wie sich der Neigungswinkel der Sonne auf die unterschiedlichen Regionen auswirkt, lässt sich gut an den Tageslängen von Hamburg und Zürich erklären. Obwohl beide Städte in der gleichen Zeitzone liegen, dauert der längste Tag des Jahres in Hamburg mehr als eine Stunde länger als in Zürich. Die Sonne geht in Hamburg an diesem Tag 39 Minuten früher auf als in Zürich und in Hamburg 27 Minuten später unter. Dieser Effekt kehrt sich jedoch im Winter wieder um.

Astronomischer Sommeranfang

Das genau errechenbare Astronomie-Ereignis der Sommersonnenwende wird auch als kalendarischer oder astronomischer Beginn des Sommers bezeichnet. Dieser Punkt kann am 20. Juni sein, wie in diesem Jahr, oder auch auf den 22. Juni fallen. Das Datum hängt von der jeweiligen Zeitzone ab. In diesem Jahr fällt der astronomische Augenblick in der Region mit Mitteleuropäischer Sommerzeit, wenn auch ganz knapp, auf den 20. Juni. Das letzte Mal gab es das 1896. In Zukunft wird die Sommersonnenwende in der Mitteleuropäischen Zeitzone aber immer öfter auf diesen Tag fallen. Das nächste Mal schon in vier Jahren.

Im Gegensatz zum variierenden Datum des astronomischen Sommeranfangs ist der meteorologische Sommeranfang auf den 1. Juni datiert. Diese Festlegung gilt auch für den Frühling (1. März), den Herbst (1. September) und den Winter (1. Dezember). Damit dauert jede Jahreszeit drei Monate. Die Meteorologen wollen so vier Jahreszeiten mit fast gleicher Dauer erzeugen, um die statistische Vergleichbarkeit von Wetteraufzeichnungen und Klimadaten über längere Zeiträume zu gewähren.

Längster Tag des Jahres

Die Sommersonnenwende markiert nicht nur den astronomischen und kalendarischen Sommerbeginn, sondern ist zudem der längste Tag des Jahres. Konkret für Berlin bedeutet es eine Tageslänge von 16 Stunden und 50 Minuten, bei Sonnenaufgang um 4.43 Uhr und Sonnenuntergang um 21.33 Uhr.

Gleichzeitig bedeutet dies, dass ab dem 21. Juni die Tage wieder kürzer werden. Das passiert allerdings nur ganz allmählich. Für Berlin beispielsweise summieren sich die Sekunden der ersten zehn Tage nach der Sommersonnenwende zu insgesamt knapp fünf Minuten, die der 30. Juni dann kürzer ist. Dieser Prozess dauert bis zum 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende an. Der kürzeste Tag im Jahr hat nur 7 Stunden und 39 Minuten, ist also ganze 9 Stunden und 11 Minuten kürzer als der längste Tag im Jahr. Doch bis dahin ist ja zum Glück noch ein halbes Jahr Zeit.

Übrigens: Der Sommer endet aus astronomischer Sicht in diesem Jahr am 22. September, um 15.31 Uhr. Auch für den Übergang in diese nächste Jahreszeit ist ein astronomisches Ereignis verantwortlich. Es wird Herbst-Tagundnachtgleiche genannt. Wie der Name schon sagt, ist zu diesem Zeitpunkt der Tag genauso lang wie die Nacht. Das gleiche Phänomen gibt es auch zu Beginn des Frühlings.

Quelle: ntv.de