Fundsache

Fundsache, Nr. 516 Echtheit von Nofrete angezweifelt

Das Ägyptische Museum in Berlin hat Zweifel eines Schweizer Autors an der Echtheit der 3400 Jahre alten Büste der Königin Nofretete zurückgewiesen. Museumsdirektor Dietrich Wildung sagte, er schätze den Schweizer Henrie Stierlin zwar als "ausgezeichneten Fotografen und Populärwissenschaftler", seine Behauptungen ließen sich aber alle sehr rasch entkräften. Die Entstehungsgeschichte der Büste sei mit Computertomographien und Materialanalysen lückenlos nachgewiesen worden, betonte Wildung.

Angemalte rote Lippen gab es daher schon vor Tausenden von Jahren. Bereits Nofretete malte sich wie andere Ägypterinnen und Griechinnen ihrer Zeit die Lippen an.

Stierlin vertritt die Ansicht, dass die Nofretete-Büste während der Ausgrabungen 1912 als Experiment der deutschen Grabungsmannschaft entstand und somit erst knapp 100 Jahre alt ist. Der Schweizer hat jetzt ein Buch zum Thema veröffentlicht. Nach eigenen Angaben hat er rund 80 Werke über Kunstgeschichte und Archäologie publiziert. "Es ist nicht redlich, dieses Objekt zu zeigen, obwohl man weiß, dass es nicht echt ist", sagte er. Sein Buch "Le Buste de Nfertiti. Une imposture de l'gyptologie?" ("Die Büste von Nofretete - Ein Schwindel der Ägyptologie?") erschien 2008 beim Schweizer Verlag Les ditions Infolio in Gollion bei Lausanne.

Die Existenz der Büste, die an Berühmtheit der Mona Lisa gleichkommt, sei einem unglücklichen Zufall geschuldet, erläuterte Stierlin. Bei einem Grabungsbesuch sei die von dem Bildhauer Gerhardt Marks geschaffene Skulptur Vertretern des regierenden sächsischen Königshauses aufgefallen und fotografisch festgehalten worden. Anschließend habe man sich nicht mehr getraut, ihre Echtheit zu dementieren, um die Hoheiten nicht lächerlich zu machen.

Der damalige Grabungsleiter Ludwig Borchardt habe die Königin, die sonst im für das Flachrelief typischen Profil zu sehen ist, lediglich in ihrem vollen Schmuck zeigen und gleichzeitig mit gefundenen Farbpigmenten experimentieren wollen. Er habe diesen scheinbaren Fund später auch nie dokumentieren wollen und seine erst 1924 erschiene wissenschaftliche Veröffentlichung sei eine "Karikatur". Dies werde auch von den Berliner Wissenschaftlern anerkannt.

Gegen eine Buch-Veröffentlichung

Museumsdirektor Wildung habe ihm allerdings nahe gelegt, sein Buch, für das er 25 Jahre geforscht habe, nicht zu veröffentlichen, sagte Stierlin. Es seien extra zwei Wissenschaftler aus Berlin in Genf angereist, um ihn von seien Studien abzubringen. "Die Berliner wissen, dass ich Recht habe."

Wildung erklärte, er sei verwundert, dass Stierlin, mit dem er vor zehn Jahren einen Bildband herausgebracht hat, sich vor Veröffentlichung seiner Thesen nicht bei ihm gemeldet habe und fügte hinzu: "Eine schöne Frau und ein vermeintlicher Skandal - das verkauft sich immer".

Dagegen sagte Stierlin, Wildung habe seit langem Kenntnis von dem Buchprojekt gehabt. "Als er noch Museumsdirektor in München war, wollte er das Vorwort dazu schreiben." Sein 1987 zusammen mit Christiane Ziegler vom Muse du Louvre erschienenes Buch "Tanis. Vergessene Schätze der Pharaonen" habe Wildung übersetzt.

Quelle: ntv.de, dpa

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