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Produktionsschiffe gegen Zölle: Autobau auf hoher See

Die Autoindustrie agiert global und ist deshalb auf möglichst offene Handelswege angewiesen. Hohe Importzölle erschweren jedoch oftmals das Geschäft. Autohersteller produzieren deshalb oft im Zielland vor Ort. Es gibt jedoch eine andere, ungewöhnliche Alternative, um die Zölle zu vermeiden: der Autobau auf einem Schiff, das zum Zielland gehört.

Schiffe von der Größe dieses Frachters könnten zu Autowerken mutieren.
Schiffe von der Größe dieses Frachters könnten zu Autowerken mutieren.

Bislang transportieren international tätige Autohersteller ihre Produkte meist per Schiff vom Produktionsort in das Land, indem die Fahrzeuge verkauft werden sollen. Weil in manchen Staaten hohe Importzölle auf ausländische Fahrzeuge den Verkauf erschweren, reagiert die Industrie häufig mit dem Aufbau einer eigenen Produktion vor Ort. Nicht zuletzt deshalb sind viele Hersteller in China und neuerdings auch in Russland aktiv. Gerade die wachstumsträchtigen BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sind recht findig, was die Auferlegung von Zollschranken angeht.

Die könne man in Zukunft umgehen, erklärt Alexander Nedelchew vom Beratungsunternehmen Barkawi Management Consultants. So wie bislang schon Kleidung zum Teil erst auf dem Weg von Asien nach Europa produziert wird, könne man auch ganze Fahrzeuge auf einem Produktionsschiff fertigstellen. Wie er der Zeitschrift Automobilproduktion gegenüber sagte, ließen sich auf der Fahrt etwa von Europa nach Brasilien bis zu 2000 Fahrzeuge während der Fahrt montieren. Wenn das Schiff unter brasilianischer Flagge fährt, findet die Produktion quasi im Land statt, Zölle fallen entsprechend nicht an. Dieses Verfahren lohne sich beispielsweise in Märkten, die nicht groß genug sind, um eine richtige Produktion vor Ort lukrativ zu machen, erklärt der Berater.

Mehrfachnutzung

Im Vermeiden von Zöllen sieht Nedelchew aber nicht den einzigen Vorteil der Schiffsproduktion. Leerfahrten seien teuer, und so könnte man beispielsweise auf einem Weg Fahrzeuge montieren und auf dem Rückweg Ledersitze aus Häuten brasilianischer Rinder herstellen.

Auf dem Schiff kann während der Fahrt nicht am Band montiert werden. Die Produktion würde eher im Rahmen einer Werkstatt-Manufaktur ablaufen. Zum Montieren von Türen und Innenausstattung wäre das aber kein Problem. Das Schiff wäre ohnehin lange unterwegs, man verliert also keine Produktionszeit gegenüber einer Produktion an Land.

Weil Schiffe unter zwei Flaggen fahren können, ließe sich die Zollproblematik gleich für zwei Länder damit umgehen. Bislang hat noch kein Hersteller die Idee umgesetzt, allerdings scheinen einige interessiert. Die Umrüstung eines Frachters zu einem Montageschiff würde etwa 18 Monate dauern.

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Quelle: n-tv.de

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