Auto
Christian Borgward ist mit der Reanimierung der Marke Borgward angetreten, sich einen Traum zu erfüllen.
Christian Borgward ist mit der Reanimierung der Marke Borgward angetreten, sich einen Traum zu erfüllen.(Foto: Holger Preiss)

Wenn zwei "Bekloppte" sich treffen: Borgward kehrt als SUV zurück

Zwischen PS-geladenen Supersportlern und Designstudien ist die Information, dass die Traditionsmarke Borgward kurz vor der Auferstehung sei, eine der Krachermeldungen des Genfer Autosalons. Christian Borgward, der Enkel von Carl F.W. Borgward, ist der Initiator. n-tv.de sprach mit ihm über die Erfüllung eines Traums.

n-tv.de: Herr Borgward, wie kommt man auf die Idee, nach 50 Jahren eine Automarke aufleben zu lassen, die einst der Großvater begründete?

Christian Borgward: Nach dem Tod meines Vaters sind die Markenrechte von Borgward auf mich übergegangen und ich stellte mir die Frage: Warum gibt es die Marke eigentlich nicht mehr? Was wäre, wenn man wieder anfangen würde zu produzieren? Und als ich dann noch die richtigen Leute kennenlernte, wurde aus der Idee, aus dem Traum eine Chance.

Unser Gespräch wird unterbrochen, weil Stirling Moss, auf dem Stand erscheint. Der britische Automobilrennfahrer ist bis heute eine Legende.

Die Isabella wurde 1954 in Genf vorgestellt und ist eine Legende.
Die Isabella wurde 1954 in Genf vorgestellt und ist eine Legende.(Foto: Holger Preiss)

Herr Borgward, hier jagt ja eine Legende die andere!

Sie werden gar nicht glauben, wer alles Borgward kannte und wer die Autos gefahren ist oder wer Borgward-Verkäufer war. Von Dieter Thomas Heck wissen Sie es vielleicht. Auch Frank Elstner war ein begeisterter Borgward-Fahrer.

Die Fußstapfen, die Ihr Großvater hinterlassen hat, sind ziemlich groß. In Bremen gab es seinerzeit 23.000 Mitarbeiter und mit der Isabella holte man 1954 sogar zum großen Schlag gegen Mercedes aus.

Genau das ist die Verpflichtung der Marke Borgward. Wir müssen da anknüpfen, wo mein Großvater aufhören musste. Es geht nicht darum, einfach wieder eine Isabella zu entwickeln. Der Traum meines Großvaters war, dass Borgward auf der Straße fährt, und ich fühle mich verpflichtet, diesen Traum wieder zum Leben zu erwecken.

Und wie sieht die Strategie zur Traumerfüllung aus?

Wir werden noch vor der IAA in Frankfurt unsere Europazentrale in Stuttgart eröffnen. Auf der IAA werden wir das erste Fahrzeug zeigen und spätestens 2016 sollen die ersten Autos ausgeliefert werden. Wir haben zehn Jahre hart und unsichtbar für alle anderen an diesem Projekt gearbeitet.

Aber Sie haben jetzt in Genf kein Auto vorgestellt?

Nein, das war die Überlegung. Stellen wir das Auto in Genf vor, zumal es hier die historische Verbindung mit der Isabella gibt, die 1954 vorgestellt wurde? Dann haben wir aber doch entschieden, das Fahrzeug erst in Frankfurt vorzustellen. Hier sollte nur die Nachricht im Mittelpunkt stehen, dass Borgward wieder da ist. Punkt!

Angedacht ist ab 2016 angeblich nur eine Kleinserie?

Nein, bis 2020 sollen 800.000 Autos verkauft werden, 2025 sollen es 1,6 Millionen sein. Das große Ziel ist, das Borgward nie in eine Liquiditätskrise kommen darf. Wir müssen also Geld verdienen. Deswegen werden wir nicht mit einem toll designten Super-Auto starten, sondern wir bieten ein SUV an. Der SUV hat im Augenblick den größten Marktanteil und wir müssen Geld verdienen.

Wenn Borgward in Frankfurt ausstellt, soll es ein SUV sein.
Wenn Borgward in Frankfurt ausstellt, soll es ein SUV sein.(Foto: Holger Preiss)

Wo sollen diese riesigen Stückzahlen produziert werden?

Wir produzieren da, wo wir verkaufen. Das ist die Herausforderung, an der wir zehn Jahre lang gearbeitet haben. Wir haben weltweit Partnerunternehmen, die uns diese Strategie ermöglichen.

Das hört sich sehr kryptisch an.

Borgward ist immer besondere Wege gegangen. Und es geht! Im Endeffekt ist es ja völlig egal, wo die Komponenten für die Fahrzeuge herkommen. Wichtig ist, dass wir sie dort zusammensetzen lassen, wo sie verkauft werden.

Aber ist der Borgward dann im eigentlichen Sinne noch ein Borgward, wenn er nach diesem Lego-Prinzip zusammengebaut wird?

Der Borgward ist insofern ein echter Borgward, weil die Ingenieure aus Deutschland kommen und wir sind ein deutsches Projekt, eine deutsche Firma. Wir haben deutsche Partner, nur vor Ort gibt es dann eben internationale Verantwortlichkeiten. Die Strategie ist sehr komplex und das macht uns aber auch aus. Deshalb haben wir den Mut, hier in Genf ohne Auto zu stehen und zu sagen: Wir sind wieder da.

Aber wie ist das jetzt mit dem Motor, das ist dann keine Eigenentwicklung von Borgward?

Doch! Wenn Sie die Motorhaube aufmachen, dann sehen Sie einen Borgward. Sie können davon ausgehen, dass der neue Borgward ein Auto ist, mit dem auch mein Großvater mitgegangen wäre. Und irgendwann wäre er bestimmt auch mit einem SUV gekommen.

In welcher Größenordnung darf man sich denn den Borgward SUV vorstellen?

Die Größe entspricht schon einem Audi Q5 oder einem Mercedes ML. Wir hätten auch mit einem kleineren Fahrzeug einsteigen können. Um aber der Marke Borgward gerecht zu werden, haben wir uns dann für diese Klasse entschieden.

Einer Ihrer Partner ist der chinesische Nutzfahrzeughersteller Foton. Ist das ein Indiz dafür, wo Sie den Hauptabsatzmarkt für Ihr Borgward-SUV sehen?

Natürlich wollen wir in China Geld verdienen. Das ist der Markt. VW beweist es, Audi beweist es. Wir haben Marktanalysen in China gemacht. Auch dort kennen die 30- bis 45-Jährigen Borgward.

Reicht das aus, um Ihre Absatzwünsche zu erfüllen?

Bedenken Sie die Mentalität der Chinesen. Die stehen auf Erfolgsgeschichten. Gerade wenn sie so sind wie unsere: Da kommt ein "Bekloppter", trifft einen anderen "Bekloppten", ich meine Karlheinz L. Knöss, der von Daimler-Chrysler kam, und die beiden rocken das Ding. Haben Sie eine Vorstellung, was da abgeht?

Noch nicht so richtig, bin aber sehr gespannt und bedanke mich für das Gespräch.

Mit Christian Borgward sprach Holger Preiss

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen