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In Maßen besser als der Golf VariantPeugeot 308 SW - Der Löwe macht sich lang

11.04.2014, 08:18 Uhr
imageVon Holger Preiss
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Der Peugeot 308 SW ist in seinem Segment mit 4,58 Metern Länge und 610 Litern Kofferraum ein echter Riese. (Foto: Holger Preiss)

Der Peugeot 308 verkauft sich gut. Jetzt soll er aber noch einen Schub bekommen: Die Löwenmarke hat den 308 SW in die Spur gebracht. Der Kombi glänzt nicht nur mit einem riesigen Kofferraum und neuen Motoren.

Peugeot hat sich erneuert, nein - tut es immer noch und beredtes Zeichen dafür ist wohl der Kompakte 308. Seit Herbst vergangenen Jahres auf dem Markt, ist er angetreten, den Golf zu jagen. Zugegeben, in Deutschland dürfte ihm das schwerfallen, aber in Frankreich führt der kompakte Löwe bereits das C-Segment an. Insgesamt 70.000 Exemplare wurden in Europa seit Marktstart verkauft. Vielleicht auch deswegen, weil der in Sochaux gebaute Wagen 2014 den Titel "Car of the Year" bekommen hat?

Wie dem auch sei, die Entwicklung ist für Peugeot klar. Man will wieder in der Liga derer mitspielen, die Autos in nennenswerten Stückzahlen verkaufen. Mit dem 2008, dem 208 und natürlich dem 308 haben die Franzosen erste Zeichen gesetzt. Und da Peugeot eine europäische Marke ist, passt sie sich den regionalen Gegebenheiten an und schiebt nun den 308 SW als Kombi auf den Markt.

Kombis haben bei Peugeot eine lange Tradition. Seit 50 Jahren werden die Familienlaster aus Frankreich bereits angeboten. Aber nicht nur das veranlasst die Löwenmarke, sich hier weiter ins Zeug zu legen. Selbst in den Zeiten der Wirtschaftskrise blieb der Verkauf der kompakten Familienlieblinge bei 11 Prozent Marktanteil stabil. Über die Jahre mussten sie die beliebten Kombis nur den SUVs geschlagen geben.

Abschied von alten Linien

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610 Liter verschwinden hinter der großen Klappe des 308 SW. (Foto: Holger Preiss)

Mit dem neuen 308 SW verabschiedet sich Peugeot auch von den mehr als gewöhnungsbedürftigen Linien des Vorgängers. Der neue französische Lademeister steht jetzt sportlich da. Lang streckt sich die Silhouette, die Sicken verschärfen die Züge in der Seitenansicht und die Dachschienen sind eher seitlich denn auf dem Dach angebracht, was den SW von der typischen Kombianmutung befreit. Dabei überragt der Franzose mit 4,58 Metern die gesamte Konkurrenz in seinem Segment. Der Kofferraum fasst jetzt 610 Liter. Nur zum Vergleich: Der Golf Variant bringt es auf 605 Liter. Wirft man die zweigeteilte Rückenlehne der hinteren Sitzbank komplett um, was über das "Magic-Fly-System" bequem über zwei Züge im Gepäckraum erfolgt, entsteht eine absolut ebene Ladefläche mit einem Volumen von 1660 Litern. Auch das ist eine neue Bestmarke in dieser Klasse.

Bleiben die Lehnen im Fond oben, dürfen Passagiere sich über ausreichende Beinfreiheit freuen. Dank der schon beim 308 genutzten flexiblen Plattform EMP2 konnte der Radstand im Vergleich mit der Limousine um 11 Zentimeter gestreckt werden. In der Gesamtlänge überragt der Kombi den kompakten Bruder sogar um satte 22 Zentimeter. Trotz seiner Länge gibt sich der SW im Fahrverhalten ausgesprochen ausgewogen. Wie die Limousine glänzt er mit einem für französische Verhältnisse angenehm straffen Fahrwerk, das sich problemlos auch in flott gefahrene Kehren schmiegt, ohne das Gefühl zu vermitteln, im nächsten Moment zu untersteuern.

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Die neuen Motoren werden im französischen Douvrin gebaut. (Foto: Holger Preiss)

Mit dem neuen 308 SW präsentiert Peugeot auch gleich noch drei neue Motoren, die das angenehme Gesamtbild des französischen Lademeisters weiter abrunden. Das wohl erstaunlichste Triebwerk ist der Dreizylinder-Benziner, der unter der Nomenklatur 1,2 l e-THP firmiert. Der Zwerg leistet 130 PS, erfüllt bereits jetzt die Euro-6-Norm und drückt seine beachtlichen 230 Newtonmeter bereits ab 1750 Umdrehungen auf die Vorderachse. In einem Straßentest in Spanien spulte ein 308 mit diesem Triebwerk, bei relativ konstanten 60 km/h über 32 Stunden, immerhin 1810 Kilometer mit einer Tankfüllung ab. Das entspricht einem Verbrauch von 2,85 Litern auf 100 Kilometer. Natürlich fährt im normalen Leben kein Mensch so, aber allein die Möglichkeit lässt aufhorchen. Auf einer ersten eigenen Testfahrt und verbaut in einem 308 SW, verbrauchte der 1,2 l e-THP nach Aussage der Bordelektronik 6,8 Liter.

Spaß mit dem Driver Sport Pack

Dabei gab sich der Dreizylinder wesentlich laufruhiger und spritziger als preisgekrönte und bereits auf dem Markt befindliche Aggregate anderer Hersteller. Ab etwa 170 km/h fehlt ihm zwar ein wenig die Puste, aber die im Datenblatt vermerkten 199 km/h sind allemal drin. Allerdings dürfte das nicht die angezeigte Reisegeschwindigkeit für den großen Franzosen sein. Spaß macht er aber dennoch. Und der sportaffine Pilot kann sich den auch noch mit einem ganz besonderen Feature versüßen: dem Driver Sport Pack. Dahinter verbirgt sich ein Tippschaler, der neben der elektrischen Handbremse ruht. Wird der per Fingerdruck zum Leuchten gebracht, färbt sich die Skala der Rundinstrumente rot. Im Mitteldisplay erscheinen Balkendiagramme, die über Leistung, Ladedruck sowie Längs- und Querbeschleunigung informieren.

Die elektromechanische Lenkung wird straffer und der Soundgenerator überträgt ein Röhren in den Innenraum, das die sich verändernde Gaskennlinie und das Drehmoment in Richtung Sport eindrücklich untermauert. Für den Piloten bedeutet das in der Summe mehr Dynamik und Fahrspaß. Man mag jetzt trefflich darüber streiten, ob es schön wäre, wenn sich der getunte Motorklang auch nach außen übertragen würde. Tut er aber nicht. Die sportlichen Ambitionen des Fahrers werden also für die Umwelt nur durch die plötzlich rasante Fahrweise und ein vermutlich breites Grinsen sichtbar. Das Driver Sport Pack gibt es natürlich auch für Automatikgetriebe. Hier sind im Paket gleich noch die Lenkradpaddels enthalten. Allerdings wird das Spaßpaket nur in der höchsten Ausstattungslinie Allure angeboten und kostet noch einmal 450 Euro extra.

Neue Diesel für die Zukunft

Auch im neuen 2,0 l BlueHDi mit 150 PS könnte der Sportschalter verbaut werden. Der neue Diesel punktet als stärkster Selbstzünder mit einem CO2-Ausstoß von nur 99 Gramm pro Kilometer. Auch hier ist die Euro-6-Norm erfüllt. Wer sich für das Sechsgang-Automatikgetriebe entscheidet, profitiert von der neuen Quickshift-Technologie, die die Franzosen hier nutzen. Dabei werden die Gänge fast unmerklich und relativ flink über die sechs Stufen geschoben und in 10 Sekunden ist die 100-km/h-Marke geknackt. Mit Automatikgetriebe sollen 209 km/h in der Spitze erreicht werden. Wer hingegen mit dem Handschalter unterwegs ist, schafft sogar Tempo 211. Im Drittelmix versprechen die Franzosen hier lediglich einen Verbrauch von 4,2 Litern. Realistisch sind eher um die 6,0 Liter. Diese Zahl zeigte jedenfalls der Bordcomputer nach 134 Kilometern an.

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Der Innenraum wirkt auch in der Ausstattunsgslinie Active mit dem iCockpit aufgeräumt. Aber die Feinheiten zu Allure fehlen eben. (Foto: Holger Preiss)

Noch sparsamer soll sich der Dritte im Bunde geben: Der neue 1,6 l Blue-HDi SST mit 120 PS. Was auch ihm nach einer kurzen Testfahrt attestiert werden kann, ist, dass er ausreichend spritzig ist, um die Fuhre voranzutreiben. Mit einem maximalen Drehmoment von 300 Newtonmetern startet der Diesel flott durch und zeigt auch bei schnellen Überholmanövern keine Durchzugsschwäche. Überraschend ist bei beiden Dieselaggregaten die Laufruhe. Zwar knurrt der 120 PS Motor ein wenig kerniger als sein großer Bruder, aber keiner der beiden fängt bei der Testfahrt an, laut oder gar dröhnig zu werden. Mit einem CO2-Ausstoß von 88 Gramm je Kilometer erfüllt auch er die EU-6-Norm. Die Spitzengeschwindigkeit ist bei 197 km/h erreicht und der Spurt von 0 auf Tempo 100 gelingt in 12,1 Sekunden. Den Normverbrauch geben die Franzosen hier im Drittelmix mit 3,3 Litern an. Eine traumhafte Vorstellung, aber wie immer nicht real.

Erst Allure bringt Klasse

Alle drei Triebwerke sind für den 308 SW eine Empfehlung, weil eine Investition in die Zukunft. Wobei der 130 PS Benziner bei 22.450 Euro startet. Für den fast gleichstarken Diesel werden 2000 Euro mehr fällig. Beide Triebwerke gibt es erst in der Ausstattungslinie Active. Die bedeutet allerdings eine gewisse Einschränkung bezüglich des Premiumanspruchs, den Peugeot für seine neuen Autos in Aussicht stellt. Nicht, dass es das iCockpit nicht gäbe, das auf dem 9,7-Zoll-Display alle Bordfunktionen per Fingerstrich und -druck vereint. Nein, auch die Apps vom Coyote-Blitzerwarner bis hin zum Michelin-Reiseführer sind für einmal 360 Euro und dann jährlich 119 Euro erhältlich. Auch der Bordcomputer zwischen den Rundinstrumenten ist zu haben, nur in der einfachen Ausführung ohne Farbgrafik.

Die elektrische Feststellbremse fehlt und der Cupholder kann nicht mit einem feinen Rollo überzogen werden, wenn er denn unbenutzt bleibt. Auch der schlüssellose Zugang ist hier nicht im Preis enthalten, ein Start-Stopp-Knöpfchen gibt es nicht und auch die Parkpiepser sind nur mit zusätzlichen Investitionen zu bekommen. Nicht, dass das gut verarbeitete und wertig anmutende Innenleben des 308 SW dadurch ungemütlich wird oder gar leidet. Aber hat man erst mal einen Allure pilotiert, fallen diese fehlenden Kleinigkeiten doch schon ins Gewicht. Wer also das volle Programm will, der sollte für den Benziner 23.400 Euro einplanen, für den 120 PS starken Diesel 26.700 Euro und den Allure BlueHDi 150 Automatik ordentliche 29.250 Euro. Doch auch hier kann noch aufgestockt werden, wenn man die Rundumversorgung der Assistenzsysteme ordert: Adaptiver Geschwindigkeitsregler, automatische Gefahrenbremsung (aber nicht bis zum Stillstand), Frontkollisionswarner und das Kombiinstrument mit Punktmatrix in Farbe kosten 450 Euro. Das schönste Extra gibt es ebenfalls für 450 Euro: Ein Panoramadach, das mit 1,69 Quadratmetern seinesgleichen sucht. Wer so investiert, hat einen Kombi, der sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss.

Quelle: ntv.de

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