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Robuste Optik: Der A6 allroad gibt sich durch kratzfeste Radlaufeinfassungen und Seitenschweller zu erkennen.
Robuste Optik: Der A6 allroad gibt sich durch kratzfeste Radlaufeinfassungen und Seitenschweller zu erkennen.(Foto: Axel F. Busse)

Praxistest Audi A6 allroad quattro: Donnergrollen auf Tastendruck

Von Axel F. Busse

Ein Auto, das nicht mehr ganz Kombi und noch nicht SUV ist, hat Audi einst "allroad" getauft. Zwischenzeitlich gab es ihn auch als Limousine, jetzt nur noch als Avant-Modell. Wie der stärkste Diesel sich in der Praxis anfühlt, lesen Sie hier.

Fahrleistungen und Akustik des A6 allroad erreichen Sportwagen-Niveau.
Fahrleistungen und Akustik des A6 allroad erreichen Sportwagen-Niveau.(Foto: Axel F. Busse)

Hochbeinig und schwer beplankt, das sind auch in der dritten Auflage des Nobel-Kombis die Erkennungsmerkmale des A6 Avant allroad geblieben. Der Kombi mit Offroad-Ambitionen setzt sich mit robuster Optik von den anderen Modellen der Baureihe ab. Dunkel getönte Stoßfänger, verbreiterte Radläufe und Seitenschweller sorgen für einen robusten Auftritt. Die Karosserie ist um 60 Millimeter angehoben und ein solider Unterfahrschutz aus Edelstahl schützt empfindliche Teile an Bug und Heck.

Angetrieben wird der Testwagen vom Feinsten, was Audi derzeit an Dieselaggregaten zu bieten hat. Der doppelt aufgeladene V6 wirft sich mit 313 PS ins Zeug. Das ist exakt die Leistung, die Volkswagen zehn Jahre zuvor für seinen V10-TDI-Motor angab. Der brauchte aber fünf Liter Hubraum, um diese Kraft zu generieren. Genau 4432 ccm war ein BMW-Achtzylinder groß, aus dem die bayerischen Ingenieure zunächst 300, später 329 PS holten. Audi kommt mit drei Litern aus und hat damit die Schraube der Literleistung erneut angezogen. Das maximale Drehmoment von stolzen 650 Newtonmetern, das entscheidend ist für Spurtqualität und Durchzug, steht schon ab 1450 Umdrehungen zur Verfügung. Die Ziffer lässt ahnen, welchen Biss diese "Fein-Motorik" beim Kickdown des Gaspedals zu entfalten in der Lage ist.

Im Gelände höher, auf der Autobahn flacher

Die Aufpuff-Endrohre sind von einer Edelstahlblende eingefasst.
Die Aufpuff-Endrohre sind von einer Edelstahlblende eingefasst.(Foto: Axel F. Busse)

Statt eines Turboladers wie beim Vorgängermotor kommen nun zwei in Reihe geschaltete Verdichter zum Einsatz, wobei der kleinere von beiden dank nach wie vor variabler Schaufeleinstellung schon bei geringem Abgasstrom mit der Wirkung einsetzt. Ab etwa 2500 Umdrehungen öffnet sich das Turbinenumschaltventil, das den zweiten Lader mit in Betrieb setzt. Ab etwa 3500 Touren ist dann die größere der beiden Turbinen allein dafür zuständig, dass verdichtete Verbrennungsluft für optimale Leistungsausbeute sorgt.

Um bei diesem A6 den Hauch von Geländewagen authentisch zu untermauern, gibt es ihn nur mit Allradantrieb. Darüber hinaus erlaubt es die serienmäßige elektronisch geregelte Luftfederung, die Bodenfreiheit des Fahrzeugs nochmals um 35 Millimeter zu erhöhen. Auf der Autobahn senkt sich die Karosserie dagegen automatisch um 15 Millimeter ab, das vermindert den Luftwiderstand und so auch den Verbrauch.

Kraftvoller Klang

Über das MMI-System mit dem zentralen Drehknopf an der Mittelkonsole ist die Fahrwerks-Charakteristik von sehr komfortabel bis zu sportlich-dynamisch individuell zu regeln. Entsprechende Eingriffe zur Herstellung eines personalisiert abgestimmten Fahrgefühls sind auch für Lenkung, Achtgang-Automatik und den Motorsound möglich. Letzteres hat enormen Einfluss auf das Fahrvergnügen, denn der kraftvolle Klang ist dann nicht weit von den akustischen Qualitäten eines V8-Saugers entfernt.

Der 3-Liter-Biturbo macht den A6 zu einem der stärksten Diesel-Kombis weltweit.
Der 3-Liter-Biturbo macht den A6 zu einem der stärksten Diesel-Kombis weltweit.(Foto: Axel F. Busse)

Da die natürliche Geräuschentfaltung des Selbstzünders bekanntlich nicht sehr sportlich klingt, haben die Audi-Akustiker nachgeholfen. In die Abgasanlage ist ein so genannter Soundaktuator integriert, der beim Beschleunigen für einen völlig untypischen, aber sehr gehaltvollen Klangteppich sorgt. Wenn die Drehzahlnadel nach rechts kippt, bollert es aus den beiden Endrohren fast wie bei einem V8-Benziner. Mit sonorem Bass dumpf grollend, beim Hochdrehen energisch fauchend, erreicht der A6 Avant schon nach 5,3 Sekunden die Marke von 100 km/h. Kein Wert, den man unbesehen einem 4,90-Meter-Kombi zurechnen würde.

Vorbildliche Verarbeitungsqualität

Was Blechkleid und Motortechnik versprechen, muss die Innenarchitektur halten. Wer in den neuen Avant einsteigt, erkennt wesentlich mehr Veränderungen, als das Äußere für den flüchtigen Betrachter hergibt. Mit vorbildlicher Verarbeitungsqualität und originellen Detaillösungen hat Audi in der Vergangenheit die Erwartungen hoch geschraubt. Das Cockpit des neuen A6 musste aus zwei Gründen radikal umgebaut werden. Da der Haupt-Monitor immer mehr Informationen vermitteln soll, wurde seine Größe von 6,5 auf acht Zoll (etwa 20 Zentimeter) Bildschirmdiagonale angehoben.

Der versenkbare Monitor ist deutlich größer als der fest installierte des Vorgängermodells.
Der versenkbare Monitor ist deutlich größer als der fest installierte des Vorgängermodells.(Foto: Axel F. Busse)

So eine Mattscheibe ist aber nicht mehr unter dem Dach einer durchgehenden Schalttafelabdeckung zu verstecken. Also wurde der Monitor versenkbar konstruiert. Beim Anlassen des Motors kommt er horizontal aus seinem Versteck und richtet sich dann vertikal auf. Für den ausfahrbaren Monitor habe man sich entschieden, so erklärte es Michael Dick, unter dessen Ägide als Entwicklungsvorstand der aktuelle A6 entstand, um "den Mittelteil des Cockpits flach und schlank hinzubekommen".

Für Fahrer, die ihren A6 möglichst wirtschaftlich betreiben wollen, bietet der Bordcomputer eine Funktion, die Ehrgeiz und Spieltrieb gleichermaßen anspricht. Mit dem Momentanverbrauch kann man zugleich den aktuell errechneten Durchschnitt sehen, so dass die Fahrweise dem Ziel angepasst werden kann, den Spritkonsum stets unter dem Durchschnitt zu halten.

Mag das Äußere rustikal erscheinen, drinnen geht es edel zu. Der Testwagen zeigt, wo sich der Sparstrumpf schnell leeren lässt. Die Leder-Polsterung "Volcano" zum Beispiel kostet 2250 Euro extra. Gut zu leiden sind die Sportsitze vorn, die mit 635 Euro vergütet werden müssen. Die Rückfahrkamera mag mit 450 Euro noch relativ günstig erscheinen (auch wenn manche Kleinwagen sie ab bestimmten Ausstattungslinien schon in Serie mitliefern), doch die Kamera geht nicht ohne MMI-Navigation. Inklusive des neuen Touchpads mit Handschriften-Erkennung kostet dies aber 3500 Euro. Zum guten Ton führt schließlich die B&O-Soundanlage, deren versenkbare Hochtöner äußerst schick sind, die die Rechnung aber nochmals um 6000 Euro erhöht. Anspruchsvolle Kunden schaffen es immer wieder, den Fahrzeugpreis durch geschickte Anwendung der Ausstattungsliste zu verdoppeln.

Schönheit geht vor Nutzen

Die Fahrt im A6 allroad ist so unproblematisch wie angenehm. So präzise und anstrengungsfrei wie er sich dirigieren lässt, möchte man kaum glauben, dass der Fünftürer fast zwei Tonnen wiegt. Die Geräuschdämmung ist erstklassig, es sei denn, man holt sich bewusst und mit Tastendruck das Donnergrollen der Auspuffanlage herein. Das geschmeidige Achtgang-Getriebe kann zwar per Lenkrad-Paddel manuell bedient werden, aber wozu? Es schaltet so souverän und bedarfsgerecht, dass Eingriffe eigentlich nicht nötig sind. Blitzschnelles Zurückschalten statt Denkpause kennzeichnen die spontanen Leistungsanforderungen. Sie machen zwar Spaß, führen aber auch dazu, dass der Sechszylinder das Verbrauchsergebnis vom Prüfstand klar verfehlt. Der Bordcomputer errechnet 8,1 Liter im Schnitt für den 14-Tage-Testtörn.

Das Platzangebot für die Passagiere erweist sich als ausgesprochen üppig. Beim Kofferraumvolumen zeigen die Avants jeder Baureihe allerdings, dass Schönheit immer noch vor Nutzen geht. Es liegt mit 565 bis 1680 Litern nur auf Mittelmaß, ein Mercedes E-Klasse T-Modell zum Beispiel hängt den Audi mit 695 bzw. 1950 Litern klar ab. Wer einen Boots- oder Pferdeanhänger auf den Haken nehmen möchte, kann mit seinem A6 bis zu 2,5 Tonnen ziehen.

Fazit: Der A6 allroad quattro ist eine gelungene Synthese aus Naturbursche und Luxus-Karosse. Auf der Straße bietet er Beförderungskomfort auf höchstem Niveau, kann sich aber dank der erhöhten Bodenfreiheit auch mal im Unterholz verstecken, wenn dem Fahrer danach ist. Das Vergnügen, ihn zu fahren, ist kostspielig, aber Empörung über die Aufpreispolitik hat wenig Sinn. Der Markt akzeptiert sie und das ist nun mal der Maßstab. "Am Ende des Tages", sagt Ex-Vorstand Michael Dick, der seine berufliche Laufbahn bei Audi 1977 in der Qualitätssicherung begann, "zählt immer die Gesamt-Komposition".

DATENBLATTAudi A6 allroad quattro
Abmessungen LxBxH4,94/ 1,90/ 1,47 m
Radstand2,91 m
Leergewicht (DIN)1985 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen (normal / Rückbank umgeklappt)565 l / 1680 l
Maximale Zuladung575 kg
Motor/HubraumV6-Zylinder Turbodiesel-Motor mit 2967 ccm
Getriebe8-Gang automatisch
Leistung313 PS bei 3900 - 4500 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllrad permanent
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
max. Drehmoment650 Nm bei 1450 - 2800 U/min
Tankinhalt75 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h5,6 sek
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)7,9  l / 6,0 l /6,7 l
Testverbrauch8,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
176 g/km
Grundpreis62.100 Euro
Preis des Testwagens91.869,99 Euro

Quelle: n-tv.de

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