Unterhaltung
Oli Schulz und Jan Böhmermann sind als Radio-Duo brillant, im Fernsehen müssen sie's erst werden.
Oli Schulz und Jan Böhmermann sind als Radio-Duo brillant, im Fernsehen müssen sie's erst werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Wo bleibt eigentlich das Koks?: Bromance: "Schulz & Böhmermann"

Von Anna Meinecke

An Jan Böhmermann kommt man in der deutschen Medienlandschaft nicht vorbei. Wenn er nicht gerade als POL1Z1STENS0HN rappt, erweist er sich als pfiffiger Gesprächspartner. Mit Liedermacher Olli Schulz lädt er zum Talk.

Es wird geraucht, getrunken und sich ins Wort gefallen. Ein komplett neues Konzept also, wie Jan Böhmermann gleich zu Beginn seiner neuen Talk-Show selbstironisch anmerkt. "Schulz & Böhmermann" muss sich zuallererst einmal nicht an anderen Formaten, sondern an seiner eigenen Vorgängerversion messen.

2012 mischte Böhmermann an der Seite von "Bumsbuchtante" Charlotte Roche die Medienlandschaft auf. "Roche & Böhmermann" hieß die ungewöhnliche Gesprächsrunde, die mit der Schulz-Version mehr als nur den ähnlichen Namen gemein hat. Man trennte sich wegen interner Unstimmigkeiten. Nun hat das ZDF seinem Goldjungen Böhmermann ein neues Gegenüber gefunden: Musiker Olli Schulz. Das Duo moderiert bereits seit über drei Jahren gemeinsam die Radiosendung "Sanft & Sorgfältig".

"Sonst foltern dich die Taliban"

Vielleicht ist das ein wenig das Problem: Man kennt sich einfach schon zu gut - und man kennt auch einige Späße. "Hallöchen, wir sind's, Joko und Klaas", grüßen Schulz und Böhmermann etwa zu Beginn ihrer Show in die Kamera. So hatten sie einst auch im Radio begonnen. Und wenn Schulz mit "sonst foltern dich die Taliban" eine Antwort einfordert, dann kommt einem das unangenehm bekannt vor.

"Wir versuchen hier so'n echtes Gespräch", erklärt Böhmermann in den ersten Minuten der Sendung. Würden sich die Moderatoren nicht so königlich über ihre eigenen Witze amüsieren und sich tatsächlich um ihre Gäste bemühen, hätte das - wir wissen es aus der Vergangenheit - auch klappen können.

Selbstverständlich geht Hochstapler Gert Postel in den Verteidigungsmodus, wenn ihm forsch unterstellt wird, dass mit ihm "was nicht stimmt". Selbstverständlich rührt Medienprofi Jörg Kachelmann neben all den Anklagen, die er hier nicht zum ersten Mal vorbringt, die Werbetrommel für seine Wetter-Website.

Intimität unter Fremden

Til Schweigers Drehbuchautorin Anika Decker sagt nicht viel, außer, dass es der Til mit all seinen Ausrufezeichen nur gut meint und dass sie keine Lust hätte, für den "Tatort" zu arbeiten: "Ganz ehrlich, von der Gage kann man einmal Mittagessen gehen." Rapper Kollegah alias Felix Blume, der eingangs noch nach dem Koks zur Zigarre gefragt hatte, wirkt plötzlich fast bodenständig. Er ist ohnehin der Einzige, der die Show verstanden zu haben scheint. Er fragt klug nach, macht seine eigenen Späße, fährt auch mal etwas die Ellbogen aus.

"Schulz & Böhmermann" kann großartig werden - und das nicht nur mit einem neuen Max-Herre-Eklat. Vor der minimalistischen Studiokulisse entsteht für Momente tatsächlich so etwas wie Intimität. Wenn Blume sich darauf konzentriert, konzentriert zu gucken, oder wenn Kachelmann temporäre Unsicherheit weglächelt, dann fühlt der Zuschauer sich näher dran am Gespräch, als es Interviews für gewöhnlich zulassen. Wenn sie jetzt nur noch die fürchterliche Off-Stimme von Sibylle Berg abschaffen ...

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen