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Man kennt sich: Lucky Luke ist wiedermal hinter den Daltons her.
Man kennt sich: Lucky Luke ist wiedermal hinter den Daltons her.(Foto: Lucky Comics 2012)
Montag, 01. April 2013

Lucky Luke reitet, "Texas Cowboys" schießen: Die Daltons sind zurück

Von Markus Lippold

Wenn die Gebrüder Dalton wieder einmal ausbrechen und den Wilden Westen unsicher machen, muss Lucky Luke ein wachsames Auge haben. Wobei er in seinem neuen Abenteuer eigentlich vier Augen bräuchte. Viel blutiger geht es derweil bei den "Texas Cowboys" zu. Da wird gehauen, gestochen und geschossen bis das Blut spritzt. Spaß macht das trotzdem.

Die vier Daltons gehen getrennte Wege.
Die vier Daltons gehen getrennte Wege.(Foto: Lucky Comics 2012)

Billy the Kid? Jesse James? Butch Cassidy und Sundance Kid? Ach was. Die miesesten, die gefährlichsten, die gefürchtetsten Gesetzlosen des Wilden Westens heißen Joe, William, Jack und Averell. Es sind die Dalton-Brüder, denen keine Postkutsche schnell genug, kein Safe sicher genug und keine Gefängnismauer hoch genug sind. Marodierend ziehen sie durch Wüste und Prärie - nur um am Ende wieder an sich selbst zu scheitern. Und an Lucky Luke.

"Auf eigene Faust" heißt der neueste Band um den legendären Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten. Nachdem er es zuletzt mit der Politik und den Detektiven von Pinkerton zu tun bekam und endlich auch das Geheimnis um seine Herkunft gelüftet wurde, ist diesmal wieder ein Abenteuer mit den Daltons dran. Wobei sie diesmal nicht in geballter Form auftreten, sondern einzeln. Denn es herrscht Zoff und den Brüdern.

Lucky Luke ist wiedermal schnell unterwegs.
Lucky Luke ist wiedermal schnell unterwegs.(Foto: Lucky Comics 2012)

Nachdem ein Überfall auf einen Goldtransport wieder einmal ordentlich danebengegangen ist, zweifeln die jüngeren Brüder am Führungstalent von Joe. So kommt es zu einer Abmachung: Derjenige, der als Erster eine Million Dollar erbeutet hat (damals immerhin eine astronomisch hohe Summe), wird der uneingeschränkte Anführer der Gangsterbande. Also machen sie sich auf den Weg, mit wechselndem Glück. Doch bald heftet sich wieder einmal Lucky Luke an ihre Fersen - auch wenn der Cowboy bald selbst mit dem Gesetz in Konflikt kommt und hinter Gittern landet.

Achdé, der nach Morris' Tod, dem Schöpfer von "Lucky Luke", den Zeichenstift  übernommen hat, nimmt sich mit diesem Band einiges vor. Bereits zum zweiten Mal (nach "Die Daltons in der Schlinge") reaktiviert er die tollpatschig-charmanten Brüder, die trotz ihrer gewissenlosen Taten viele Fans haben. Dass ihn dabei mit Daniel Pennac und Tonino Benacquista zwei Szenaristen unterstützen, ist begrüßenswert, war doch der letzte Band "Lucky Kid", den Achdé allein verantwortete, eher mittelmäßig.

"Lucky Luke - Auf eigene Faust" ist als Softcover für 5,95 Euro und als Hardcover für 12 Euro erhältlich.
"Lucky Luke - Auf eigene Faust" ist als Softcover für 5,95 Euro und als Hardcover für 12 Euro erhältlich.

Diesmal jedoch gelingt dem äußerst sympathischen Zeichner und den beiden Autoren ein rundum gelungenes Abenteuer, das in seinen besten Momenten an die meisterhaften Werke von Morris und René Goscinny erinnert. Schon die Grundidee, die vier Daltons getrennte Wege gehen zu lassen, ist toll. Zwar verliert die Geschichte durch die vier Stränge an Stringenz, doch das wird durch Wort- und Bildwitz wieder aufgewogen. "Lucky Luke"-Kenner werden sich an kleinen Anspielungen auf frühere Werke erfreuen, während andere Leser Anleihen an die "Pate"-Filme mit Genuss zur Kenntnis nehmen werden. Und dass die wundervolle Ma Dalton einen Auftritt erhält, ist ein Sahnehäubchen obendrauf.

Zeichnerisch schließt Achdé mittlerweile ohnehin nahtlos an Morris an. Wobei er durch das  Spiel mit Farben und Schatten eine eigene Nuance mit einbringt. Hinzu kommt, dass diesmal auch die Geschichte zu überzeugen weiß. Die Serie dürfte davon profitieren, wenn sich ein fester Autorenstamm des Szenarios annimmt. Der mittlerweile 90. Band von "Lucky Luke" beweist, was bisher die Hoffnung vieler Fans war: Lucky Luke sitzt fest im Sattel, man muss sich - anders als bei "Asterix" - keinerlei Sorgen um die Zukunft des Cowboys machen. "Lucky Luke" dürfte so gleichzeitig alte Fans ansprechen, aber auch neue hinzugewinnen.

Lucky Luke, Band 90, "Auf eigene Faust" bei Amazon bestellen.

"Texas Cowboys"

Wo sich "Lucky Luke" mit seinen Witzen und der betonten Gewaltlosigkeit eher an ein junges Publikum richtet, geht ein anderer Western-Comic wesentlich handfester zur Sache. Man könnte auch sagen, "Texas Cowboy" habe es mehr mit italienischen Spaghetti-Western als mit sauberen Cowboyfilmen aus Hollywood. Oder, wie es der Verlag ganz treffend umschreibt: "Texas Cowboys" ist eine Hommage an Wildwest-Groschenromane.

Wenn man es mit Texas Cowboys zu tun bekommt, sollte man besser aufpassen.
Wenn man es mit Texas Cowboys zu tun bekommt, sollte man besser aufpassen.

Im Mittelpunkt steht der Bostoner Journalist Harvey Drinkwater. Der wird dazu verdonnert, in den Wilden Westen zu reisen und von dort möglichst bluttriefende Artikel über das Wilde im Westen zu schicken. Es geht nach Fort Worth, zum berüchtigten "Hell's Half Acre". In dem Saloonbezirk der Stadt, der direkt am berühmten Chisholm Trail liegt, findet sich Drinkwater denn auch schnell zwischen skrupellosen Verbrechern, machtlosen Sheriffs und einer gerissenen Frau am Pokertisch wieder. Wobei jeder eigene Ziele verfolgt und dabei recht wenig Rücksicht auf andere nimmt. Das gilt vor allem für den gesuchten Gangster Sam Bass, in dessen Bande Drinkwater schließlich landet.

"Texas Cowboys" ist kein Comic, der sich möglichst realistisch mit dem Wilden Westen auseinandersetzen will. Aber er ist ein großartiger, dreckiger Reißer, in dem gehauen, gestochen und geschossen wird. Die Gewalt, die meist völlig überraschend kommt, ist teils explizit, ohne dabei aufgesetzt oder voyeuristisch zu wirken. Sicher: Der Band erfindet das Western-Rad nicht neu, ist aber eine willkommene Abwechslung und macht tatsächlich sehr viel Spaß. "Texas Cowboys" ist deshalb eine große Empfehlung an alle (schon etwas älteren) Western-Fans.

"Texas Cowboys" ist bei Salleck Publications erschienen. Das Hardcover mit 152 Seiten kostet 20 Euro (D).
"Texas Cowboys" ist bei Salleck Publications erschienen. Das Hardcover mit 152 Seiten kostet 20 Euro (D).

Dass keine Langeweile aufkommt, liegt vor allem am Szenario von Lewis Trondheim, einem der bekanntesten Comickünstler Frankreichs. Er erzählt die Geschichte in neun Kapiteln - die im renommierten Magazin "Spirou" vorabgedruckt wurden. Trondheim verschachtelt die Handlung, lässt sie vor- und zurückspringen oder montiert sie parallel. Aber keine Angst, man kann der Geschichte sehr gut folgen. Es macht sogar Spaß, beim nochmaligen Lesen neue Nuancen zu entdecken. Zumal Trondheim immer wieder eine neue Wendung der Geschichte einfällt.

Für die Zeichnungen ist Matthieu Bonhomme zuständig. Er zeichnet mit klarer Linie und viel Dynamik, sorgt aber auch mit Schattierungen und Farbspielen für Abwechslung. Vor allem die Kolorierung mit roten, braunen und beigen Tönen sorgt dabei für ordentlich Western-Atmosphäre.

"Texas Cowboys" bei Amazon bestellen. Eine kurze Leseprobe gibt es auf der Seite des Verlages.

"Der letzte Mohikaner"

Zu guter Letzt noch eine Literaturadaption. Wobei man natürlich diskutieren kann, ob es sich hierbei um einen Western handelt oder eher um klassische Abenteuerliteratur. Immerhin geht es in "Der letzte Mohikaner" aber um den Kampf um die Herrschaft über die - aus Sicht der Siedler - noch unentdeckten Gebiete im Westen der USA.

"Der letzte Mohikaner" ist bei Brockhaus erschienen. Das Hardcover mit 58 Seiten kostet 12,95 Euro (D).
"Der letzte Mohikaner" ist bei Brockhaus erschienen. Das Hardcover mit 58 Seiten kostet 12,95 Euro (D).

Den Stoff von James Fenimore Cooper muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. Millionen Leser und auch Kinogänger haben bereits die Abenteuer von Chingachgook, Uncas und Lederstrumpf miterlebt. Sie haben mit den Generalstöchtern Alice und Cora gelitten, die in die Fänge des Huronen Magua geraten. Und sie haben Tränen vergossen, wenn Uncas, der Letzte seines Stammes, stirbt.

Zeichner Marcel Uderzo, der Bruder des Asterix-Miterfinders Albert, nimmt sich zusammen mit Texter Marc Bourgne der klassischen Geschichte an. Dass sie auf knapp 60 Seiten (inklusive eines achtseitigen Anhangs über Cooper und seine Zeit) nicht die gesamte Komplexität des Romans wiedergeben können, ist einleuchtend. Entsprechend textlastig kommt das Buch stellenweise daher. Doch trotz der vielen Erklärungen und wortreichen Dialoge hakt es noch hier und da. Immer wieder gibt es Handlungssprünge, die das Lesevergnügen einschränken.

Schade ist vor allem, dass so wenig Vertrauen in die Bilder gelegt wird. Viel zu oft sind sie lediglich Illustrationen des Textes, ohne eigene Berechtigung. Dabei könnten gerade die Bilder auf einer zweiten Erzählebene neben dem Text die Komprimierung des Stoffes auffangen. Hinzu kommen Fehler, die den Eindruck vermitteln, dass hier möglichst schnell gearbeitet wurde. Da fehlt etwa bei Uncas plötzlich die Jacke, die er grade noch getragen hat, nur um dann im nächsten Bild unvermittelt wieder aufzutauchen. Und auch bei anderen Darstellungen wurde nicht allzu viel Aufwand betrieben. Das sieht man nicht zuletzt an dem ungünstig gewählten Covermotiv.

Das freilich sind Details, die eher einem erfahrenen Comic-Leser auffallen. Zielgruppe des Bandes sind jedoch Kinder ab zehn Jahren, die an Werke der Weltliteratur herangeführt werden sollen - ähnlich früheren Projekten wie den "Illustrierten Klassikern". Die anvisierten Leser dürften von der Geschichte, die seit fast zwei Jahrhunderten Leser in ihren Bann zieht, angetan sein. Dafür bietet sie genug Abenteuer und Spannung. Ob der Comic dann wirklich zur Lektüre des Romans anregt, ist aber schon wieder eine ganz andere Frage.

Mittlerweile sind 14 Werke in der Literaturcomic-Reihe erschienen. Die Palette reicht von "Oliver Twist" und "Das Dschungelbuch" über "Don Quijote" und die "Odyssee" bis "Geschichten aus 1001 Nacht" und "Quo vadis?". Leseproben dazu gibt es auf der Seite des Verlages.

"Der letzte Mohikaner" bei Amazon bestellen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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