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Wieder auf der großen Leinwand vereint: Asterix und Obelix, diesmal gesprochen von Milan Peschel und Charly Hübner.
Wieder auf der großen Leinwand vereint: Asterix und Obelix, diesmal gesprochen von Milan Peschel und Charly Hübner.
Dienstag, 24. Februar 2015

"Im Land der Götter": Asterix gegen die Romanisierung Galliens

Von Markus Lippold

Kulturimperialismus à la Rom: Caesar will die unbeugsamen Gallier mit subtilen Mitteln besiegen. Asterix und Obelix kämpfen dagegen an - im seit Langem lustigsten Film der Reihe und erstmals in 3D. Sogar ein bisschen aktuelle Politik ist dabei.

"Asterix ist da!" Wer die alten Zeichentrickfilme mit dem schlauen Gallier und seinem überhaupt nicht dicken Freund Obelix gesehen hat, erinnert sich auch an den Titelsong aus "Asterix: Sieg über Cäsar". Jene Asterix-Verfilmungen begeisterten schließlich ganze Generationen von Kinogängern. Nach ein paar schwachen Trickfilmen und wenig überzeugenden Realfilmen ist der wackere Krieger nun wieder da.

Caesar will die Gallier brechen - in diesem Fall durch Kulturimperialismus.
Caesar will die Gallier brechen - in diesem Fall durch Kulturimperialismus.(Foto: 2014 M6 STUDIO / BELVISION / M6 FILMS / SNC / LES ÉDITIONS ALBERT RENÉ / GOSCINNY-UDERZO )

Optisch runderneuert, digital und in 3D präsentieren sich die Gallier in "Asterix im Land der Götter". Zugrunde liegt mit "Die Trabantenstadt" ein klassisches Album, das von René Goscinny getextet und von Albert Uderzo gezeichnet wurde. Es gehört zu den besten Alben über das widerständige Dorf der Gallier und der Film, der allerdings ein paar Änderungen vornimmt, profitiert davon, denn es ist die lustigste Asterix-Verfilmung seit Langem.

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das neue Aussehen der Figuren. Die 3D-Effekte verpassen ihnen eine kugelige Räumlichkeit, die man weder aus den Alben noch aus den klassischen Zeichentrickfilmen kennt. Die Charaktere wirken glatter und durchgestylter, was nicht zum unangepassten Leben der Gallier passen will.

Ein grandioses Durcheinander

Gleich zu Beginn trumpft der Film mit einer actionreichen und witzigen Wildschweinjagd auf.
Gleich zu Beginn trumpft der Film mit einer actionreichen und witzigen Wildschweinjagd auf.(Foto: 2014 M6 STUDIO / BELVISION / M6 FILMS / SNC / LES ÉDITIONS ALBERT RENÉ / GOSCINNY-UDERZO )

Doch während einige alte Asterix-Fans die Nase rümpfen werden wie Obelix beim Anblick von Wildschwein in Pfefferminzsoße, dürften junge Zuschauer, die das Asterix-Universum neu entdecken, die Figuren schnell ins Herz schließen. Ohnehin punktet "Asterix im Land der Götter" vor allem durch seinen Humor.

Jenes "Land der Götter" ist jedoch kein jenseitiges Paradies, in dem Ambrosia in Strömen fließt. Es ist der Name einer Wohnsiedlung, die Caesar in der Nähe des berühmten gallischen Dorfes bauen lassen will. Wenn die Gallier sich denn partout nicht romanisieren lassen wollen, dann kommt Rom eben zu ihnen, ob sie wollen oder nicht. Siedeln sich erstmal römische Bürger in dem Landstrich an, so der Gedanke des Imperators, werden sich die Unbeugsamen ganz von alleine anpassen.

Obelix freundet sich mit einem römischen Jungen an - bei den gallischen Helden ging es eben schon immer um ein friedliches Zusammenleben.
Obelix freundet sich mit einem römischen Jungen an - bei den gallischen Helden ging es eben schon immer um ein friedliches Zusammenleben.(Foto: 2014 M6 STUDIO / BELVISION / M6 FILMS / SNC / LES ÉDITIONS ALBERT RENÉ / GOSCINNY-UDERZO )

Ganz so leicht ist es aber nicht, denn natürlich haben Asterix, Obelix und Idefix etwas dagegen. Gerade der kleine Hund gilt ja als Vorkläffer in Sachen Umweltschutz und dass in seinem Wald Bäume gefällt werden für die Hochhäuser, geht nun gar nicht. Also nehmen die Gallier den Kampf auf gegen Baumeister Quadratus und seine todesmutigen Soldaten. Es entspinnt sich ein grandioses Durcheinander, in dem Gallier zu Römern werden, Römer zu Galliern und Asterix, Obelix und Miraculix sich ziemlich anstrengen müssen, um nicht den Überblick zu verlieren.

Gegen die Romanisierung

So viel Spaß hatte man lange nicht in einem Asterix-Film. Das beginnt beim Vorspann, der an die gezeichneten Pink-Panther-Intros erinnert. Und es geht weiter mit einer witzigen Wildschweinjagd, sprechenden Namen wie Anus, mit Römern, die bei Prügeleien im Walzertakt durch die Luft fliegen und mit römischen Sklaven, die eine Gewerkschaft gründen und erstmal über Freiheitsbegriff und Arbeitsbedingungen diskutieren wollen. Die ganze Palette ist vorhanden: von Kalauern und Slapstick, die vor allem junge Zuschauer begeistern dürften, bis zu Wortspielen und subtilen Anspielungen etwa auf "Der Herr der Ringe".

Dass der Film dann auch noch eine aktuelle gesellschaftliche Debatte anschneidet, haben die Macher sicher nicht geahnt. Denn im Kampf gegen die Romanisierung geht es natürlich auch um die Wahrung der eigenen kulturellen Identität und Lebensgewohnheiten. Die Römer bringen zwar Betonbauten, Bäder und Abwasserleitungen - doch wollen die Gallier dafür das aufgeben, was sie ausmacht: ihre Kultur? Einer klaren Antwort entzieht sich der Film freilich, er hat ja keinen politischen Anspruch. Doch wer Asterix kennt, weiß schon genau, was er zu Pegida sagen würde.

"Asterix im Land der Götter" ist ein sehr gelungener Neustart der Filmserie, der vor allem von der hervorragenden Vorlage profitiert. Dass er schneller und actionreicher ist als die alten Trickfilme, ist auch klar - man geht eben mit der Zeit. Der Film leistet sich aber auch immer wieder ruhige Momente, die ihn von vielen US-amerikanischen Animationsfilmen abheben. Nachdem bereits die Albenreihe mit neuen Künstlern an Bord ein gelungenes Comeback hingelegt hat (der nächste Band folgt im Herbst), ist dieser Film eine weitere gute Nachricht aus dem Dorf der unbeugsamen Gallier.

"Asterix im Land der Götter" startet am 26. Februar in den deutschen Kinos.

Zum Kinostart ist die Comicvorlage in einer Sonderausgabe mit 16 zusätzlichen Seiten erschienen: "Asterix - Die Trabantenstadt" bei Amazon bestellen. Die normale Ausgabe ist auch bei iTunes erhältlich.

Quelle: n-tv.de

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