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Hänsel und Gretel sind erwachsen geworden. Ihr Beruf: Hexenjäger.
Hänsel und Gretel sind erwachsen geworden. Ihr Beruf: Hexenjäger.(Foto: Paramount Pictures)

Brutal, blutig, bitterböse - und nur für Erwachsene: "Hänsel und Gretel: Hexenjäger"

Von Thomas Badtke

"Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?" Diese Frage kennt jedes Kind. Das dazugehörige Märchen auch. Aber was wurde eigentlich aus Hänsel und Gretel, nachdem sie die Hexe überlistet und im Ofen verbrannt haben? Das berühmteste Geschwisterpaar der Märchengeschichte hat nun eine wirkliche Profession.

Gretel hat ihre tödliche Waffe immer griffbereit. Eine doppelläufige Armbrust ist keine Hexerei.
Gretel hat ihre tödliche Waffe immer griffbereit. Eine doppelläufige Armbrust ist keine Hexerei.(Foto: Paramount Pictures)

Es war einmal ... So beginnt jedes klassische Märchen, auch das von Hänsel und Gretel. Die Geschichte des Geschwisterpaares, das von ihrem Vater im dunklen Wald ausgesetzt wird, gehört zu den bekanntesten der Gebrüder Grimm. Seit 200 Jahren verbreitet es Angst und Schrecken, bei Klein und Groß. Dafür verantwortlich ist die böse Hexe, die in einem zuckersüßem Lebkuchenhaus wohnt. Als Hänsel und Gretel von den Leckereien am Haus probieren, taucht das garstige Weib auf. "Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?" - und schon lockt sie die Geschwister herein und nimmt sie gefangen. Schließlich haben auch Hexen Hunger und müssen etwas spachteln. Am Ende siegt natürlich das Gute, die böse kinderfressende Hexe wird von Hänsel überlistet und landet im Ofen. "Burn, baby, burn!" Aber: Was wird danach aus dem Geschwisterpaar? Wie geht es mit ihnen weiter?

Hänsel (Jeremy Renner; "The Town", "Das Bourne-Vermächtnis", "The Avengers") und Gretel (Gemma Arterton; "James Bond: Ein Quantum Trost", "Kampf der Titanen") sind erwachsen. Er stattlich gebaut, muskulös, Hans Dampf in allen Gassen, ein Draufgänger, wie er im Buche steht - und immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Sie lässt mit ihrem Aussehen jede Prinzessin erblassen und könnte die Schönste im ganzen Märchenland sein - wenn da nicht ihr Beruf wäre: Hexenjägerin. Hänsel und Gretel sind die Gefährlichsten ihrer Zunft und natürlich die Erfolgreichsten. Wann immer irgendwo ein Kind im Wald verschwindet und eine böse Hexe ihr Unwesen treibt, stehen Hänsel und Gretel bereit, um sie mit ihren hochmodernen mittelalterlichen Waffen zu jagen und zur Strecke zu bringen. Vor allem Gretels doppelläufige Armbrust flößt dabei Respekt ein. Jeder Schuss ein Treffer. Bei Hänsel darf es da schon etwas mehr Bums sein, entsprechend groß fällt sein selbst entwickelter Ballermann aus.

Je größer, desto besser: Hänsel steht auf Durchschlagskraft.
Je größer, desto besser: Hänsel steht auf Durchschlagskraft.

Die Durchschlagskraft ihrer Waffen brauchen die beiden auch, als sie in Augsburg auftauchen. Jawohl, Augsburg. Dort sind bereits elf Kinder verschwunden und eine rothaarige Frau wird der Hexerei bezichtigt und soll verbrannt werden. Hänsel befreit sie, denn ein geübter Blick auf ihr perfektes Gebiss hat bewiesen, dass sie keine Hexe ist. Die scheuen nämlich Zahnbürste, Zahnseide und Zahnarzt wie der Teufel das Weihwasser. Ihre Zähne sind deshalb die perfekte Anti-Raucher-Werbung und so schwarz wie die Seelen der Hexen selbst. Dennoch: Dem Geheimnis der verschwundenen Kinder muss nachgegangen werden!

Lange suchen müssen Hänsel und Gretel nicht. Hinter all dem Leid in Augsburg steckt die formwandelnde Hexe Muriel (Famke Janssen; "Species", "X-Men"-Reihe). Die hat Großes mit den Kindern vor. Das Opfer der kleinen Plagegeister - ihre Herzen sollen bei einer schwarzen Messe während eines Blutmondes herausgeschnitten werden - soll Muriel immun machen gegen Feuer. So einfach verbrennen im Ofen? Kannst du danach vergessen! Schöne neue grausame Welt …  Muriel fehlt nur noch ein Herz, ein ganz besonderes, das von Gretel.

Krach, Bumm, die Hexen sind tot

Wenn Jakob und Wilhelm Grimm wüssten, was der norwegische Regisseur und Hollywood-Neuling Tommy Wirkola ("Dead Snow") aus ihrem ursprünglichen Märchen gemacht hat, sie würden ihm zum Grimmschen Bruder ehrenhalber ernennen. Wahrscheinlich würden sich die beiden auch fragen, wieso sie nicht selbst auf solch eine grandiose Idee gekommen sind. Ihre Popularität wäre schier ins Unermessliche gestiegen. Sie wären ihrer Zeit weit vorausgewesen. Visionäre! Aber stattdessen dauert es sage und schreibe 200 Jahre, bis es einer wagte, die Geschichte von Hänsel und Gretel weiterzuspinnen und aus Märchenstroh Filmgold zu machen.

So schön kann das Böse sein: Formwandlerin Muriel in ihrer "menschlichen" Form.
So schön kann das Böse sein: Formwandlerin Muriel in ihrer "menschlichen" Form.(Foto: Paramount Pictures)

"Hänsel und Gretel: Hexenjäger" wird garantiert ein Erfolg an den Kinokassen. So viel ist mal sicher. Das liegt zum einen an dem bekannten Märchenstoff, aber vor allem an dem grandiosen Fortsetzen der Story. Hänsel und Gretel blieb nach der Ermordung der Kannibalen-Hexe gar nichts anderes übrig, als Hexenjäger zu werden. Hänsel als Holzfäller wie sein Vater? Gretel als Hausfrau? Langweilig. Stattdessen werden sie die Helden des Märchenwaldes. Von allen geliebt und verehrt. Wirkola kreiert dafür extra die Rolle des Jugendlichen Ben (Thomas Mann, ja wirklich; "Project X"), Er ist so etwas wie der größte Fan der beiden, sammelt jeden Schnipsel über seine Idole, den er in den damaligen Klatschblättern so finden kann. Natürlich ist er in Gretel verliebt. Und logisch: Ben läuft den beiden über den Weg - und muss ihnen im immerwährenden Kampf Gut gegen Böse beistehen. Wenn da mal nicht schon der Start einer erfolgreichen Filmreihe winkt?

Visuelles Meisterwerk

Verdient hätte es Wirkola. Er hat "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" zu einem genreübergreifenden Filmerlebnis gemacht. Zwar nicht für die ganze Familie - die Kleinsten sollten lieber draußen bleiben -, aber doch für alle Erwachsenen und Junggebliebenen oder zumindest für all die, die nicht allergisch auf allzuviel Kunstblut reagieren. Der Film vereint Horror-, Fantasy- und Actionelemente. Nie waren Hexen so bitterböse und so abgrundtief hässlich und furchteinflößend. Nie flogen sie auf ihren knatternden Besen schneller durch die dunklen Waldwipfel.

Gleichzeitig schafft es Wirkola aber auch, dem Ganzen eine satte Prise Humor zu verpassen, pechschwarz wie das Haar der Hexen. Comedy-Elemente sind allgegenwärtig. Und klar: Auch "Drama, Baby, Drama" und Liebe gibt es im Märchenwald. Apropos: Der Wald im Film stammt übrigens aus Deutschland. In den grünen Untiefen um Bamberg und Braunschweig wurde gedreht. Den letzten Schliff gab es im Studio Babelsberg.

Viel Deutsches im und am Film

Deutsche Märchenidee, deutsche Drehorte - dann natürlich auch deutsche Musik. Hans Zimmers Firma ist für den Score zuständig. Ein Hesse, wie die Gebrüder Grimm auch, der mit seinen Kompositionen der ganzen Stimmung noch das gewisse gruselige Etwas verleiht. Der nächste Ohrwurm nach dem Kino ist gewiss.

Dass "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" auch visuell im Gedächtnis bleibt, dafür sorgen neben dem Special-Effects-Feuerwerk, den Kostümen und Hexenfratzen aber vor allem die Hauptdarsteller. Brenner, bereits zwei Mal Oscar-nominiert und einer der neuen Actionheros Hollywoods, und Arterton, britisches Understatement, verpackt in ein wunderschönes Äußeres, spielen das Geschwisterpaar im Film. Sie könnten es aber auch in Wirklichkeit sein - sie necken und zoffen sich, wo es nur geht. Wenn die Kacke aber sprichwörtlich am Dampfen ist und es hart auf hart kommt, halten sie zusammen wie Pech und Schwefel und nicht wie Goldmarie und Pechmarie. Die beiden Figuren und ihre Darsteller ergänzen sich perfekt. Das erkennt der Zuschauer sofort. Die Chemie stimmt. Und auch Famke Janssen überzeugt: Die Rolle der formwandelnden Hexe ist ihr auf den Leib geschrieben. Bereits in "Species" wusste sie, mit ihren tödlichen Reizen zu überzeugen.

Ach ja, 3D gibt es natürlich auch. Und zur Abwechslung lohnt sich dieser Effekt auch. Zwischendrin hat man als Zuschauer wirklich das Gefühl, sich im Märchenwald zu verlieren. Nur nachts will man dort wirklich nicht sein. Es sei denn, man ist Hexenjäger. Und wenn sie nicht gestorben sind ... dann jagen sie auch noch in der Fortsetzung.

"Hänsel und Gretel: Hexenjäger" (Paramount Pictures) läuft ab 28. Februar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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