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Wolf oder Wölfchen? Moritz Bleibtreu als Urs auf Pilzen in "Die dunkle Seite des Mondes".
Wolf oder Wölfchen? Moritz Bleibtreu als Urs auf Pilzen in "Die dunkle Seite des Mondes".(Foto: Alamode Film/Felix Cramer)

"Die dunkle Seite des Mondes": Moritz Bleibtreu entdeckt seinen Killerinstinkt

Von Anna Meinecke

Ist der Mensch gut oder böse? Und vor allem: Ist er schuld? Halluzinogene Pilze lassen Urs in "Die dunkle Seite des Mondes" völlig abdrehen. Moritz Bleibtreu gibt dem Killer ein Gesicht.

Stößchen! Urs Blank hat es gut. Er gehört zur Frankfurter Wohlstandselite. Bei Tag trickst er seine Mandanten als Wirtschaftsanwalt zum Erfolg, am Abend wird mit der Galeristinnen-Gattin und den nicht minder illustren Freunden angestoßen. "Auf den Stillstand!", prostet Urs in die Runde. Da ist er schon in voller Fahrt.

Mit minimalistischem Wahnsinn spielt Moritz Bleibtreu den wenig heldenhaften Helden in der Kinoadaption von Martin Suters Roman "Die dunkle Seite des Mondes". Urs ist einer von denen, die es immer gut gehabt haben, einer, der die Konsequenzen seines Handelns nie tragen musste. Als ihn ein tragischer Todesfall aus seinem polierten Leben im Maßanzug rüttelt, entgleist er.

Ein Hippie-Mädchen weckt den Mörder

Die vielleicht etwas zu klischeebehaftete Ehefrau (Doris Schretzmayer), die keine Lust auf Sex hat und ihren Mann nicht versteht, verlässt Urs. Es zieht ihn in die Arme einer Jüngeren - das kennt man ja. Nora von Waldstättens hippiesker Zauber aber kratzt nicht nur an der Oberfläche einer Midlife-Crisis. Als Lucille leitet sie so anders als die gewöhnliche Gespielin subtil den Thriller im Drama ein.

Plötzlich ist alles anders: Anwalt Urs flüchtet sich zu Hippie-Mädchen Lucille.
Plötzlich ist alles anders: Anwalt Urs flüchtet sich zu Hippie-Mädchen Lucille.(Foto: Alamode Film/Felix Cramer)

Das Paar experimentiert mit Drogen. Sie kauen halluzinogene Pilze und während Moritz Bleibtreu sich als Urs durch die Erde des Waldes gräbt, sich erdachten Lichtpunkten entgegen Böschungen hinaufkämpft, da erwacht der Wolf in ihm. Er wird gewalttätig, er wird zum Mörder.

Wie viel Böses steckt im Menschen? "Die dunkle Seite des Mondes" ist eine fesselnde Abhandlung über die Gewöhnlichkeit des Grausamen. "Ich habe meine Hemmschwelle verloren", verzweifelt Urs. Doch Lucille ist überzeugt: "So ein Pilz holt doch nur das hervor, was sowieso schon in dir steckt."

Die Bestie und der Wolf

Damit der Film funktionieren kann, muss Urs einer sein, mit dem man mitfiebert, obwohl er abstoßend handelt. Regisseur Stephan Rick, der sich bislang durch Fernsehformate hervorgetan hat, ist der Kniff geglückt. Jürgen Prochnows kaltblütiger Unternehmertyp Pius Ott lässt als wahre Bestie des Streifens den Wolf Urs zum mythisch aufgeladenen Wölfchen werden.

Der Zwiespalt zwischen furchtbaren Taten und der Erkenntnis über deren Verwerflichkeit schreibt Bleibtreu eine Panik ins Gesicht, die den Zuschauer gehetzt durch den Film treibt. So muss es sein. "Die dunkle Seite des Mondes" ist mit hervorragendem Cast und eindrucksvoller Bildsprache der Beweis dafür, dass es sich auch abseits von Filmförderungsgesichtspunkten noch lohnen kann, für einen deutschsprachigen Streifen den Kinopreis zu zahlen. Mal ehrlich, die Wirren des Waldes wirken auf 12 Zoll einfach weder reinigend noch bedrohlich.

"Die dunkle Seite des Mondes" startet am 14. Januar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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