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"Lass das mal den Papa machen" : Stromberg ist die Welt nicht mehr genug

Von Sabine Oelmann

Ist dieser Stromberg nicht ein echter Anarcho hinter seiner Spießerfassade? Ein verkappter Revoluzzer? Ein Frauentyp, einer, der es "denen da oben" mal so richtig zeigt? Der Film "Stromberg" bringt mehr Licht ins Dunkel, als manchem lieb ist.

Da geht was! Oder?
Da geht was! Oder?

Heißt es nicht so schön, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist? Doch wann dann aufhören mit Stromberg, denn schön ist das nicht, noch nie gewesen. Und das ist ja gerade das Schöne daran. Es fängt an mit seinem Äußeren: Der biedere Spießer mit - wie er selbst sagt - "Toilettensitzbart", fadem Anzug, Halbglatze und seinem sich stets anbiedernden Verhalten bietet kaum Platz zur Identifikation. Wer möchte schon so sein wie Stromberg? Auf der anderen Seite hat der Typ Sprüche drauf, dass einem Hören und Sehen vergehen möchte: "Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl: Immer zu wenig Weiber, das Essen schlecht und am Ende Ärger". Doch bisher, im Fernsehen, schleimte er sich überwiegend durch seinen tristen Büro-Alltag. Jetzt, im Kino, darf er auch mal Robin Hood.

Bis er jedoch die schöne Maid Marian im Arm und seine Getreuen hinter sich versammelt haben wird, wird im durch - Achtung, neu im Kino! - Crowdfunding-Verfahren produzierten "Stromberg"-Film eine Menge Wasser den Rhein hinunterfließen. Das ist meist sehr amüsant. Denkt man anfangs noch, "naja, der Stromberg-Witz ist wirklich gut fürs Fernsehen, aber reicht er denn auch für die große Leinwand?", wird man im Laufe des Films eines Besseren belehrt.

Stromberg übernimmt, Ernie guckt blöd aus der Wäsche.
Stromberg übernimmt, Ernie guckt blöd aus der Wäsche.

Sicher, man muss diesen speziellen Witz schon mögen. Man muss stark sein, man muss sich fremdschämen können. Man muss ertragen, dass der Stromberg über jeden herfällt, der schwächer ist als er (zum Beispiel den Ernie aka Bjarne Mädel, auch als"Tatortreiniger" bekannt), und auch das Büropaar Ulf und Tanja (Oliver K. Wnuk und Diana Staehly, gestraft mit einem tumben Pflegesohn) ist vor ihm nicht sicher. Ebenso natürlich nicht Jennifer "Schirmchen" Schirrmann (Milena Dreißig), die tatsächlich etwas Gutes in ihm aufblitzen sieht, ab und an, und vor lauter Einsamkeit vielleicht sogar manchmal denkt, dass sie ein bisschen in ihn verschossen ist. Nun ja, zumindest, dass er eventuell eine ganz gute Partie abgeben könnte. Jedenfalls besser als alle anderen, die sie so kennenlernt.

Die "Capitol" ist nicht genug!

Und "Schirmchen" gegenüber kommt manchmal sogar ein Stromberg zum Vorschein, den man mögen könnte - bloß um kurz darauf quasi eine gewischt zu bekommen, weil er sich wieder total danebenbenimmt.

Ab geht die Luzie!
Ab geht die Luzie!

Auf jeden Fall hat der Stromberg im Film auch was von James Bond, denn nicht nur tauchen hier und da schöne Damen auf, nein, die Welt ist ihm nicht mehr genug. Der Welt, in dem Fall der Capitol-Versicherung und ihren engen Fluren und verstaubten Topfpflanzen der Abteilung Schadensregulierung, entflieht dieser Stromberg, indem er für sich und seine Mannen einen Betriebsausflug des Grauens plant.

Es geht raus aus Köln, rein ins Vergnügen, ein bunter Abend wurde organisiert, auf dem sich die unteren Vasallen der "Capitol" mal so richtig amüsieren dürfen, trörööö!! Dass da ein paar harte Fakten verkündet werden sollen, dass in Köln die Köpfe rollen werden, das sickert peu à peu durch - aber da hat "Papa" - als den Stromberg sich selbst inthronisiert hat - ja auch noch ein Wörtchen mitzureden: "Denen wird's der Papa aber zeigen, aber hallo!"

Ein kurzer Ausflug in die höheren Gefilde des Ladens und seine Art zu feiern (Amüsierdamen, echter Schampus, Zigarren für alle in einer schicken und teuren Location!!) ist aber auch nichts für "Papa", und das macht ihn dann wieder sympathisch.

Raus aus dem Büromief

Am Ende setzt er sich sogar wirklich für seine Abteilung ein. Als Rächer der Enterbten ist er, der Absatzlecker, plötzlich der Mann mit der "Fuck Capitol"-Attitüde. Und zu guter Letzt landet er auch noch bei "der Partei", kurzer Auftritt von Frank Walter Steinmeier inklusive. Schön, die Ironie in dieser Szene, und schön auch von Drehbuchschreiber Ralf Husmann, dass er Raum lässt für eine eventuelle Fortsetzung. Denn die "Capitol" mag ausgedient haben als Ort des Geschehens, die Akteure jedoch bieten noch viel Spielfläche für Geschichten. Anderswo eben. In "der Partei", oder vielleicht auch mal im Wohnzimmer?

Zum Karneval jedenfalls, und beim nächsten Oktoberfest - oder etwa bei unserer nächsten Betriebsfeier? - kann man sich jedenfalls sicher sein, dass wir Strombergs Partyknaller "Lass das mal den Papa machen" hören werden. Ein schlimmer Ohrwurm, so was wie "Polonäse Blankenese" oder so. Grausam. Aber eben auch schön.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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