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Den Bogen raus: Ke$ha.
Den Bogen raus: Ke$ha.

"Bereit, auf die Kacke zu hauen": Suff-Phantasien mit Ke$ha

Glaubt man ihrem Hit "Tic Toc", dann putzt sich Ke$ha die Zähne mit Jack Daniels. Doch die Sängerin hat mehr auf dem Kasten als nur das Party-Girl. Das beweist sie im n-tv.de Interview, in dem es nicht nur um ihre Trinkfestigkeit geht, sondern auch um ihr neues Album "Warrior", Iggy Pop, Patriotismus und die Tücken beim Square Dance.

n-tv.de: Dein erstes Album hieß "Animal". Darauf folgte die EP "Cannibal". Und dein neues Album hört nun auf den Namen "Warrior". Du scheinst ein Faible für starke und präzise Albumtitel zu haben …

Kesha: Ja, das stimmt. Dahinter steckt natürlich eine Absicht. Ich denke, "Warrior" fasst in einem Wort all die Energie und das Wesen des Albums zusammen.

Wie wird man vom "Animal" zum "Warrior"?

Nun ja, ich habe das Gefühl, dass ich mich weiterentwickelt habe - vom ungezügelten, wilden, jungen, verrückten Kind zu einer fokussierten und arschgeilen Frau, die bereit ist, ordentlich auf die Kacke zu hauen.

Nein, ein Kind ist sie definitiv nicht mehr.
Nein, ein Kind ist sie definitiv nicht mehr.

Mit Blick auf "Warrior" hast du erklärt, das Album solle eine Art "Cock Rock"-Sound haben …

Ja, an bestimmten Stellen. Aber es ist schon noch ein Pop-Album. Etwas anderes hatte ich auch nie im Sinn. Allerdings wollte ich diesmal auch Elemente aus anderen Musikgenres einbauen. Beim ersten Album war die Devise: "Keine Gitarren, nur elektronische Musik, viele verrückte Vocoder, Stimmeffekte, Verzerrer und all dieser Scheiß." Jetzt wollte ich Gitarren mit dabei haben - und wenn es nur Gitarren-Feedback sein sollte wie bei einigen Songs. Aber bei "Dirty Love", dem Song mit Iggy Pop, sind schon richtig Gitarren mit dabei. Und "Gold Trans Am" hat schon einen gewissen "Cock Rock"-Einschlag.

Ich muss zugeben, dass ich den Begriff "Cock Rock" bisher gar nicht kannte. Im Deutschen verwenden wir den nicht …

Ach so, wirklich? Mit "Cock Rock" bezeichnet man zum Beispiel so Musik wie die von Van Halen.

Die erste Single aus deinem Album ist "Die Young". Außer dir haben an ihr noch vier andere Personen mitgeschrieben. Und auch sonst arbeitest du sehr viel mit anderen Songwritern und Künstlern zusammen. Was gefällt dir an Kooperationen so gut?

Für mich ist das die ultimative Form von Respekt. Etwas von jemand anderem zu mögen oder etwas Nettes über jemanden zu sagen, ist die eine Sache. Aber mit jemandem tatsächlich zusammenzuarbeiten, ins Studio zu gehen und mit ihm gemeinsam ein Kunstwerk zu erschaffen, das beider Namen trägt, ist eine andere - das ist das Höchste. Ich wollte unbedingt mit Menschen, vor denen ich eine hohe Achtung habe, etwas zusammen machen und gemeinsam herum spinnen. Natürlich schaudert einem davor auch ganz schön. Aber ich mache gerne Sachen, vor denen es mich schaudert. Deshalb habe ich einige meiner Lieblingsmusiker auf diesem Planeten ausgesucht.

Einer der Co-Writer von "Die Young" ist Nate Ruess, der Sänger von fun. Er ist auch bei einem Duett auf dem neuen Pink-Album zu hören. Er und fun. scheinen ja gerade schwer angesagt zu sein …

Ja, auf jeden Fall. Allerdings muss ich sagen: Wir haben zwar gemeinsam an dem Song gearbeitet, uns aber tatsächlich nie getroffen. Das lief alles nur über Computer.

Einen anderen Kooperationspartner hast du selbst schon angesprochen: Iggy Pop. Mit ihm hätte man dich jetzt nicht unbedingt in Verbindung gebracht …

Das ist mir klar. Aber genau das gefällt mir.

 Wie bist du auf ihn gekommen?

Oh, ich liebe ihn! Ihn und die Stooges  - schon immer! Das habe ich auch schon in Interviews vor zwei Jahren erzählt. Er ist für mich die Verkörperung von Pop-Rock.

Wie ist der Kontakt zu ihm zustande gekommen?

Ungefähr so: Ich habe jemand getroffen, der jemanden kannte, der ihn kannte. Und dann habe ich nicht aufgehört, alle, mit denen ich darüber sprechen konnte, zu drangsalieren. Nachdem ich genügend genervt hatte, hat er sich schließlich entschlossen, den Song mit mir zu machen.

Von Iggy Pop ist sie Fan.
Von Iggy Pop ist sie Fan.

Mal abgesehen von dieser Sache mit Iggy Pop, gibt es auch sonst einige ungewöhnliche Seiten an dir. Du bist in Nashville, DER Heimat der Country-Musik, aufgewachsen. Deine Mutter hat Country-Songs geschrieben - zum Beispiel für Johnny Cash und Dolly Parton. Und du sollst als Kind auch viel Country-Musik gehört haben. Warum bitteschön ist aus dir keine Country-Musikerin geworden?

Ich glaube, das hat mit meiner Rebellion als Teenager zu tun. Ich wollte Musik machen, aber eben gerade nicht die, für die meine Mutter steht. Ich habe mich wohl gefragt, was das genaue Gegenteil von Country-Musik ist. Und bin dann bei Electro-Dance-Pop gelandet. Aber jetzt komme ich wieder ein Stück weit zurück. Auf meinem neuen Album sind auch ein paar Songs, aus denen man ein wenig Country-Einfluss heraushören kann.

Kannst du Square Dance?

Ha! (lacht) Irgendwie schon. Ich meine: Ich bin echt schlecht darin. Aber ich würde es schon irgendwie hinkriegen.

Trotz deiner Rebellion gegen ihre Musik scheint deine Mutter stets eine wichtige Rolle in deinem Leben gespielt zu haben. Du kennst bis heute deinen Vater nicht und bist mit deinen beiden Brüdern von deiner Mutter alleinerziehend aufgezogen worden …

Ja, und wir haben gemeinsam fünf Songs für das Album geschrieben, zum Beispiel auch den mit Iggy Pop.

Hat sie mit einer Textzeile wie "I brush my teeth with a bottle of Jack" (Ich putz mir die Zähne mit einer Flasche Jack Daniels) keine Probleme?

Oh, nein. Ihr fällt verrückterer Scheiß als das ein. Sie ist eine ziemlich wilde Frau.

Zurückschauen oder etwas bedauern? Niemals?
Zurückschauen oder etwas bedauern? Niemals?

Für die Musik hast du die Schule geschmissen. Nun hat bei dir die Karriere am Ende ja wirklich geklappt. Aber würdest du anderen ebenfalls raten, deinen Weg einzuschlagen?

Ja, absolut. Ich habe nie zurückgeschaut oder irgendetwas bedauert. Und ich glaube, wenn man einen Drang hat, etwas zu tun, sollte man seiner Intuition auch folgen.

Deinen ersten Plattenvertrag hattest du bereits mit 18 Jahren 2005. Aber bis zu "Tic Toc" und deinem ersten Album musstest du fünf lange Jahre warten. Dann ging dafür alles rasend schnell. Hat dir die lange Zeit, die du schon im Musikgeschäft warst, geholfen, den Erfolg zu verarbeiten?

Ja, ich glaube. Es war schon gut, dass es eine Zeit lang gedauert hat. Das hat mir die Chance gegeben, mich auszutoben. Und es hat mir geholfen, zu verstehen, dass das Musikgeschäft mit der realen Welt nichts zu tun hat.

Ein bisschen erinnert einen das an Katy Perry. Auch sie hat lange für ihren Durchbruch gekämpft. Und sie ist eine Freundin von dir, oder?

Ja, auch wenn ich sie jetzt schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen habe. Aber wir versuchen beide, das immer wieder hinzukriegen.

Auch wenn viele das vielleicht nicht wissen - von dir stammte die weibliche Stimme bei Flo Ridas Hit "Right Round". Im Nachhinein hast du erklärt, dass du nie Geld dafür gesehen hättest. Wie ist denn heute dein Verhältnis zu Flo Rida? Haust du ihm eine rein, wenn du ihn mal zufällig treffen solltest?

(lacht) Nein! Unser Verhältnis ist hervorragend. Tatsächlich werde ich ihm für alle Zeiten sehr dankbar sein - weil er das Vertrauen zu mir hatte und mich für den Song ausgewählt hat. Er hätte dafür wirklich auch jede andere oder jemand Berühmten aussuchen können. Aber er hat sich für mich entschieden. Und das war der erste Song mit meiner Stimme, den ich je im Radio gehört habe. Von daher: Ich habe damals gar nicht nach Geld gefragt. Dafür habe ich das auch nicht gemacht. Ich wollte nur bei etwas mitmachen, das man im Radio hören würde.

Du schreibst Songs ja nicht nur für dich, sondern auch für andere - in der Vergangenheit zum Beispiel auch schon für Britney Spears oder Miley Cyrus. Woran hängt es, ob du ein Lied selbst singen willst oder es anderen überlässt?

Ganz ehrlich: Ich habe schon so viele Songs geschrieben. Das ist echt verrückt …

Ob sie ihr Party-Image wirklich ganz zu Unrecht hat?
Ob sie ihr Party-Image wirklich ganz zu Unrecht hat?

Mehr als 200, habe ich gelesen …

Ja. Von daher: Ich bekomme nur 16 Songs auf mein Album. Allein für das neue Album hätte ich locker noch 20 bis 30 weitere Songs in petto gehabt. Wenn nun einer dieser Songs von jemand anderem zum Leben erweckt wird, finde ich das großartig. Ich war vor kurzem in Japan und wollte mir eine Handyhülle kaufen. Da habe ich gehört, wie irgendeine japanische Girl-Band einen Song gespielt hat. Und ich dachte mir: Hey, den habe ja ich geschrieben. Das passierte irgendwo mitten in Harajuku (zentraler Stadtteil von Tokio, Anm. d. Red.). Das war wirklich abgedreht für mich. Aber auch toll! Was Tolleres kann einem eigentlich nicht passieren.

Eine Sache, die mir im Zusammenhang mit dir spontan in den Sinn kommt, ist die amerikanische Flagge. Die benutzt du oft in irgendeiner Form als Accessoire, zum Beispiel auch in dem Video zu "Tic Toc". Ist das Ironie oder Patriotismus?

Für mich hat das nichts mit Patriotismus zu tun. Zum einen hat das rein ästhetische Gründe - ich mag einfach das Aussehen der "Stars and Stripes". Zum anderen repräsentiert das für mich aber auch meine Freiheit - hauptsächlich meine Redefreiheit, von der ich gerade als Sängerin täglich Gebrauch mache. Das ist für mich schon ein ganz besonders Recht, das wir haben - sagen zu können, was immer wir wollen.

Interessiert dich Politik?

Ja, schon. Aber was meine politische Meinung angeht, ist das für mich so wie mit der Spiritualität oder Religion. Wenn man das öffentlich macht, wird das oftmals viel größer aufgeblasen als es sein sollte. Dann wird man danach beurteilt. Für mich ist meine politische Meinung aber wirklich eine persönliche Sache. Deshalb rede ich über sie eigentlich nicht in der Öffentlichkeit.

Andererseits setzt du dich zum Beispiel öffentlich für den Tierschutz ein. Und auch die Gleichberechtigung von Frauen ist ein Thema bei dir. Das hat ja durchaus eine politische Dimension …

Für "Stars and Stripes" hat Ke$ha ein Faible.
Für "Stars and Stripes" hat Ke$ha ein Faible.

Ja, hinter den Kulissen und in meinem Privatleben engagiere ich mich sehr, besonders für den Tierschutz - ich bin internationale Botschafterin der "Humane Society" (US-Tierschutzorganisation, Anm. d. Red.). Ich bemühe mich sehr, das Bewusstsein für den Tierschutz zu schärfen und animiere auch meine Fans, sich in der Sache einzubringen. Eine Online-Petition kann bereits dazu führen, dass Gesetze geändert werden. Ich versuche also den Leuten klar zu machen, wie viel Macht wir haben - nur mit unserer Stimme. Dementsprechend animiere ich sie natürlich auch, wählen zu gehen.

Trotzdem sieht man in dir eigentlich immer vor allem das Party-Girl …

Ja, natürlich. Das bekomme ich ständig um die Ohren. Hängen bleibt vor allem, dass ich behaupte, ich würde meine Zähne mit Jack Daniels putzen. Also muss ich eine Säuferin sein. Aber wenn man sich mein erstes Album richtig anhört, wird man merken, dass es zwischen den Zeilen nicht nur ums Feiern geht, sondern auch darum, pleite und trotzdem glücklich zu sein. Darum, dass man glücklich sein und toll aussehen kann, ohne Geld oder schicke Klamotten zu haben. Ich denke, das ist eine sehr gute und positive Botschaft. Leider wurde sie hier und da ins Negative gewendet und als Aufforderung zum Suff verstanden. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. (lacht)

Das Musikgeschäft ist ziemlich hart. Mal ehrlich: Wie viel Zeit hast du wirklich, Party zu machen?

Nun, ich nehme mir die Zeit. (lacht) Aber es stimmt schon: Ich gehe jetzt nicht jede Nacht auf die Piste und schieße mich komplett ab. Aber Party zu machen, heißt für mich auch nicht unbedingt, in einen Club oder dergleichen zu gehen.

Sondern?

Ich gebe dir ein Beispiel: Als ich in Europa gelandet bin, hatte ich einen totalen Jetlag. Es war acht Uhr am Morgen, eigentlich hätte ich im Stehen einschlafen können. Aber das war mein einziger freier Tag hier. Anstatt schlafen zu gehen, habe ich mir also ein Fahrrad geliehen und bin durch die Stadt gefahren. Ich bin durch all diese verrückten Boutiquen gezogen, in denen alles in einer fremden Sprache dran stand und ich kein Wort verstanden habe. Dann habe ich einen Park gefunden, habe dort gelesen und bin eingeschlafen. Das alles war fantastisch und hatte rein gar nichts damit zu tun, sich abzuschießen. Ich bin einfach nur nicht der Mensch, der rumsitzt und Fernsehen schaut.

Gleichwohl behauptest du von dir, ziemlich trinkfest zu sein. "Ich könnte einen Piraten unter den Tisch saufen", hast du erklärt. Okay, ich bin kein Pirat. Aber du glaubst doch wohl nicht ernsthaft, dass du mit mir mithalten könntest …

Doch, da bin ich mir sicher.

Dummerweise haben wir hier nur Cola und keinen Alkohol, sonst könnten wir es ja testen …

(lacht) Glaub mir: Ich bin gut, … richtig gut.

Mit Ke$ha sprach Volker Probst

Das Album "Warrior" von Ke$ha bestellen

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Quelle: n-tv.de

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