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"Es ist nie zu spät" - Carpendales Leitsatz.
"Es ist nie zu spät" - Carpendales Leitsatz.

Siebzig Jahr', blondes Haar : Howard Carpendale sagt "Hello Again"

Von Sabine Oelmann

Howard Carpendale hat viel zu erzählen. Nachdem wir über Breaking News, Push-Nachrichten von n-tv.de und falsche Floskeln ("in the case of fire")* geredet haben, gibt es nur noch Musik - und zu seinem runden Geburtstag ein sattes Best Of-Album.

Howard Carpendale wird 70 - kann das denn sein? Man mag es kaum glauben, aber ja. Der Mann, der wie kein anderer sanft das "rrr" rollt, hat sich in unsere Herzen und unser Gedächtnis gesungen mit Dauerbrennern wie "Ti amo", "Dann geh' doch", "Fremde oder Freunde" und "Hello Again". Aber das hat ihm nie gereicht, Carpendale ist weiterhin aktiv und beglückt seine Fans mit neuen Alben. Jetzt gibt es "Das Beste von mir", und darauf finden sich nicht nur die Hits, sondern auch die Lieder, die ihm persönlich, abseits von Mainstream und Charts, eine Menge bedeuten.

Wenn man 70 Jahre Howard Carpendale in Zahlen fassen wollte, dann würde das folgendermaßen aussehen:

- 50 Jahre sind seit der ersten Schallplattenaufnahme 1966 vergangen.
- Fast 700 Songs gibt es, plus zahllose Versionen, Remixe und Live-Aufnahmen.
- 36 Studioalben (+ 8 Live-Alben) sind auf dem Markt.
- 102 Singles hat "Howie" besungen.
- Er hatte 50 Charthits in Deutschland und mehr als 1.050 Chartwochen, das entspricht über 20 Jahren ununterbrochen in den Deutschen Charts.
- 57 Auftritte hat er in der ZDF-Hitparade absolviert, davon 10 Mal auf Platz 1.
- Preise: 11x Gold, 1x Platin, 3x Echo stehen in seinem Regal.
- Carpendale spielte in 4 Filmen und einer TV-Serie ("Matchball") mit und er hatte diverse Gastauftritte.
- Geschätzt hat er 25 Millionen Tonträger verkauft.
- Nicht zu vergessen: Einige tausend Golfbälle wurden von ihm geschlagen sowie 13,80 m im Kugelstoßen erreicht.

Vor allem aber ist "Howie" ein Inbegriff des deutschen Liedguts: Wie hat er es also geschafft, immer wieder topaktuell zu sein? "Ich habe ab einem gewissen Alter versucht, mich anzupassen. Ein bisschen wenigstens. Ich habe zum Beispiel darauf geachtet, was die jungen Leute hören, und Pop-Elemente in meine Musik aufgenommen", verrät er n-tv.de vor einiger Zeit in einem Interview. "Ich finde, jetzt ist beruflich meine beste Zeit. Meine Musik ist das Resultat meiner Erfahrungen, und ich fühl' mich sehr wohl mit meinem Team." Und wenn er auch mal behauptet hat, "Der Kreis hat sich jetzt für mich geschlossen", und man schon Angst hatte, das war's jetzt von ihm, dann war damit nur gemeint, dass er inzwischen genau die Art von Musik gefunden hat, die er machen will, nichts anderes.

"Man muss auf sich achten ab einem gewissen Alter, am besten schon früher!"
"Man muss auf sich achten ab einem gewissen Alter, am besten schon früher!"

An Aufhören denkt er nicht, was er jetzt zu seinem 70. Geburtstag auch wieder unter Beweis stellt: Es gibt "Das Beste von mir" - seine beliebtesten Titel, die im Rahmen eines Online-Votings durch seine Fans festgelegt wurden. Auf Platz 1 landete "Nachts, wenn alles schläft" - der einzige Carpendale-Song übrigens, der zweimal, nämlich 1979 und 1988, die deutschen Charts stürmte. Es folgen Evergreens wie "Ti amo", "Samstag Nacht", "Hello Again" oder "Tür an Tür mit Alice". Insgesamt vereint die Zusammenstellung die größten Hits aus sechs Jahrzehnten.

Für CD 2 der Jubiläums-Zusammenstellung traf der Künstler selbst eine Auswahl seiner persönlichsten Lieder. Titel wie "Willkommen auf der Titanic", den er zur Geburt seines Sohnes Cass schrieb, oder "Astronaut", der seit vielen Jahren auf quasi keiner Tournee fehlen darf, sind ebenso darunter wie Album-Perlen, die bislang im Schatten der berühmten Single-Hits standen: "Eine Nacht in New York City" zum Beispiel, "Manchmal kommt ein Sturm ganz leise" oder die berührende Ballade "Wenn ich könnte, wie ich wollte". Dabei durften die neuen Songs "Das ist unsere Zeit" sowie "Heute beginnt der Rest deines Lebens" - zwei von Howards Lieblingstiteln aus dem aktuellen Album - natürlich nicht fehlen.

In the air tonight mit Howie

Ein nachdenklicher Howard Carpendale hat n-tv.de außerdem verraten, wovon einer wie er noch träumt: "Mit 'Heute beginnt der Rest meines Lebens' wollte ich einen Titel so ähnlich wie 'In The Air Tonight' von Phil Collins schreiben. Ich wollte, dass die Nummer sehr poppig gemischt ist. Gleichzeitig kommt es aber auch auf den Text an. Es geht darum, dass man noch eine Chance bekommt: Gestern hab' ich Mist gebaut, aber heute kann ich versuchen, es wieder gut zu machen," sagt er und lächelt. Hat er ein Mantra oder einen Leitsatz, der sich durch sein Leben zieht? Carpendale: "Ja: Es ist niemals zu spät. Dieser Satz hat mir eigentlich mein ganzes Leben lang geholfen und Gültigkeit gehabt."

Was kann einen wie Howard Carpendale denn aus den Socken hauen? "Wenn ich weiß, dass ich gerade nichts ändern kann. Wenn es klar ist, dass ein Zustand eine Weile dauern wird, unabänderbar, da kann ich schon auch mal in eine Art Depression verfallen. Allerdings weiß ich, dass so etwas auch irgendwann aufhört." Hat er eine Liste, so etwas wie "100 Dinge, die man getan haben muss"? Also, nochmal den Himalaya besteigen, mit dem Motorrad nach Kapstadt, tauchen lernen (falls er es nicht schon kann)? "Nee, so eine Liste habe ich nicht, aber ich habe sehr deutlich das Gefühl, dass ich jetzt in ein Alter komme, wo die Ebenen sich schon verschieben. Jetzt muss ich entscheiden, was ich mit dem Rest anfangen will."

"Der Körper macht sein eigenes Ding"

Also bitte - 70 ist doch kein Alter! "70 ist nicht gerade jung", resümiert Carpendale, "und es sterben viele vor einem, aber diese irrige Annahme von mir, ich sei unsterblich - so denkt man als junger Mensch - fängt nun doch an zu bröckeln", erzählt er lachend. "Als erfolgreicher Musiker oder Sportler, da macht man sich keine Gedanken und glaubt gerne, dass es immer so weiter gehen wird. Das soll nicht arrogant klingen, denn es ist ja auch einfach zu schön. Aber jetzt, wo ich älter werde, älter bin, da merke ich, dass diese Dinge, über die alte Leute so klagen, auch bei mir langsam auftreten. Da muss man was gegen tun, das kann man nicht laufen lassen." Meint er das körperlich? "Ja, schon." Aber im Kopf ist er jung, oder? "Ich hoffe es doch! Ich denke nicht wie ein 70-Jähriger. Ich glaube, ich höre lauter Musik als mein Sohn. Aber der Körper macht sein eigenes Ding."

Den Geburtstag selbst wird Carpendale übrigens im Kreis seiner Familie begehen. Statt für große Festivitäten nutzt er den Tag als kurze Atempause, denn nach dem gerade abgeschlossenen ersten Teil seiner großen "Das ist unsere Zeit"-Tournee steckt er bereits in den Vorbereitungen für Teil 2 im Februar sowie für seine Buchveröffentlichung im März.

*PS: "In the event of fire" muss es heißen, und nicht "in case of fire". Und eine Breaking News ist nach Ansicht Howard Carpendales übrigens nicht, dass ein Fußball-Verein ein paar Tore erzielt hat oder der kleine britische Royal George in den Kindergarten kommt - aber das ist seine persönliche Meinung. Ansonsten ist Carpendale begeisterter Sport-, Unterhaltungs- und Nachrichtenkonsument.

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Quelle: n-tv.de

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