Unterhaltung
Ist die Skandalzeit vorbei? Miley Cyrus.
Ist die Skandalzeit vorbei? Miley Cyrus.(Foto: Sony Music)
Freitag, 29. September 2017

Porno-Pop ade: Miley Cyrus - im Galopp durchs Kornfeld

Von Kai Butterweck

Schluss mit feuchten Zungenspielen, wackelnden Boobies und pumpenden Dr.-Sommer-Sounds: Miley Cyrus überrascht auf ihrem neuen Album mit handzahmen FSK-6-Klängen aus der Country-Pop-Schublade.

Es ist noch keine Woche her, da zeigte sich Miley Cyrus wieder einmal von ihrer exhibitionistischen Seite. Splitterfasernackt posierte die Pop-Skandalnudel für Starfotograf David LaChapelle. Die Öffentlichkeit reagierte leicht verwirrt, denn noch vor wenigen Wochen sorgte Miley Cyrus für ganz andere Schlagzeilen. Angesprochen auf ihr lang ersehntes neues Studioalbum verriet sie nämlich, dass die Zeiten der ausgestreckten Zunge und der blanken Brüste vorbei seien. Und nun das!?

Aber gut, wer mit dem bücherfüllenden Werdegang der ehemaligen Disney-Marionette vertraut ist, der weiß, dass Miley Cyrus das Hakenschlagen mindestens genauso liebt wie Thomas Müller das Kuscheln mit der Meisterschale. Stürzen wir uns also rein ins neue künstlerische Kapitel und begegnen den kleinen Geschwistern der Vorab-Poppys "Younger Now" und "Malibu" ohne Vorbehalte und mit grenzenloser Offenheit.

Über Wattewolken ins "Rainbowland"

Track Nummer drei gibt auch gleich die Marschrichtung vor. Gemeinsam mit der Grande Dame des Country, Dolly Parton, hüpft Miley über Wattewolken ins "Rainbowland". Holpernde Cowboy-Chords und Harmonien aus dem Kornfeld bilden das Fundament eines Tracks, den die gute Miley zu "Bangerz"-Zeiten wahrscheinlich sofort in die Tonne gekloppt hätte. Im Herbst 2017 weht aber ein anderer Wind. Statt sich auf speichelbesudelten Abrissbirnen räkelnd ins verdrogte Partyleben zu stürzen, galoppiert Miley lieber mit ausgebreiteten Armen durchs Dollywood-Wonderland.

Das Album "Younger Now" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "Younger Now" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Sony Music)

Es folgen groovender Daltons-Rock ("Week Without You") und schmachtende Hilferufe aus dem Lagerfeuer-Camp ("Miss You So Much"). Mit dem Stockbrotholz in der einen Hand und der Telecaster in der anderen verlängert Miley die kuschelige Runde um weitere drei Minuten ("I Would Die For You"), ehe sie aufsteht, jedem Cowboy noch schnell ein Bis-bald-Küsschen auf die Wange schmatzt und sich in Richtung Country-Pop-Dancefloor verabschiedet ("Thinkin'").

Der Unschuld-vom-Lande-Modus

Zu diesem Zeitpunkt sind Freunde der jüngeren MC-Vergangenheit längst schon über alle Berge. Spalier stehen nur noch die, die nach der Beerdigung von Hannah Montana im Jahr 2010 im dunklen Keller verschwanden und mit einer Engelsgeduld den Tag herbeisehnten, an dem sich ihre fehlgeleitete Heldin wieder zu ihren musikalischen Wurzeln bekennt.

Begeistert klatschen sie nun in die Hände und tanzen und schunkeln zu folkloristischen Vibes aus der Florence-Welch-Schatulle ("Bad Mood"), unaufgeregtem Reverb-Pop ("Love Someone") und wahlweise opulent angerührtem oder zartschmelzendem Singer/Songwriter-Gefidel ("She's Not Like Him", "Inspired").

Nach einer knappen Dreiviertelstunde hängt auch der letzte Cowboy-Hut am Haken. In Dollywood schließen die Park-Türen. Dolly Parton grinst. Auch Miley Cyrus lächelt. Keine ausgestreckte Schlabberzunge, kein geschwollener Mittelfinger, keine freigelegten Boobies: Hier und heute markiert die einstige "Princess of Provocation" einen Neuanfang. Nehmen wir es einfach so zur Kenntnis: Im Herbst 2017 präsentiert sich Miley Cyrus im geerdeten und musikalisch grundsoliden Unschuld-vom-Lande-Modus. Wir wissen aber auch: Der nächste Sommer kommt bestimmt.

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Quelle: n-tv.de

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