Ratgeber

Ehrliche und professionelle Beratung : Anleger sollen geschützt werden

Welches Anlageprodukt ist wirklich sicher? Wo ist das Risiko überschaubar? Auf solche Fragen erwarten viele Anleger von ihrem Bankberater keine ehrliche Antwort mehr. Das soll sich ändern: Die EU-Kommission will das Vertrauen in die Finanzbranche stärken.

Nach dem Vorbild des Beipackzettels der deutschen Banken und Sparkassen will die Europäische Kommission den Verbrauchern auch europaweit die Suche nach der passenden Geldanlage erleichtern. Zugleich sollen Versicherer einheitliche Vorgaben für die Beratung erhalten. Versicherungen und ihre Vertreter sollen zu einer "ehrlichen und professionellen" Beratung verpflichtet werden, erklärte die Kommission. Dazu legte sie einen Gesetzentwurf vor, der von Ende 2014 an verständliche Informationsblätter für alle Geldanlageprodukte verbindlich machen soll und nun von den Mitgliedstaaten und im Europäischen Parlament beraten wird.

Was bedeutet dies für Verbraucher?

Kunden sollen künftig bessere und standardisierte Informationen über ein Anlageprodukt oder eine Versicherung erhalten. Die Angaben sollen zudem EU-weit vergleichbar werden. Das geplante Gesetz sieht dafür Informationsblätter mit Kerninformationen vor, sogenannte KIDs (Key Information Documents): Sie sollen kurz gehalten werden, in einfachen Worten formuliert sein und nur wenige Seiten umfassen. Die Verbraucher sollen darin über die Form der Anlage oder Versicherung aufgeklärt werden, ihre Risiken, die Wertentwicklung in der Vergangenheit und über die Kosten. Die Risiken sollen über eine Skala eingestuft werden.

Die Info-Blätter soll es für alle Investmentprodukte für Kleinanleger geben, wenn es sich nicht um Direkt-Investitionen in einzelne Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen handelt. Bisher waren sie nur für Investmentfonds vorgeschrieben. Jetzt gelten sie auch für Anlageprodukte auf der Basis von Versicherungen, strukturierte Wertpapiere, bestimmte Termingelder und Rentenpläne. Die EU-Kommission schätzt das betroffene Anlagevolumen auf zehn Billionen Euro.

Was bedeutet dies für Anbieter von Geldanlagen?

Die Anbieter von Anlagen für Privatkunden wie Banken oder Sparkassen sollen in der Beratung auf Fachjargon verzichten. Das Vorgehen zielt auch darauf ab, Interessenkonflikte zu vermindern: Beratung und Verkauf sollen stärker getrennt werden.

Die Kommission schätzt die Kosten für die Einführung der KIDs auf 171 Millionen Euro bei einem jährlichen Aufwand von 14 Millionen Euro. In einem weiteren Gesetzentwurf verschärft die Kommission die Vorgaben für Publikumsfonds und zieht damit die Lehren aus dem Betrugsskandal um den US-Vermögensverwalter Bernard Madoff, der Anleger über ein Schneeballsystem um zig Milliarden Dollar prellte. Im Visier sind die Depotstellen für Fonds. Sie können bei Verlusten künftig leichter verklagt werden. Bonus-Zahlungen an Fonds-Manager sollen Regeln unterworfen und Sanktionen für einen Verstoß gegen die Vorgaben europaweit vereinheitlicht werden.

Was bedeutet dies für Versicherungen?

In der Versicherungsbranche sollen die bereits bestehenden EU-Vorschriften zu Beratung und Verkauf künftig für alle gelten: nicht länger nur für Makler oder vermittelnde Banken, sondern auch für den Direktvertrieb der Versicherungen selbst. Die Standards erfassen sowohl Lebensversicherungen als auch Sachversicherungen wie etwa die Kfz-Vesicherung. Je komplizierter eine Versicherung angelegt ist, desto ausführlicher muss informiert werden. Makler dürfen sich zur Vermittlung von Lebensversicherungen zur Kapitalanlage nur dann unabhängig nennen, wenn sie keine Provisionen kassieren.

Quelle: n-tv.de

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