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Die Altersrückstellungen der PKV können beim Systemwechsel nicht mitgenommen werden.
Die Altersrückstellungen der PKV können beim Systemwechsel nicht mitgenommen werden.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zurück ins Solidarsystem: Auswege für Privatversicherte

Von Isabell Noé

Privatversicherte gelten als Patienten erster Klasse. Doch dieser Status ist nicht umsonst zu haben, leistungsstarke Tarife sind nicht gerade billig. Und auch vermeintliche Low-Budget-Tarife können sich als Sackgasse erweisen, wenn der Versicherer Jahr für Jahr Prämien oder Selbstbehalte erhöht. Dennoch können Privatversicherte zurück in die Gesetzliche.

Fast neun Millionen Menschen in Deutschland sind privat krankenversichert. Die Mehrheit von ihnen ist froh darüber, das jedenfalls legt die aktuelle Studie "Kubus PKV" des Beratungsunternehmens MSR Consulting nahe. 86 Prozent der Privatversicherten würden demnach nicht in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Im Umkehrschluss heißt das allerdings: 14 Prozent würden gerne ins Sozialversicherungssystem zurückkehren – wenn sie denn könnten.

Meist sind es erhöhte Selbstbeteiligungen oder Prämien, die für Versicherte zum Problem werden. Mit durchschnittlich vier bis fünf Prozent lagen die Erhöhungen in den letzten Jahren zwar noch weitgehend im grünen Bereich, in einzelnen Tarifen fielen die Teuerungen aber deutlich drastischer aus. Manche Kunden zahlen in diesem Jahr über 30 Prozent mehr als im letzten. Und weil die Kosten im Gesundheitssystem stetig steigen, dürfte die Belastung in den kommenden Jahren kaum geringer werden, während das Einkommen im Rentenalter zurückgeht.

In einer Onlineumfrage der Stiftung Warentest gab jeder zweite von über 2300 Teilnehmern an, dass ihm die Beiträge seiner privaten Krankenversicherung schon jetzt zu hoch sind, rund zwei Drittel befürchten, sie künftig nicht mehr zahlen zu können. Doch die Rückkehr zurück in die Gesetzliche ist nicht einfach. In der September-Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" gibt es Tipps, wie der Wechsel doch noch gelingen kann.

Einkommen senken für die Gesetzliche

Zahlen zur Gesetzlichen Krankenkasse
Allgemeiner Beitragssatz15,5 %
Ermäßigter Beitragssatz
(ohne Krankengeldanspruch)
14,9 %
Arbeitgeberanteil7,3 %
Arbeitnehmeranteil8,2 %
Beitragsbemessungsgrenze3825 Euro/Monat
Höchster Arbeitnehmerbeitrag 313,65 Euro/Monat (ggfs. plus zusatzbeitrag)
Versicherungspflichtgrenze4237,50 Euro/Monat

Bis zum 55. Geburtstag ist die Rückkehr am einfachsten zu bewerkstelligen, vorausgesetzt, man ist Arbeitnehmer. Hier ist ein Wechsel in die Gesetzliche möglich, wenn man für ein Jahr nicht mehr als die gesetzliche Versicherungspflichtgrenze von derzeit 50.850 Euro im Jahr (also 4237,50 Euro im Monat) verdient, Boni und Weihnachtsgeld inklusive. Für alle, die schon vor dem Jahr 2003 versichert waren, liegt die Grenze bei 45.900 Euro. Wer darunter liegt, wird versicherungspflichtig und kann sich, sofern das Einkommen wieder steigt,  freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung weiterversichern.  

Nun wird wahrscheinlich kaum jemand freiwillig auf Einkommen zu verzichten, um unter dieser Grenze zu blieben. Denkbar ist es aber, das Monatsbrutto durch Gehaltsumwandlung zu reduzieren. Bis zu 4488 Euro im Jahr lassen sich in eine betriebliche Altersvorsorge investieren. Ein anderer Weg wäre es, vorübergehend weniger zu arbeiten. Bietet der Betrieb flexible Arbeitszeitkonten an, kann man auch auf eine längere Auszeit hinarbeiten. Ein Teil des Bruttogehalts wird dem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben und später ausgezahlt, um beispielsweise ein mehrmonatiges Sabbatical zu finanzieren. Auch wer nach einer Kündigung Arbeitslosengeld I bekommt, wird damit automatisch versicherungspflichtig. Anders liegt der Fall beim Arbeitslosengeld II: Wer als Privatversicherter ohne Umweg in Hartz IV rutscht, kann nicht mehr wechseln.

Pech haben Arbeitnehmer, die sich, als die Versicherungspflichtgrenze angehoben wurde, von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien haben lassen, um weiter in der PKV zu bleiben. Egal wie tief ihr Einkommen jetzt sinkt, die gesetzliche Krankenkasse bleibt ihnen verschlossen, zumindest solange sie einen Job haben. Anders liegt der Fall bei Studenten, die sich für die Dauer ihres Studiums von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen. Ist die Uni vorbei, können sie neu entscheiden, wo sie sich versichern.

Ab 55 wird es schwierig

Ist der 55. Geburtstag erstmal vorbei, liegen die Hürden deutlich höher. So soll ein Missbrauch des Solidarsystems verhindert werden. Grundvoraussetzung für eine Rückkehr in die GKV ist auch hier, dass man versicherungspflichtig wird, also die Einkommensgrenzen unterschreitet. Ob man zurück in die GKV kann, hängt dann allerdings vom Versicherungsstatus während der vorangegangenen fünf Jahre ab. War man mindestens einen Tag gesetzlich versichert, kann man wechseln. Ansonsten nur dann, wenn man zuvor weniger als 2,5 Jahre von der Versicherungspflicht befreit, versicherungsfrei oder aber selbstständig war. Eine letzte Rückkehrmöglichkeit gibt es für Privatversicherte, die mit einem gesetzlich Versicherten verheiratet sind oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben. Verdient der privatversicherte Partner nicht mehr als 375 Euro im Monat, kann er beitragsfrei in die Familienversicherung eintreten.

Keine Chance für Selbstständige

Für Selbstständige gilt grundsätzlich keine Versicherungspflicht. Für sie ist die PKV oft attraktiver, weil die Krankenkassen regulär ein fiktives Mindesteinkommen von 1970 Euro unterstellen. Der Versicherungsbeitrag liegt also bei wenigstens rund 300 Euro im Monat. Privattarife sind oft günstiger, zumindest am Anfang. Doch ein zweiter Blick lohnt sich: Für Existenzgründer oder Selbständige, die einen Antrag auf Bedürftigkeit stellen, kann die Bemessungsgrundlage in der GKV auf 1312,50 Euro gesenkt werden, so dass der Beitrag nur bei rund 196 Euro liegt.

Es gibt Privatversicherungen, die jungen Kunden noch billigere Einstiegstarife anbieten. Dass sie weniger leisten als die Gesetzliche, mag anfangs wenig stören, wenn jeder Cent zählt und man ohnehin kaum zum Arzt geht.  Doch der Wechsel will gut überlegt sein, denn wer sich als Selbstständiger oder Freiberufler nicht vom Start weg freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert, kommt später kaum noch rein. Nur wer die hauptberufliche Selbstständigkeit für mindestens zwölf Monate aufgibt und sich versicherungspflichtig anstellen lässt, kann noch wechseln.

Sich einfach bei der eigenen Firma anzustellen, ist keine Lösung: Weder darf man Mehrheitsanteile an der Firma besitzen, noch darf man auf dem neu geschaffenen Arbeitsplatz die Unternehmensgeschicke maßgeblich beeinflussen. Weiterarbeiten wie bisher wird also schwierig. Doch es gibt Auswege, etwa indem man sich bei einer anderen Firma anstellen lässt und das eigene Unternehmen im Nebenberuf weiterführt. Das funktioniert aber nur, solange man keine eigenen Angestellten hat und die Einkünfte überwiegend als Angestellter erzielt werden.

Letzter Ausweg Ausland

Wegen der Krankenversicherung eine Firma aufzugeben, ist ein großer Schritt. Gibt es keine andere Lösung, kann man aber noch etwas weiter gehen: Für Selbstständige und Menschen über 55 führt auch ein Umweg übers Ausland in die gesetzliche Krankenkasse. In den Niederlanden, der Schweiz oder Schweden gilt eine Versicherungspflicht bei der gesetzlichen Krankenkasse für alle, die dort eine gewisse Zeit wohnen oder arbeiten. Kehrt man nach Deutschland zurück, wird diese Versicherungszeit angerechnet und der Weg in die Solidarversicherung ist auch hier wieder frei.     

Private Krankenversicherung im Vergleich

Quelle: n-tv.de

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