Ratgeber

Im Namen von Youporn: Betrüger verschicken Abmahnungen

25 Euro sind für eine Abmahnung ein echter Schnäppchenpreis. So viel sollen Nutzer dafür zahlen, dass sie angeblich ein Pornovideo gestreamt haben. Bei dem Schreiben im Pseudo-Juristendeutsch sollten alle Alarmglocken schrillen.

Wer Videos auf legalen Seiten streamt, hat nichts zu befürchten.
Wer Videos auf legalen Seiten streamt, hat nichts zu befürchten.(Foto: imago/blickwinkel)

Letzten Dezember versetzte die Regensburger Rechtsanwaltskanzlei U & C Streaming-Nutzer in Angst und Schrecken. Die Anwälte verschickten über zehntausend Abmahnungen an Besucher der Porno-Plattform Redtube und verlangten 250 Euro Gebühren. Inzwischen haben mehrere Gerichte bestätigt, dass das Vorgehen unzulässig war, doch seit einigen Tagen schwappt eine neue Abmahnwelle durchs Netz. Anders als bei U & C handelt es sich diesmal allerdings um Fälschungen.

Die betrügerischen Schreiben kommen per E-Mail. Das ist für Abmahnungen zwar nicht üblich, aber grundsätzlich möglich und auch rechtens. Der Betreff macht stutzig: "WICHTIG", heißt es da und es folgt der Name des Angeschriebenen. "Mahnschreiben aufgrund einer Urheberrechtsverletzung, Schadensersatzzahlung von 25 Euro dringend notwendig!" Wer die Mail dann nicht ungelesen in den Papierkorb befördert, findet einen Text in Pseudo-Juristendeutsch. Der Vorwurf: Über den Internetzugang des Betroffenen sei ein Video auf "einer der Seiten unseres Mandanten" angeschaut worden. "Hierzu zählen Youporn, Redpube, Pornhub und XNXX." Nun solle man die "entstandenen Kosten" von 25 Euro begleichen und in Form von Bitcoins auf ein bestimmtes Konto überweisen.

Anonym in Bitcoins zahlen

Mit etwas gesundem Menschenverstand lässt sich die Mail spätestens hier als Spam enttarnen. Keine seriöse Kanzlei würde die Zahlung von Bitcoins verlangen. Dass es die angeblichen Abmahner tun, spricht dafür, dass sie anonym bleiben wollen, denn der Empfänger der Bitcoins bleibt anonym. Doch auch andere Angaben machen stutzig. Zum einen sind 25 Euro für eine Abmahnung sehr wenig Geld. Selbst bei geringem Streitwert muss noch die Gebühr für den Rechtsanwalt berücksichtigt werden, unter 100 Euro kommt man hier in der Regel nicht weg.

Zum anderen schreiben die angeblichen Anwälte nicht, worin die Urheberrechtsverletzung genau bestehen soll. Einen Film anzusehen bedeutet Streaming. Ob das illegal ist, wenn es sich offensichtlich um urheberrechtlich geschütztes Material handelt, ist bei Juristen umstritten. Wer legale Kanälen wie Youporn oder Redtube besucht, darf auf jeden Fall davon ausgehen, dass er die dort veröffentlichten Filme auch anklicken darf. Vollends absurd wird es, wenn die Seitenbetreiber ihre eigenen Nutzer abmahnen lassen, wie es in den Betrügermails vorgegeben wird. Wenn überhaupt jemand Ansprüche wegen Urheberrechtsverletzung hätte, dann die Rechteinhaber der Filme – und dann auch nicht gegen die arglosen Konsumenten.

Unter falscher Flagge

Ironischerweise nutzen die Betrüger die Namen von Anwaltskanzleien, die sonst Abmahn-Betroffene vertreten. Etwa den der Würzburger "Jun Rechtsanwälte", die mit Abmahnstopper.de eine eigene Website zu dem Thema betreiben. Seit Freitagabend würden betrügerische Abmahnungen von Adressen wie infos@kanzlei-jun.de oder jun@kanzlei-jun.de verschickt, warnen die Anwälte auf ihrer Webseite und stellen klar: "Die genannten Adressen werden von uns nicht verwendet und darauf eingehende Mails auch nicht gelesen."

Auch die Waiblinger Kanzlei MS Concept Rechtsanwälte ist für Abgemahnte eine beliebte Adresse und folglich wenig angetan davon, dass ihr Name nun mit Massenabmahnungen in Verbindung gebracht wird. Gegen den "verleumderischen und dreisten Identitätsklau" werde man "mit aller Entschiedenheit vorgehen", droht MS Concept.

Verbraucherschützer raten den Empfängern von falschen Abmahn-Mails, diese am besten gleich zu löschen. Wer sich die Mühe machen will, kann Anzeige bei der Polizei erstatten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen