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"Manipulation wie bei VW": Dyson verklagt Bosch

Tricksereien bei Effizienztests gibt es nicht nur bei Autoherstellern, sagt der britische Staubsaugerkonzern Dyson. Angeblich hätte sich Bosch die Top-Energieklassen bestimmter Modelle mit unsauberen Methoden erschlichen.

Die Labor-Testbedingungen hätten mit dem Alltagseinsatz nicht viel zu tun, moniert Dyson.
Die Labor-Testbedingungen hätten mit dem Alltagseinsatz nicht viel zu tun, moniert Dyson.(Foto: imago/Westend61)

Der britische Staubsaugerhersteller Dyson erhebt Vorwürfe gegen die Konkurrenz aus Deutschland: Der zu Bosch gehörende Hausgeräte-Hersteller BSH hätte Geräte so manipuliert, dass sie bei Effizienztests besser abschnitten, als sie wirklich seien. So hätten die Staubsauger das Effizienzlabel AAAA bekommen, während sie beim Einsatz unter realen Bedingungen in den schlechten Klassen E oder F eingestuft werden müssten. Dyson hat deshalb in verschiedenen Ländern rechtliche Schritte gegen Bosch eingeleitet.

Konkret geht es um zwei Modelle, den von der BSH hergestellten Q8.0 der Marke Siemens und den Bosch GL80/In'Genius ProPerform, die beide als besonders umweltfreundlich und energiesparend beworben werden. Dabei macht sich die Firma laut Dyson allerdings die unrealistischen Testbedingungen zunutze. Laufen die Staubsauger im Labor, müssen sie nämlich gar keinen Dreck beseitigen. Es geht lediglich um den Stromverbrauch und der liegt im Labor nie über den vorbildlich niedrigen 750 Watt. Anders sehe es allerdings aus, wenn die Staubsauger wirklich arbeiten müssten. Bei verschmutzten Böden passe ein Sensor den Verbrauch auf bis zu 1600 Watt an, will der Konkurrent nun festgestellt haben.

Testaufbau, der mit Alltagsbedingungen nichts zu tun hat

Ein Dyson-Sprecher zieht Parallelen zu den Manipulationen beim deutschen VW-Konzern: So wie beim Testsystem für Dieselmotoren schrieben die Europäischen Regularien auch für Staubsauger einen Testaufbau vor, der mit Alltagsbedingungen nichts zu tun habe. "Das führt zu falschen Ergebnissen", so der Sprecher. James Dyson, der Chef des britischen Staubsaugerimperiums, zieht ebenfalls Vergleiche zum Volkswagen-Skandal. "Es scheint so, als seien viele Ingenieure eher darauf bedacht, Tests zu manipulieren, als darauf, bessere und effizientere Technologien zu entwickeln." Kunden würden so in die Irre geführt.

Bosch hat inzwischen reagiert und weist die Vorwürfe entschieden zurück: Alle Staubsauger von Bosch würden gemäß der Europäischen Energievorgaben gemessen. So könnten sich die Kunden unabhängig informieren und vergleichen. "Die Anwendungsperformance zu Hause ist die gleiche wie unter Laborbedingungen – alle anderen Aussagen sind grob irreführend." Darüber hinaus behält sich Bosch vor, wegen falscher Anschuldigungen rechtliche Schritte gegen die Briten einzuleiten.

Die EU-Kommission erklärte, ihr lägen keine Belege vor, dass Staubsauger-Hersteller betrügerische Mechanismen nutzten, um die Tests zur Einstufung in eine EU-Effizienzklasse zu umgehen. Derzeit gebe es keine verlässliche Methode zu Tests von Staubsaugern mit teilweise gefüllten Beuteln, sondern nur für Geräte mit leeren Beuteln.

Das Energielabel für Staubsauger gibt es erst seit dem letzten Jahr. Damals trat auch die neue EU-Designrichtlinie in Kraft, nach der nur noch Geräte mit einer Leistung bis zu 1600 Watt in den Handel kommen dürfen. Auf die Saugkraft muss sich das nicht zwangsläufig auswirken. Neben dem Motor kommt es auf die Gesamtkonstruktion an, vor allem auf das Gebläse und die Düsen.  

Quelle: n-tv.de

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